Stormarn
Interview

Mit 32 Jahren ist Rouwen Hennings besser denn je

Bei Fortuna Düsseldorf ist Rouwen Hennings Torgarant und Führungsspieler unter Trainer Funkel. Bis 2001 kickte er in der Jugend des VfL Oldesloe, dann wechselte er zum HSV.

Bei Fortuna Düsseldorf ist Rouwen Hennings Torgarant und Führungsspieler unter Trainer Funkel. Bis 2001 kickte er in der Jugend des VfL Oldesloe, dann wechselte er zum HSV.

Foto: ThorstenWagner

Der Fußballer aus Bad Oldesloe ist bei Bundesligist Fortuna Düsseldorf zum Topstürmer gereift. Im Interview verrät er die Gründe.

Düsseldorf. Das Kicken lernte er als kleiner Junge auf einem Innenhof am Ehmkenberg und beim VfL Oldesloe. Beim HSV und auf St. Pauli wurde er ausgemustert, später stürmte er in Osnabrück, Karlsruhe und beim FC Burnley. Inzwischen ist Rouwen Hennings bei Fortuna Düsseldorf, 32 Jahre alt – und in der Form seines Lebens. Neun Tore schoss er schon in der laufenden Bundesliga-Saison, nur Bayerns Robert Lewandowski und der Leipziger Timo Werner trafen noch häufiger.

Ein Gespräch über Stormarn, Familie und Hennings harten Schuss

Nach dem Vormittagstraining der Fortuna nimmt sich Rouwen Hennings Zeit, erstmals seit 2010 wieder mit der Stormarn-Ausgabe des Hamburger Abendblatts zu sprechen. „Ach, die Heimat“, ist seine erste Reaktion auf die Anfrage. Reden wir also über Stormarn, Familie, Hennings harten Schuss und die Schattenseiten seiner Karriere.

Herr Hennings, vor fast zehn Jahren gaben Sie unserer Zeitung ein Interview auf einer Bank am Oldesloer Ehmkenberg. Viele Nachbarn grüßten und irgendwann stand ihre Familie um die Bank herum. Damals spielten Sie bei St. Pauli, jetzt in Düsseldorf. Wie oft besuchen sie inzwischen noch die alte Heimat?

Rouwen Hennings Das ist leider schon ein bisschen länger her, bestimmt anderthalb Jahre. Mittlerweile trifft sich meine Familie eher in Ellerau, wo meine Schwester wohnt. Da war ich erst vor zwei Wochen.

Welche Rolle spielen Ihre Eltern für den Profifußballer Rouwen Hennings?

Schon eine sehr große. Sie haben mich natürlich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Die Fahrerei in der Jugend war ein Riesenaufwand, zumal ich zwei Geschwister habe, die ebenfalls Leistungssport betrieben haben. Heute ist meine Mutter bei meinen Spielen oft im Stadion, mein Vater auch gelegentlich. Auch wenn sie nicht dabei waren, telefonieren wir und besprechen das eine oder andere. Sie sind immer auf dem Laufenden.

Eine Verbindung nach Stormarn haben Sie außerdem über Paul Kujawski, der den Landesligisten des SV Eichede II trainiert.

Paul ist seit Jahren mein bester Freund. Vor anderthalb Wochen haben meine Frau und ich bei ihm übernachtet, er ist ja vor Kurzem Vater geworden. Wenn wir telefonieren, fragt er mich manchmal nach Trainingsinhalten, die mir gut gefallen. Ich schreibe ihm dann ein paar Sachen auf, die er versucht, umzusetzen. Ich bin schon recht gut informiert, was seine Mannschaften so machen.

Ihr älterer Bruder Ramon verriet mal, dass Sie in der Schule bald nur noch mit einem Schaumstoffball kicken durften, aus Sicherheitsgründen. Warum haben Sie schon damals so einen harten Schuss gehabt?

Auf dem kleinen Innenhof in Bad Oldesloe, wo wir gekickt haben, waren alle Altersklassen vertreten. Ich gehörte zu den Jüngeren, die sich gegen die Großen durchsetzen mussten. Mein Bruder hat mir und meinem Kumpel dann beigebracht, mit dem Vollspann statt mit der Pike zu schießen, da war ich ungefähr fünf Jahre alt. Das frühzeitige Erlernen einer sauberen Technik hat vielleicht Anteil an meinem harten Schuss.

Den harten Schuss haben Sie also schon lange. Was hat nun dazu geführt, dass Sie im höheren Fußballalter die beste Form Ihres Lebens gefunden haben?

Aktuell fühle ich mich wirklich super. Ich habe schon über mehrere Jahre fast keine körperlichen Probleme, in dieser Saison habe ich keine einzige Trainingseinheit verpasst. Als ich in den Profifußball eingestiegen bin, war ich nie auf meiner Stammposition, habe drei, vier Jahre in der Zweiten Liga als Außenstürmer gespielt und fast nie als wirkliche Spitze. Seit meinem Wechsel zum Karlsruher SC habe ich dann wieder vorn gespielt und mir über die Jahre die nötige Sicherheit und Erfahrung angeeignet. Es hat halt ein bisschen länger gedauert, aber ich bin mit meinem Werdegang sehr zufrieden. Meine nun dritte Bundesliga-Saison läuft aktuell wirklich gut.

Früher gab es Phasen, wo es nicht so zufriedenstellend lief. Der ARD sagten sie kürzlich: „Meine Schattenseiten der Karriere liegen zum Glück schon länger zurück. Ich denke aber, dass ich daraus gestärkt hervorgegangen bin.“ Das hört sich so leicht an, aber wie geht es einem jungen Mann in so einer Zeit?

Das war damals bei St. Pauli. Ich habe in der Saison nach dem Abstieg in die Zweite Liga wegen einer Verletzung fast die gesamte Vorbereitung verpasst. Dadurch konnte ich in der Hinrunde nicht Fuß fassen. Dann war ich ein halbes Jahr nach Osnabrück ausgeliehen, habe alle Spiele gemacht und mich in eine bessere Form gebracht. Doch der damalige St.-Pauli-Trainer hat nicht mehr mit mir geplant. Ich war 24, meine Tochter anderthalb Jahre alt, und dann hieß es, hier geht’s nicht weiter. Bis dahin war ich überall ein hoffnungsvolles Talent. Jetzt war es das erste Mal, dass ich gehört habe: „Wir wollen dich nicht mehr.“ Das von einem Zweitligisten zu hören, war schon hart.

Wie haben Sie es geschafft, diese Schattenseite Ihrer Karriere zu verlassen?

Ich habe dann den Rückschritt in die Dritte Liga zum KSC gemacht. Das war wirklich ein Neuanfang. Mit der Familie komplett aus dem bisherigen Umfeld rauszugehen, hat uns gutgetan. Wir sind dadurch nochmal enger zusammengerückt. Der Start war auch dort ein bisschen holprig, ich saß auch mal auf der Bank. Letztendlich ist es aber recht schnell besser geworden und seitdem läuft es gut.

Wie gehen Sie inzwischen damit um, in der Öffentlichkeit zu stehen, von vielen positiv und negativ bewertet zu werden?

Ich habe Leute um mich, deren Meinung mir wichtig ist, mit denen ich mich austausche. Daran, dass ich in der Öffentlichkeit stehe, habe ich mich gewöhnt. Früher habe ich aber manchmal nach Spielen in irgendwelche Internetforen geschaut und mir wirklich manchmal zu Herzen genommen, was da geschrieben wurde. In meinem ersten Jahr bei St. Pauli, da war ich 20, habe ich einen wichtigen Elfmeter verschossen und wurde dafür wirklich wüst beschimpft, das war schon ein bisschen heftig. Ich hatte dann ein Gespräch mit dem damaligen Torwart Matthias Hain. Er hat mir gesagt: „Du kannst es nicht allen recht machen. Wenn du vier Tore mit links schießt, gibt es immer noch jemanden, der dich fragt, warum du das nicht auch mit rechts kannst.“

Diese Rolle scheint mitunter ihr älterer Sohn auszufüllen. Nach ihrem Dreierpack auf Schalke hat er Sie gefragt, warum sie den Elfmeter nicht besser geschossen hätten. Dabei war der doch ziemlich gut...

Fand ich eigentlich auch, schön hoch ins Eck. Der Ball ging aber nicht so genau in den Winkel, wie eine Woche vorher im Pokalspiel gegen Aue. Vielleicht ist das jetzt der Maßstab. (lacht)

Ihren Vertrag bei der Fortuna haben Sie nun verlängert. Machen Sie sich trotzdem schon Gedanken über die Zeit nach der aktiven Karriere?

Ich habe schon Ideen, wie ich es gerne machen möchte. Lange war der Plan, nach Norddeutschland zurückzukehren. Jetzt spricht aber vieles dafür, dass ich meine Fußballerlaufbahn in Düsseldorf beenden werde und dann wäre es für die zweite Karriere vielleicht leichter, hier Fuß zu fassen. Erstmal versuche ich, so lange wie möglich Fußball zu spielen, denn das macht am meisten Spaß. Unser Kapitän Oliver Fink ist mit seinen 37 Jahren ein gutes Beispiel.