Judo

Celeste Skobel fährt zur Deutschen Meisterschaft

„Ich habe nichts zu verlieren, kann dafür aber alles gewinnen“, sagt Celeste Skobel.

„Ich habe nichts zu verlieren, kann dafür aber alles gewinnen“, sagt Celeste Skobel.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die 17-Jährige vom Judo-Club Ahrensburg startet kommende Woche in Frankfurt/Oder erstmals in der Altersklasse U21.

Ahrensburg.  Die innere Anspannung ist nicht mehr ganz so ausgeprägt wie bei ihrem Debüt vor zwei Jahren. Dafür ist bei Celeste Skobel die Vorfreude auf die zweite Teilnahme an Deutschen Meisterschaften im Judo umso größer: „Mir ist nun bewusst, auf was ich mich einlasse. Deshalb freue ich mich auch riesig, gehe die Titelkämpfe aber gelassener an“, sagt die 17 Jahre alte Kämpferin vom Judo-Club Ahrensburg.

Ihren Kampfstil beschreibt Skobel als „eher angriffslustig“

Dennoch ist die Herausforderung bei den am Wochenende 7. und 8. März in Frankfurt/Oder (Brandenburg) ausgetragenen nationalen Titelkämpfen diesmal eine andere: Skobel startet in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm erstmals als jüngster von drei Jahrgängen in der für sie neuen Altersklasse U21. „Das macht die Sache für mich letztendlich doch ein wenig einfacher“, sagt die Elftklässlerin des Eric-Kandel-Gymnasiums mit einem Lächeln. Skobel: „Ich habe nichts zu verlieren, kann dafür aber alles gewinnen.“

Das DM-Ticket hatte Skobel nach einem dritten Platz bei den kürzlich in Lutten (Niedersachsen) ausgetragenen norddeutschen Meisterschaften sicher in der Tasche. Im Halbfinale unterlag die 17-Jährige knapp der Hamburger Meisterin Zarah-Leoni Riecken vom TH Eilbeck. Dagegen war sie im Kampf um die Bronzemedaille gegen Amely Bady vom VfL Stade gleich zweimal mit einem tief angesetzten Seoi Nage (Schulterwurf) erfolgreich. Diesen belohnten die Kampfrichter jeweils mit der Wertung Waza-ari.

Ihren Kampfstil beschreibt Skobel als „eher angriffslustig“. Taktisches Geplänkel auf der Kampfmatte über die volle Zeit von vier Minuten ist nicht ihre Sache. „Ich suche so schnell wie möglich meine Chance und nutze jede Möglichkeit, den Kampf vorzeitig zu beenden“, sagt die 17-Jährige. „Abwarten und auf Konter zu lauern liegt mir einfach nicht.“

Nach dem Schulabschluss möchte die junge Judoka studieren

Mit ihren Gegnerinnen setzt die dunkelhaarige Ahrensburgerin sich eher selten vor einem Kampf auseinander. „Ich konzentriere mich lieber auf mich und meine eigenen Stärken“, sagt sie. „Ich informiere mich aber, ob ich auf eine Rechts- oder Linkskämpferin treffe, damit ich nicht vollkommen unvorbereitet auf die Matte gehe.“ Als Linkshänderin und somit auch als Linkskämpferin steht sie in Kampfstellung mit dem linken Fuß vorn, packt die Gegnerin mit der linken Hand am Revers des Judoanzugs.

Den Judosport auch nach bestandener Abiturprüfung im kommenden Jahr weiter intensiv zu betreiben, ist ein Ziel der 17-Jährigen. „Einen Auslandsaufenthalt ist nicht geplant, den habe ich bereits hinter mir“, sagt Skobel. Im Sommer 2018 reiste die Stormarnerin für eine halbes Jahr nach Mackay, eine kleine Stadt in Queensland (Australien).

Nach dem Schulabschluss möchte die junge Judoka studieren, die Fachrichtung lässt sie sich allerdings noch offen. Vor kurzem nutzte sie den Unitag in Hamburg, um sich an der Universität vor Ort zu erkundigen.

Skobel hat ihrem Trainer Gunnar Kripke viel zu verdanken

„Ein Studium der Naturwissenschaften könnte interessant sein“, sagt Skobel und schmunzelt. „Das werde ich mir nach der DM aber noch genau überlegen.“ Im Vergleich zu ihrem ersten DM-Auftritt hat die 17-Jährige erheblich an mentaler Stärke gewonnen. Das habe sie vor allem ihrem Trainer Gunnar Kripke zu verdanken, gibt die Kampfsportlerin zu. „Wenn er vor einem Kampf mit seiner ruhigen und besonnenen Art auf mich einredet und mir immer wieder sagt, ,du schaffst das’, bringt mir das viel mehr als 1000 Motivationsbücher zu lesen“, so die Ahrensburgerin.

Seit elf Jahren kümmert sich Kripke um die sportlichen Belange der jungen Schlossstädterin. „Celeste ist praktisch seit Gründung der Wettkampfgruppe dabei. Ihr konstanter Trainingsfleiß und angemessener Ehrgeiz haben sie auf das Niveau gebracht, auf dem sie jetzt steht“, sagt der 51 Jahre alte Vorsitzende des Judo-Clubs. „Dass Celeste sich seit vier Jahren zudem als Assistenztrainerin bei uns einbringt, rechne ich ihr hoch an.“

Vor elf Jahren etablierte der Judo-Club eine Kindergruppe

Eine gesunde Mischung aus Breiten- und Wettkampfsport, die der JC Ahrensburg anbietet, scheint gerade bei der Jugend in der Schlossstadt gut anzukommen: Rund 240 Mitglieder hat der im Jahr 1970 gegründete Verein heute. Zwei Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. „In den vergangenen drei Jahren waren wir mit fünf Teilnehmer bei Deutschen Meisterschaften vertreten. Darauf sind wir schon ein bisschen stolz“, sagt Kripke.

Wichtig sei dem Verein, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, sportlich erfolgreiche Jugendliche früh in die Trainertätigkeiten einzubinden. „Gewissermaßen üben sie auf die Jüngeren und ganz Kleinen eine Vorbildfunktion aus“, sagt der Club-Vorsitzende. „Deshalb bemühen wir uns systematisch darum, den Nachwuchs für die Tätigkeit als Assistenzcoach zu begeistern.“

Vor elf Jahren etablierte der Judo-Club erstmals eine Kindergruppe. Gemeinsame Ausflüge, Besuche im Indoo Park in Ahrensburg und das Ausrichten einer Judo-Safari fördern seitdem bei den Kleinen das Gemeinschaftsgefühl. Kripke: „Es ist erfreulich zu sehen, dass heute immer noch viele von ihnen dabei sind, das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit.“

Wer an einem Probetraining beim Judo-Club Ahrensburg interessiert ist, kann sich unter der Telefonnummer 04102/ 99 50 82 an Gunnar Kripke wenden.