Stormarn
Pferdesport

14 Jahre alte Hoisdorferin meistert jedes Hindernis

Vielseitigkeitsreiterin Felipa Sollorz (RFV Hoisdorf) mit Theo van Heins beim Nachwuchschampionat in Warendorf.

Vielseitigkeitsreiterin Felipa Sollorz (RFV Hoisdorf) mit Theo van Heins beim Nachwuchschampionat in Warendorf.

Foto: MARTIN FOERSTER / HA

Vielseitigkeitsreiterin Felipa Sollorz gilt als großes Talent. Selbst ein schwerer Sturz kann sie nicht bremsen.

Hoisdorf.  Sportlich hat Vielseitigkeitsreiterin Felipa Sollorz in diesem Jahr einige Höhepunkte erlebt. Krönender Abschluss einer langen Saison jedenfalls war für die 14-Jährige vom RFV Hoisdorf der 8er-Team-Finaltag in Elmshorn. Dort wurde Felipa in der Kategorie Vielseitigkeitsreiterei für die innerhalb eines Jahres landesweit erzielte höchste Note (9,5 bei einem Stilgeländeritt der Klasse A**) geehrt.

Unvergessen bleibt dem dunkelblonden Reittalent die Teilnahme als Einzelstarterin beim Bundesnachwuchschampionat im Sommer in Warendorf (Nordrhein-Westfalen) mit dem Hannoveraner Theo van Heins. „Bei einem derart großen Turnier für Schleswig-Holstein im Sattel zu sitzen, war schon ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Felipa mit glänzenden Augen.

Felipa brach sich im Training einen Brustwirbel an

Die zurückliegenden Monate hatten aber auch ihre Schattenseiten: Bei einer Trainingseinheit Anfang September in Ahrensfelde verschätzten Felipa und Theo sich beim Absprung in der Distanz. Der Wallach bekam die obere Stange des Hindernisses zwischen die Vorderbeine und geriet bei der Landung ins Straucheln. Ross und Reiterin stürzten anschließend zu Boden.

Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte bei Felipa eine schwere Gehirnerschütterung. Das Pferd zog sich am Vorderbein eine langwierige Verletzung zu und wird voraussichtlich erst Mitte des kommenden Jahres in den Springparcours zurückkehren. Felipa gönnte sich eine dreiwöchige Pause, ehe sie in Granderheide bei einem Sichtungsturnier des Kreispferdesportverbands Stormarn mit Calais – dem Pony einer Bekannten – ihr Comeback bei einer Stilspringprüfung der Klasse A* feierte.

Angst vor dem ersten Sprung nach der Verletzung hat die junge Hoisdorferin ich nicht

„Ich spürte zwar leichte Schmerzen im Rücken, brachte sie aber nicht in Verbindung mit dem Sturz, da ich mich ansonsten topfit fühlte“, sagt Felipa. Da irrte sich die 14-Jährige aber. Ein weiterer Besuch bei einem befreundeten Arzt in Hamburg ergab eine andere Sachlage: Bei dem Sturz hatte sich Felipa auch noch einen Brustwirbel angebrochen. Eine Operation hielt der Arzt zum Glück für nicht nötig, eine längere Ruhephase dagegen schon.

Vor wenigen Tagen war es endlich soweit: Nach einer Abschlussuntersuchung gab der Arzt grünes Licht, einer Rückkehr von Felipa in den Springparcours steht nun nichts mehr im Wege. Bedenken dabei hat die 14-Jährige keine. „An den Sturz kann ich mich überhaupt nicht erinnern“, sagt sie mit einem Lächeln. „Angst vor dem ersten Sprung habe ich nicht. Ich nenne es lieber gesunden Respekt, den übrigens jeder gute Reiter immer vor einem Springparcours oder einer Geländestrecke haben sollte.“

Olympiasiegerin Auffarth stellt ihr ein Nachwuchspferd zur Verfügung

Die Frage nach einem geeignetem Pferd ist ebenfalls geklärt. Vielseitigkeitsreiterin Sandra Auffarth – sie holte 2012 bei den Olympischen Spielen in London mit der Mannschaft die Goldmedaille – stellt Felipa mit Elico Louvo ein sechs Jahre altes Nachwuchspferd zur Verfügung.

Den Vielseitigkeitssport mit seinen Disziplinen Dressur, Springen und Geländeritt hält Felipa nicht für gefährlicher als diverse andere Sportarten. „Bei einigen Ballsportarten, im Radsport oder beim Turnen ist die Verletzungsgefahr auch nicht niedriger“, sagt Felipa. „Das Risiko bei der Vielseitigkeitsreiterei lässt sich aber erheblich minimieren, wenn man gewisse Regeln einhält: Pferd und Reiter sollten auf jeden Fall mental und physisch zu einhundert Prozent fit sein oder auf einen Start verzichten.“

Die Leidenschaft für die Vielseitigkeitsreiterei hat sie von Mutter Nicole

Die Leidenschaft für den Vielseitigkeitssport bekam Felipa praktisch in die Wiege gelegt. Mutter Nicole Sollorz, selbst eine begeisterte Vielseitigkeitsreiterin, erinnert sich an eine Kreismeisterschaft in Bad Segeberg vor vielen Jahren. „Felipa war schon als Kleinkind bei Turnieren immer mit dabei. Damals in Bad Segeberg beobachtete sie mit Freunden am Wassergraben meinen Ritt“, erzählt die Vorstandsvorsitzende des Clubs Deutscher Vielseitigkeitsreiter. „Als ich auf den Graben zugaloppierte, feuerte meine Tochter mich lautstark mit den Worten ,Gib Gummi Mama’ an. Das sorgte an der Strecke schon für den einen oder anderen Lacher.“

Beim PS Granderheide lernte Felipa auf dem Pony Ulla das Reiten. Später gewann sie mit dem eigenen Pony Djamila dreimal den CDV-Junior-Cup – eine Turnierserie für junge Talente in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Anfang vergangenen Jahres gelang ihr mühelos der Wechsel aufs Großpferd. Mit der irischen Stute Toutsi bewältigte sie in einer Saison den Sprung von der E- bis zur zwei Klassen höheren L-Prüfungsstufe.