Stormarn
Handball

Der Aufstieg ist beim Ahrensburger TSV noch ein Tabu-Thema

Marie Huwe (M., Ahrensburger TSV) wird von Anna-Lena Tischler (l.) und Anna Siebels (beide SG Wilhelmsburg) in die Zange genommen.

Marie Huwe (M., Ahrensburger TSV) wird von Anna-Lena Tischler (l.) und Anna Siebels (beide SG Wilhelmsburg) in die Zange genommen.

Foto: Henrik Bagdassarian

Handballfrauen verteidigen ihre Tabellenführung in der Hamburg-Liga. Überragende Fitness der Mannschaft sei eine Säule des Erfolgs.

Ahrensburg. Die Spielpause in der Hamburg-Liga sorgt dafür, dass die Handballfrauen des Ahrensburger TSV auf jeden Fall bis Mitte März an der Tabellenspitze stehen. Ob Mannschaft und Trainer nach dem angestrebten Heimerfolg am Sonntag, 15. März (15 Uhr, Reesenbüttler Redder), gegen das drittplatzierte HT Norderstedt vier Spieltage vor dem Saisonfinale dann offen mit dem Thema Meistertitel und Oberligaaufstieg umgehen, bleibt abzuwarten. „Noch denken wir lediglich von Spiel zu Spiel, damit sind wir bisher auch gut beraten gewesen“, sagt Rückraumakteurin Marie Huwe mit einem Lächeln.

Huwe absolviert die dritte Saison in der Schlossstadt

Für den derzeitigen sportlichen Höhenflug der Mannschaft hat die 23-Jährige eine einfache Erklärung. „Wir gewinnen die knappen Spiele“, sagt sie. „Zudem stimmt der Teamspirit. Auch in Rückstand liegend lässt sich keine Spielerin hängen. Deshalb finden wir nach schwächeren Phasen immer wieder zurück in die Partie.“

Huwe absolviert die dritte Saison in der Schlossstadt. Stephan Schröder hält große Stücke auf die hochgewachsene Rückraumspielerin. „Marie trifft auf dem Spielfeld nicht nur die richtigen Entscheidungen, sie macht zurzeit auch die wichtigen Tore“, sagt der Trainer der Ahrensburgerinnen.

Mit fünf Treffern war Huwe neben Maren Eckert zuletzt beim 20:19 (11:10)-Heimsieg gegen die SG Wilhelmsburg die erfolgreichste Werferin. Die weiteren Tore erzielten Freya Jensen (3), Guilia Störmer, Kirsten Mertgen (je 2) sowie Anna Lena Sahliger, Merle Langhoff und Julia Finger (je 1).

Bemerkenswert: Den Ausfall von Hanna Brehmer, Eileen Wicher, Mannschaftsführerin Laura Claßen und Sina Reischl – immerhin vier Leistungsträgerinnen – kompensierten die Ahrensburgerinnen ohne Probleme.

Stormarnerinnen überstanden heikle Phase unbeschadet

Durch den 13. Saisonerfolg haben sie nicht nur den Abstand auf einen direkten Konkurrenten im Titelkampf ausgebaut. „Eine Spitzenmannschaft zu besiegen sorgt bei uns Spielerinnen für noch mehr Selbstbewusstsein“, sagt Huwe. Mentale Stärke benötigten die Ahrensburgerinnen auch, um die enge Endphase der Partie gegen Wilhelmsburg zu überstehen. Vier Minuten vor dem Schlusspfiff ahndete das Schiedsrichtergespann beim Stand von 19:17 eine unsportliche Aktion von Eckert mit einer Zeitstrafe.

Die Marschroute in Unterzahl war klar: so lange wie möglich den Ball in den eigenen Reihen halten und nicht überhastet abschließen. Die Stormarnerinnen überstanden die heikle Phase unbeschadet, ehe Eckert – zurück auf dem Spielfeld – mit einem gewaltigen Sprungwurf das 20:17 markierte.

Schröder sieht die überragende Fitness der Mannschaft als eine Säule des Erfolgs. Der Coach forderte vor Saisonbeginn von jeder Spielerin, 60 Minuten durchspielen zu können. Dann bräuchte er sich keine Gedanken machen, wann, sondern nur noch warum er eine Spielerin auf das Spielfeld schickt.

Vor Saisonfinale bremst Schröder bewusst die Euphorie

Zwei Trainingseinheiten in der Woche reichen Schröder nicht aus. Mit der Mannschaft vereinbarte er zusätzlich eine wöchentliche Laufeinheit über fünf Kilometer. Anhand einer GPS-Fitness-Tracking-App sieht er, wer sich an die freiwillige Absprache hält. „Am Ende einer langen Saison kann die Fitness den Unterschied ausmachen“, sagt der Coach. Geduld im Spielaufbau sei eine weitere wichtige Tugend im Handballsport. Schröder: „In dieser Hinsicht ist die Mannschaft in den vergangenen Monaten reifer und cleverer geworden.“

Vor dem Saisonfinale bremst Schröder bewusst die Euphorie. „Zu Beginn der Spielzeit war es nicht unser Ziel, Hamburger Meister zu werden oder in die Oberliga aufzusteigen“, sagt der Coach. „Nun ergibt sich die Chance. Ob wir sie realisieren können, müssen wir sehen.“ Eine Mannschaft unterschätzen werden die Ahrensburgerinnen auch als Spitzenteam nicht. „Keine Spielerin wird sich von der jeweiligen Tabellensituation eines Gegners täuschen lassen. Wer das macht, hat schon verloren“, sagt Schröder. Und obwohl sein Team mittlerweile vom Jäger zum Gejagten geworden sei, sehe er sich zurzeit als einen der entspanntesten Trainer der Liga.

Dreiwöchige Zwangspause kommt Schröder gelegen

„Die aktuelle Situation sollte jeder so lange wie möglich genießen“, sagt Schröder. „Niemand darf vergessen, dass die Spielerinnen die Situation, an der Tabellenspitze mitzumischen, bisher nicht gekannt haben.“ Schröder lobt auch die Reservistinnen, die in einer Begegnung nur wenig oder gar keine Einsatzzeiten bekommen. „Hut ab vor jeder, die viel Zeit auf der Bank verbringt“, sagt er. „Aber auch sie trägt maßgeblich zum Erfolg und zur derzeitigen Situation bei.“

Die dreiwöchige Zwangspause kommt Schröder gelegen. „Unseren Rhythmus werden wir dadurch nicht verlieren“, sagt er. „Jede Spielerin hat Zeit, durchzuatmen und kleinere Blessuren auszukurieren.“