Stormarn
Rückläufiges Interesse

Vorstand beantragt Auflösung eines Stormarner Verbandes

Der Sieker Klaus Ix ist Vorsitzender des Kreis-Tennis- und Hockey-Verbands.

Der Sieker Klaus Ix ist Vorsitzender des Kreis-Tennis- und Hockey-Verbands.

Foto: Thomas Jaklitsch

Etat gekürzt: Der Kreis-Tennis- und Hockey-Verband steht vor dem Aus. Vereinsvertreter entscheiden am Donnerstag.

Ahrensburg. Der Kreis-Tennis- und Hockey-Verband (KTHV) Stormarn wird demnächst 50 Jahre alt, aber zum feiern ist derzeit niemandem zumute. Im Gegenteil: Der einst zweitgrößte Fachverband auf Kreisebene steht vor dem Aus. Der Vorstand des Verbands hat für den morgigen Donnerstag, 13. Februar, zu einem außerordentlichen Verbandstag ins Clubheim des THC Ahrensburg (20 Uhr, Fannyhöh) eingeladen. Einziger Punkt auf der Tagesordnung ist die Auflösung des Kreis-Tennis- und Hockey-Verbands.

„Keine Notwendigkeit mehr für den Fortbestand“

„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, sagte der Verbandsvorsitzende Klaus Ix, aber es gäbe einige Gründe, die keine andere Handlungsweise zulassen würden. „Durch das rückläufige Interesse am Tennissport in Stormarn und einen drastisch gekürzten Etat durch den Tennisverband Schleswig-Holstein ist es aus unserer Sicht nicht mehr möglich, die satzungsgemäße Nachwuchsförderung aufrechtzuerhalten“, so Ix.

Erschwerend komme hinzu, dass vier Mitglieder des Verbandsvorstands, die stellvertretende Vorsitzende Martina Märcker, Schatzmeisterin Melanie Arlt, Jugendwart Michael Langner und Sportwartin Yvonne Springer, ihr Mandat aufgeben oder zumindest auf dem nächsten ordentlichen Verbandstag im März oder April nicht mehr kandidieren wollen. Klaus Ix wäre das einzige Vorstandsmitglied, dass bis zum Ende seiner Amtsperiode im kommenden Jahr im Amt bleiben würde.

Ix sagte, von den Vereinen habe er noch keine Rückmeldung erhalten. Er werte dies jedoch als ein Zeichen der Zustimmung. Henning Offen spricht von einem „vernünftigen Vorschlag“. Er sei von dem Antrag zunächst überrascht gewesen, so der Präsident des THC Ahrensburg. „Aber bei genauerer Überlegung klingt das sehr plausibel.“, sagte er. Der Kreisverband habe früher gewiss seine Berechtigung gehabt. Offen: „Mittlerweile sehe ich aber keine Notwendigkeit mehr für den Fortbestand. Für kleinere Vereine liegen die Dinge vielleicht anders, aber uns würde kein Nachteil entstehen.“

Kreismeisterschaften für Erwachsene gibt es längst nicht mehr

Das liege zum einen an der im März vergangenen Jahres beschlossenen Neustrukturierung des Landesverbands, die auch regional greifen soll, aber auch an der generellen Entwicklung des Tennissports. Die guten Zeiten der Vereine sind längst vorbei. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Mitgliederzahl mehr als halbiert. Die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf hatten einst dazu geführt, dass aus einem elitären Gesellschafts- ein Volkssport wurde. In Spitzenzeiten hatte der KTHV bis zu 46 Mitgliedsvereine mit 12.350 Mitgliedern (davon 12.000 Tennisspieler und 350 Hockeyspieler). Aktuell gehören dem Kreisverband nur noch 36 Vereine mit 5817 Mitgliedern (darunter 283 aktive Hockeyspieler beim THC Ahrensburg und THB Blau-Weiß Bad Oldesloe) an.

Das spiegele sich auch beim Verband wider, sagte Ix. „Früher gab es im Sommer wie im Winter Kreismeisterschaften in allen Altersklassen, Sichtungen als Basis für das Fördertraining und Vergleichskämpfe mit anderen Kreisen – alles organisiert vom KTHV. Heute besteht einzig an der Freizeit-Doppel-Runde der Senioren noch großes Interesse. Am Fördertraining der Jugend nehmen nur noch 16 Talente teil. Die Kreismeisterschaften für Erwachsene gibt es schon länger nicht mehr. Lediglich die Titelkämpfe für Jugendliche finden noch einmal im Jahr statt – allerdings mit immer geringer werdender Beteiligung.“

Bei der Abstimmung ist eine Vier-Fünftel-Mehrheit nötig

Trotzdem wäre es schade, wenn die Auflösung des Kreisverbands dazu führen würde, dass es auch für die Kinder und Jugendlichen künftig keine kreisinternen Meisterschaften mehr gibt, sagte Offen. In diesem Punkt sieht er die Clubs gefordert: „Ich halte es für denkbar, dass die Vereine die Organisation der Jugend-Kreismeisterschaften übernehmen könnten. Wir denken ohnehin darüber nach, wieder vermehrt Turniere zu organisieren und wären auf jeden Fall dabei.“

Die Auflösung des Kreisverbands – in anderen Sportarten wie in beim Fußball oder in der Leichtathletik wäre das kaum vorstellbar. „Das halte ich für absolut undenkbar“, sagte Manfred Hamann, Vorsitzender des Kreis-Leichtathletik-Verbands (KLV). „Bei uns ist die Verbandsstruktur aber auch eine ganz andere. Ohne die 16 Kreisverbände geht da wenig. Allein wir in Stormarn richten pro Jahr 13 Kreismeisterschaften aus, die ohne den Verband einfach wegfallen würden.“

Er wisse von einem Fall, in dem ein benachbarter Kreisverband versucht habe, sich mit zwei einem anderen zusammenzutun. Hamann: „Aber das hatte allein personelle Gründe, weil der Verband Schwierigkeiten hatte, wichtige Posten im Vorstand zu besetzen.

Für die Auflösung des Kreis-Tennis- und Hockey-Verbands ist übrigens eine Vier-Fünftel-Mehrheit notwendig.