Titelkampf

Reinbeker will Deutscher Meister in Karate werden

Ramin Hafizi (TSV Reinbek) hat vor sechs Jahren seinen ersten Wettkampf bestritten.

Ramin Hafizi (TSV Reinbek) hat vor sechs Jahren seinen ersten Wettkampf bestritten.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Ramin Hafizi hat bei den Junioren schon einmal Silber gewonnen. Jetzt will er in der Gewichtsklasse über 84 Kilogramm den Titel holen.

Reinbek.  An sein erstes Karateturnier kann sich Ramin Hafizi noch gut erinnern, denn es war für ihn ebenso frustrierend wie motivierend. „Meine Vereinskameraden hielten am Ende des Tages alle einen Pokal in die Höhe. Nur ich stand mit leeren Händen da, weil ich alle meine Kämpfe verloren hatte“, sagt der 18 Jahre alte Karatekämpfer der TSV Reinbek. Heute ist er dankbar für die Erfahrung, die er vor sechs Jahren in Neumünster sammeln durfte. Lächelnd sagt er: „Damals habe ich mir geschworen, dass mir das nicht noch einmal passieren wird.“

Ramins Trainer traut ihm den Titel zu

Gesagt, getan. Sportlich ging es für den Sohn einer russischen Mutter und eines afghanischen Vaters fortan steil bergauf. Den Höhepunkt erlebte der gebürtige Deutsche vor zwei Jahren bei den in Erfurt (Thüringen) ausgetragenen nationalen Titelkämpfen der Junioren, als er die Silbermedaille gewann.

Für Sonnabend, 7. März, plant er nun den nächsten großen Coup: Bei den in der edel-optics.de-Arena in Hamburg Wilhelmsburg ausgetragenen Deutschen Meisterschaften der Leistungsklassen will Hafizi in der Gewichtsklasse über 84 Kilogramm (Schwergewicht) den Titel holen.

Sein Trainer traut ihm das durchaus zu. „Ramin hat das Potenzial, sich bereits in seinem ersten Jahr in der Leistungsklasse durchzusetzen“, sagt Timo Stieger-Fleischer. „Er hat in den vergangenen Monaten hart trainiert und ist körperlich und mental in hervorragender Verfassung. Dennoch werden neben der Tagesform auch ein gewisses Quäntchen Glück bei der Auslosung und die Frage, wie gut Ramin ins Turnier reinkommt, eine wichtige Rolle spielen.“

Straffes Programm für den jungen Reinbeker

Die lockere Art seines Schützlings sieht Stieger-Fleischer als eine der großen Stärken des 18-Jährigen. „Ramin ist keiner, der sich im Vorwege ausführlich mit seinem Gegner auseinandersetzt. Er vertraut lieber seinen eigenen Stärken“, sagt der Karatecoach der TSV Reinbek, der gleichzeitig auch Landestrainer ist.

Die Unbekümmertheit ist andererseits auch eine der großen Schwächen des jungen Reinbekers. Stieger-Fleischer: „Ramin ist ein absolut liebenswerter Kerl mit sehr viel Talent, auch wenn er manchmal leicht verplant wirkt. Es ist schon mal vorgekommen, dass Ramin bei einem kleineren Turnier seinen ersten Kampf aufgrund von Abwesenheit verloren hatte, da er zur selben Zeit noch in aller Ruhe beim Frühstück saß.“

In gut vier Wochen kann Hafizi sich solche Unbeschwertheit nicht leisten. Einen Tag nach den Deutschen Meisterschaften steht gleich das nächste Kampfsport-Spektakel auf dem Programm, wenn in der Arena am Kurt-Emmerich-Platz der erste von drei Karate-Bundesliga-Wettkampftagen ausgetragen wird. Der zweite Wettbewerb folgt am 27. September in Berlin, der dritte am 24. Oktober in Hagen.

Olympia verleiht Karate mehr Aufmerksamkeit

Dieses Wettkampfformat, für das jeder Landesverband eine Damen- und eine Herrenmannschaft melden kann, gab es bereits Mitte der 1970er- und 1990er-Jahren. Beide Male wurde die Bundesliga aufgrund mangelnder Attraktivität wieder abgeschafft – und durch Deutsche Mannschaftsmeisterschaften ersetzt, die am selben Wochenende mit den nationalen Einzel-Titelkämpfen der Leistungsklasse durchgeführt wurden.

„Als Gastgeber der Olympischen Spiele hat Tokio in diesem Jahr auf eigenen Wunsch Karate erstmals in das olympische Programm aufgenommen“, sagt Stieger-Fleischer. „Das sorgt für mehr Aufmerksamkeit bei den Medien und Sponsoren. Vielleicht ist die Zeit deshalb einfach reif, es noch einmal mit einer Karate-Bundesliga zu versuchen.“ Als Landestrainer stellt Stieger-Fleischer aus den besten Karatekämpfern Schleswig-Holsteins zurzeit eine Mannschaft zusammen. Zwei Athleten sind dafür auf jeden Fall gesetzt: Neben Hafizi ist auch sein Vereinskamerad Fabian Ziebinski dabei.

Nach dem Wettkampf wird er sich aufs Abi konzentrieren

Seit sechs Jahren bietet der ehemalige Europameister Stieger-Fleischer in Reinbek Landesstützpunkt-Training für Kumite Karate an. Seitdem verzeichnet die Sparte eine rasante Entwicklung. Bisheriger Höhepunkt: Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Neumünster holte Stieger-Fleischer vor drei Jahren mit dem Team Schleswig-Holstein nach 25-jähriger Durststrecke und einem 3:1-Finalerfolg über die favorisierten Kämpfer des Budokan Bochum die Goldmedaille.

„Ich hoffe, dass wir keine weiteren 25 Jahre brauchen, um diesen Erfolg zu wiederholen“, sagt Hafizi. Auch wenn der 18-Jährige im Juni in Erfurt (Thüringen) noch einmal um den U21-Titel kämpfen wird, will er nach den beiden Großereignissen in Hamburg erst einmal kürzer treten. „Dann werde ich mich voll und ganz auf die bevorstehenden Abiturprüfungen konzentrieren“, sagt Hafizi, der sich für das Profil Fortschritt und Umweltschutz entschieden hat.

Nach bestandenem Abitur könnte er sich ein Studium der Sportpsychologie oder Chemie vorstellen. „Wir haben einen echt coolen Chemielehrer, der durch seine spezielle Art in mir die Leidenschaft für das Fach entflammt hat“, sagt der 18-Jährige.