Leichtathletik

Ahrensburgerin Lisa Baumann führt dreimal die Rangliste an

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Henrik Bagdassarian
Lisa Baumann lächelt zufrieden. Sie ist landesweit die beste Kugelstoßerin ihres Alters.

Lisa Baumann lächelt zufrieden. Sie ist landesweit die beste Kugelstoßerin ihres Alters.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die 13 Jahre alte Leichtathletin ist in ihrem Alter landesweit die Beste mit der Kugel, dem Diskus und im Blockwettkampf Wurf.

Ahrensburg.  Ein gestandener Leichtathlet wird auf die Frage, wie oft er in diesem Jahr seine persönliche Bestzeit verbessert hat, schnell die genaue Zahl präsentieren. Lisa Baumann dagegen wirkt für einen kurzen Moment ratlos. Das 13 Jahre alte Multitalent vom Ahrensburger TSV schüttelt leicht verlegen den Kopf. „Das kann ich beim besten Willen nicht genau sagen. Die Anzahl dürfte aber im höheren zweistelligen Bereich liegen“, so Lisa.

Allein bei einem Speerwurfwettbewerb in der Altersklasse W13 in Hamburg steigerte die blonde Teenagerin bei sechs Versuchen die eigene Bestmarke gleich viermal. Ihr vielseitiges Talent schlägt sich zwangsläufig auch in der Nachwuchs-Bestenliste des Schleswig-Holsteinischen Leichtathletik-Verbands (SHLV) nieder.

Sie siegt sogar gegen die älteren Wettkämpferinnen

In drei Disziplinen führt die junge Ahrensburgerin in ihrer Altersstufe das Ranking an: im Diskuswurf (24,47 Meter), im Kugelstoßen (11,03) und mit 2332 Punkten – gleichzeitig Kreisrekord – im Blockwettkampf Wurf (75 Meter, 60 Meter Hürden, Weitsprung, Kugel und Diskus). Zweimal – mit dem Speer (32,20 Meter) und über 75 Meter (10,38 Sekunden) – belegt sie den zweiten Rang.

2019 war bisher sportlich ein erfolgreiches Jahr für die 13-Jährige: Beim Fest der 1000 Zwerge auf der Hamburger Jahnkampfbahn, eines der größten Nachwuchssportfeste der Leichtathletik in Europa, gewann Lisa den Diskus- und Kugelstoß-Wettbewerb. Bei den in Lübeck ausgetragenen U16-Landesmeisterschaften stieß sie sogar bei den ein Jahr älteren Kugelstoßerinnen das Sportgerät am weitesten.

Landestrainer haben Lisa zum Sichtungstraining eingeladen

Und der nächste Höhepunkt ihrer noch jungen sportlichen Laufbahn steht kurz bevor: Torsten Westphal, Landestrainer Nachwuchs, und der Leitende Landestrainer Hinrich Brockmann haben Lisa für Sonntag, 3. November, zu einem Sichtungslehrgang für den neuen E-Kader nach Malente eingeladen. Bei dieser ersten Stufe der Leistungsförderung des Landesverbandes geht es weniger um erzielte Zeiten und Weiten, sondern um die Qualitäten bei der Bewältigung eines Koordinationsparcours und das Lösen von verschiedenen, koordinativ anspruchsvollen Bewegungsaufgaben. „Lisa hat einfach das Talent, technische und koordinative Abläufe in kürzester Zeit umzusetzen“, sagt ATSV-Trainer Heiner Bock.

Eine wichtige Grundlage seines Trainings sei, den Leichtathletiknachwuchs schon im Kindesalter spielerisch an die späteren Herausforderungen der einzelnen Disziplinen heranzuführen. Zur Schulung der Wurfqualitäten arbeitet Bock unter anderem mit dem sogenannten Nerf Vortex Mega Heuler – ein Wurfgerät in Form eines Footballs mit seitlich angebrachten Steuerfedern, das in der Luft Heulgeräusche erzeugt. „Es ist eine einfache Übung, die den Kinder enorm Spaß bringt und bei der ich schon früh Einfluss auf die Anlauf- und Wurftechnik nehmen kann“, sagt Bock mit einem Schmunzeln. „Wenn Lisa damals an der Reihe war, sorgte sie natürlich für das am längsten anhaltende Heulgeräusch in der Luft.“

Wer später in der Leichtathletik überregional Erfolge feiern will, muss frühzeitig lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Auch bei Lisa fließt nach einem gebrauchten Tag im Kugelstoßring oder auf der Tartanbahn schon mal die eine oder andere Träne. Doch meist geht die Achtklässlerin der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule gestärkt aus einer Niederlage hervor.

Im kommenden Jahr steht die neue Altersklasse an

„Wenn etwas nicht nach Plan läuft, bin ich einfach motiviert, es das nächste Mal besser zu machen“, sagt sie. Das nötige Selbstbewusstsein holt sich die 13-Jährige nicht nur durch Wettkampferfolge gegen Gleichaltrige. Als jüngstes Mitglied der Ahrensburger Trainingsgruppe erfährt sie im direkten Vergleich Woche für Woche, nicht immer die Schnellste oder Beste zu sein. „Für Lisa ist das ein ganz wichtiger Prozess“, sagt Bock. „Eine harmonische Trainingsgemeinschaft mit älteren Vereinskameraden trägt viel zur Persönlichkeitsbildung eines jungen Athleten bei.“

Kommendes Jahr steigt Lisa in die nächst höhere Altersstufe W14 auf. Es wird sich für sie einiges ändern: Das Gewicht der Diskusscheibe erhöht sich von 750 Gramm auf ein Kilogramm. Der Sprint geht nicht mehr über 75, sondern 100 Meter, die Hürdendistanz steigert sich um 20 auf 80 Meter.

Ihr Ziel sind die Deutschen Meisterschaften

Die größte Herausforderung wird aber der Weitsprung. Ab der Altersklasse W14 messen die Wettkampfrichter die Weite von der vorderen Kante der erlaubten Absprungfläche und nicht, wie zuvor, innerhalb einer vorgegebenen Zone an die Spitze des Fußabdrucks. Bock: „Ab 2020 kommt es für Lisa darauf an, beim Absprung keine Zentimeter mehr zu verschenken. Diese Umstellung ist für jeden jungen Athleten ein schwieriger Schritt.“

Zum Schluss spricht die 13-Jährige noch über ihr großes sportliches Ziel: „Kommendes Jahr bei den Deutschen Meisterschaften im Blockwettkampf Wurf dabei zu sein, wäre ein Traum.“

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