Stormarn
FUSSBALL

Oldesloer ist Präsident, Obmann, Trainer und Spieler

Einer von fünf möglichen Amateuren des Jahres: Robert Miler (SC Union Oldesloe).

Einer von fünf möglichen Amateuren des Jahres: Robert Miler (SC Union Oldesloe).

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Robert Miler hat den SC Union Oldesloe wiederbelebt. Nun könnte er Amateurfußballer des Jahres werden.

Bad Oldesloe. Als der Trubel um seine Person losging, bekam Robert Miler davon rein gar nichts mit. Denn dass der Vorsitzende des SC Union Oldesloe bei der Wahl zu Deutschlands Amateurfußballer des Jahres vorgeschlagen wurde, erzählte ihm erst mal niemand.

Robert Miler hat den Verein vor dem Untergang gerettet

242 Vorschläge gingen bei dem DFB-Portal Fussball.de ein, einer davon war die Mail von Milers Stellvertreter Benjamin Thies. „Ohne Robert würde dieser Verein vermutlich nicht mehr existieren“, schrieb Thies und legte in wenigen Sätzen Milers riesiges Tätigkeitsfeld dar: „Im Sommer 2018 hatte unser Verein keine Jugendmannschaft und im Herrenbereich lediglich eine Spielgemeinschaft. Robert war in den letzten Jahren nicht nur als Spieler tätig. Im vergangenen Jahr haben wir unter seiner Leitung drei Jugendmannschaften gegründet, die bis heute bestehen. Die Spielgemeinschaft im Herrenbereich konnte aufgelöst werden, weil Robert es geschafft hat, so viele neue Spieler zu gewinnen. Nicht, dass Robert genug als Spieler und Erster Vorsitzender zu tun hätte und sich als Obmann um die Belange der Jugend kümmert, nein, Robert ist auch noch Trainer der zweiten Herrenmannschaft und leitet teilweise auch das Training der ersten Mannschaft.“

Filmteam kam für Aufnahmen ins Kurparkstadion

Die Mail überzeugte. Nun steht Miler als einer von fünf Männern zur Wahl. In einem Onlinevoting sowie mit den Stimmen einer äußerst prominent besetzten Jury könnte er im Dezember zum Amateur des Jahres gewählt werden. Der Trubel hat jetzt schon begonnen. Mitarbeiter von Fussball.de kamen für Filmaufnahmen ins Kurparkstadion, weitere Berichte folgten. Der Traditionsverein, der in der untersten Liga kickt und bis vor Kurzem sogar vor dem Aus stand, erhält nun breite Aufmerksamkeit.

Nur deshalb macht der eher ruhige Miler alles mit. „Eigentlich ist mir das echt ein bisschen unangenehm“, gibt der 32-Jährige unumwunden zu. „Ich sehe aber, dass es Werbung für den Verein ist. Vielleicht stoßen dadurch in der Winterpause noch ein paar Spieler dazu.“

Der Vereinsvorsitzende ist beim SC Union Mädchen für alles

In seine Rolle des Vereinsvorsitzenden und Mädchen für alles ist Miler ein bisschen reingerutscht. Zuerst kickte er beim größten Club der Kreisstadt, VfL Oldesloe, zwischendurch in Hammoor. Den SC Union lernte er nur als Teil der Spielgemeinschaft mit dem TSV Grabau kennen. Miler übernahm den vakanten Posten des Fußballobmanns und lernte die Abläufe im Vorstand kennen. Als ein neuer Vorsitzender gesucht wurde, stellte er sich auf und verjüngte mit seinen Freunden, viele davon sind frühere Unioner, den gesamten Vorstand deutlich. „Wir haben Energie und wollen etwas bewegen. Die Aufgaben teilen wir uns gut auf“, sagt Miler.

Trennung vom TSV Grabau verlief nicht reibungslos

Der Neuaufbau verlief aber nicht reibungslos. Die Trennung vom TSV Grabau wurde von einigen Misstönen begleitet. Beide Clubs hätten sich auf eine gemeinsame Erklärung an den Verband einigen müssen, damit der SC Union das Startrecht in der Kreisklasse A übernehmen kann. Das scheiterte. Union musste mit seinen beiden neuen Mannschaften in der C-Klasse starten. „Das hat vor allem die Spieler gewurmt. Ich habe mit einigen Abgängen gerechnet“, sagt Miler. „Im Nachhinein war es für die Stimmung aber ganz gut.“

Die meisten Leistungsträger blieben, nun eilt das Team von Sieg zu Sieg, hat in zwölf Spielen elfmal gewonnen und 98 Tore geschossen. Ein einziger Ausrutscher kostete den Oldesloern bislang Rang eins, wo nun der mit vielen früheren VfL-Spielern gespickte Rümpeler SV thront. Doch der Aufstieg in die B-Klasse und auch der direkte Durchmarsch in die A-Klasse ist fest eingeplant.

Derby zwischen erster und zweiter Mannschaft

Auf dem Weg dorthin steht am heutigen Freitagabend, 19.30 Uhr, ein besonderes Auswärtsspiel an: im Kurparkstadion, gegen die eigene zweite Mannschaft. Dann hat Trainer Miler die besondere Aufgabe, die „Zweite“ auf das Duell mit dem Aushängeschild des Clubs einzustellen. In diesem Fall gibt er die taktische Marschroute schon vorher bekannt: „Es soll sich keiner verletzen.“

Fünf Tage pro Woche sei er im Schnitt mit dem SC Union beschäftigt, schätzt der Vereinsvorsitzende, Jugendobmann, Trainer und Spieler Robert Miler. Und trotzdem schafft er es hin und wieder, sich seinem zweiten großen Hobby zu widmen, dem Angeln. Alle zwei Jahre geht es nach Norwegen, dazwischen immer mal an einen See in der Region. Beim ganz trubellosen Warten belässt er es aber auch hier nicht: Miler ist in seinem Angelclub Mitglied des erweiterten Vorstands...

Die Abstimmung zum Amateurfußballer und zur Amateurfußballerin des Jahres läuft noch bis Montag, 2. Dezember, 12 Uhr, auf der Internetseite www.fussball.de. Das Voting fließt zu 50 Prozent in die Gesamtwertung ein. Die anderen 50 Prozent basieren auf dem Urteil der Jury, bestehend aus Rainer Koch (1. DFB-Vizepräsident Amateure), Rekordnationalspieler und Ehrenspielführer Lothar Matthäus, Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer, Nationalmannschaftskapitän Alexandra Popp, Stefan Kuntz (Europameister als Spieler und als U-21-Trainer), sowie den beiden Vorjahressiegern der Aktion.