Stormarn
Handball SV Preussen

Reinfelds Trainer kritisiert Einstellung seiner Spielerinnen

Reinfelds Rika Tonding (M.) setzt sich gegen die Kielerin Rieke Johanna Meyer durch. Der Rückraumspielerin gelangen drei Tore.

Reinfelds Rika Tonding (M.) setzt sich gegen die Kielerin Rieke Johanna Meyer durch. Der Rückraumspielerin gelangen drei Tore.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Handballer des SV Preußen ist nach 27:28 gegen HSG Holstein Kiel/Kronshagen Tabellenletzter in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein.

Reinfeld.  Detfred Dörling wirkt ein wenig ratlos. Die Miene des 65-Jährigen ist angespannt, die gewohnt gute Laune wie weggeblasen. Der Trainer der Handballfrauen des SV Preußen Reinfeld ahnt, wie viel Arbeit vor ihm liegt, um seine Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Fest steht: Das hochambitionierte Team steht nach der 27:28 (10:20)-Heimpleite gegen die HSG Holstein Kiel/Kronshagen in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein mit dem Rücken zur Wand. Bei einer weiteren Niederlage am kommenden Sonnabend, 9. November (16.30 Uhr, Holzweg), beim Tabellenvierten Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten II würden die Stormarnerinnen als Schlusslicht den Anschluss an einen gesicherten Mittelfeldplatz endgültig auf längere Sicht verlieren.

Reinfelds Trainer nimmt kein Blatt vor den Mund: „Bei einigen Spielerinnen fehlt mir die nötige Grundeinstellung. Sich nach drei Fehlwürfen auswechseln lassen zu wollen, zeugt nicht von der nötigen Mentalität, um in der Oberliga zu bestehen.“

Abwehrreihe gleicht oft einem aufgescheuchten Hühnerhaufen

Die Abwehrreihe, in vergangenen Zeiten das Prunkstück der Mannschaft, gleicht phasenweise einem aufgescheuchten Hühnerhaufen. „Wir fassen die gegnerischen Spielerinnen zwar an, gehen aber halbherzig und nicht mit der nötigen Härte zur Sache“, sagt Dörling. „Es ist unbegreiflich, dass sogar einige gestandene Spielerinnen zurzeit total neben sich stehen. Der Standhandball, den sie phasenweise zeigen, führt dazu, dass wir gegen ein durchschnittliches Team wie die Kielerinnen bis zur Halbzeitpause 20 Gegentore kassieren.“

Einmal in Fahrt, legt Reinfelds Trainer gleich nach: „Wenn die Mannschaft dann noch das Nervenflattern bekommt und kaum einen der im Training einstudierten Abläufe auf das Spielfeld bringt, darf sich keiner über die jetzige Situation wundern.“ Zu was die Reinfelderinnen in der Lage sind, deuteten sie erst in den zweiten 30 Minuten an. „Da hat die Mannschaft gezeigt, dass sie das Handballspielen nicht gänzlich verlernt hatten“, sagt der Coach. 22 Sekunden vor dem Ende der Partie gelang Kreisspielerin Anita Arntzen der Anschlusstreffer zum 27:28. Plötzlich war sogar ein Punktgewinn in Reichweite, die erst 17 Jahre alte Svea Schüller brachte aber einen letzten Angriffsversuch nicht im Kieler Tor unter.

Mannschaftsführerin Beth reagiert auf Niederlage zwiegespalten

Apropos Arntzen und Schüller: Es waren die beiden Neuzugänge, die Dörling nicht nur aufgrund ihrer jeweils sechs Treffer aus einer leistungsschwachen Mannschaft hervorhob. „Anita hat in der Abwehr unglaublich geackert. Wenn alle so zugepackt hätten, hätten wir keine 27 Gegentore kassiert“, sagt der Trainer. „Und Svea hat nicht nur sehenswerte Tore gemacht, sondern auch sonst eine sehr gute Leistung gezeigt.“ Laura Hirt, Rika Tonding, Lina Tonding (je 3), Jil Enke, Alina Krey und Laura Beth (je 2) erzielten die weiteren Tore für die Gastgeberinnen.

Auf die siebte Saisonniederlage reagiert Mannschaftsführerin Beth zwiegespalten. „Die Partie haben wir eindeutig im ersten Durchgang verloren, da wir als Team so gut wie nichts auf das Spielfeld gebracht haben“, sagt die 29-Jährige. „Mut macht aber der zweite Abschnitt. Da haben wir nicht nur einen zwischenzeitlich auf elf Tore angewachsenen Rückstand beinahe egalisiert, sondern sind auch wieder geschlossen als Mannschaft aufgetreten.“

Eine Phase wie die derzeitige hat Beth, die bereits 2007 in der A-Jugend das Trikot der Reinfelderinnen trug, bisher noch nicht erlebt. „Derart schlecht bin ich noch nie mit einer Mannschaft in die Saison gestartet“, sagt die Teamkapitänin. „Deshalb müssen wir uns schnellstmöglich an den nun auf uns lastenden Druck gewöhnen, um uns aus dieser Situation wieder zu befreien.“

Mannschaftsführerin: Zu viele Einzelaktionen

Bei der Analyse schlägt Beth in die gleiche Kerbe wie Dörling. „Vergangene Saison haben wir unsere Spiele in der Abwehr gewonnen und vorn im Angriff den Ball länger laufen lassen, dabei aus jeder Position abgeschlossen“, sagt sie. „Zurzeit versuchen wir über zu viele Einzelaktionen zum Erfolg zu kommen.“

Beth mahnt, zum aktuellen Zeitpunkt nicht nur auf die Dinge zu schauen, die schlecht laufen, sondern auch die Sachen im Blick zu haben, die gut funktionieren. Sie sagt: „Die zuletzt schlechten Auftritte von uns muss jede Spielerin gedanklich abhaken. Die Motivation, die für die kommenden Aufgaben nötig ist, müssen wir einfach aus der Leistung schöpfen, die wir gegen Kiel in der zweiten Halbzeit gezeigt haben.“

Die nächsten Spiele haben es wahrlich in sich: Nach der Partie gegen Buchholz 08-Rosengarten geht es für die Reinfelderinnen am Sonnabend, 16. November, in eigener Halle gegen den Tabellenzweiten TSV Ellerbek. Eine Woche später (23. November) treffen sie auswärts auf die drittplatzierte HSG Mönkeberg-Schönkirchen.