Stormarn
Reitsport

Hoisdorfer Dressurreiterin und ihr „Porti“ starten durch

Lilli Seidel und „Porti“, wie sie ihren zehn Jahre alten Trakehner-Wallach Portwein liebevoll nennt, sind seit diesem Jahr ein erfolgreiches Duo.

Lilli Seidel und „Porti“, wie sie ihren zehn Jahre alten Trakehner-Wallach Portwein liebevoll nennt, sind seit diesem Jahr ein erfolgreiches Duo.

Foto: Henrik Bagdassarian

Die erst 14 Jahre alte Lilli erreicht beim Finale des Nürnberger Burg-Pokals auf Anhieb den dritten Platz.

Hoisdorf.  Anfang des Jahres stand Lilli Seidel vor dem nächsten Schritt in ihrer reitsportlichen Laufbahn. Das Pony Day of Champ, mit dem die 14 Jahre alte Dressurreiterin 2018 bei den Kreismeisterschaften in der Leistungsklasse 5 den dritten Platz feierte, musste sie schweren Herzens abgeben. Mit einer Körpergröße von 1,72 Metern war sie dem Tier „entwachsen“. „Ich konnte nicht mehr die Zeit aufbringen, um mich wie gewohnt intensiv um ,Daimi’ zu kümmern“, sagt das blonde Reittalent der RGS Ahrensfelde. Jetzt kümmert sich eine Familie mit drei Kindern um das Tier. „Wir haben einen liebevollen neuen Besitzer gefunden, bei dem das Pony in sehr guten Händen ist.“

Mit minimalem Aufwand zum maximalem Erfolg

Lillis Fokus liegt nun auf dem zehn Jahre alten Trakehner-Wallach Portwein. Mit ihm holte die Hoisdorferin 2018 einige Siege und Platzierungen bei Dressurprüfungen der Klasse A. Der Umstieg auf die nächsthöhere L-Stufe war jedoch schwieriger als erwartet. „,Porti’ und ich mussten erst eine längere Durststrecke überwinden, ehe es Schritt für Schritt besser wurde“, sagt die junge Reiterin. Fröhlich fügt sie hinzu: „Dass es aber zum Saisonende so hervorragend mit uns beiden geklappt hat, hat mich schon sehr überrascht.“

Beim in Schenefeld ausgetragenen Finale zum Nürnberger Burg-Pokal der norddeutschen Junioren sicherte sich Lilli auf Anhieb den dritten Platz. Um sich den begehrten Startplatz in der Endrunde einer der bundesweit wichtigsten Turnierserien im Nachwuchsbereich zu sichern, bewies die 14-Jährige zuvor beachtliche Abgeklärtheit. Mit einem minimalen Aufwand erreichte Lilli den maximalen Erfolg. Bei fünf Qualifikationsturnieren, von denen drei in die Wertung einfließen, startete sie dreimal. In Reinfeld wurde sie Dritte. Platz sieben in Ahrensfelde und ein 15. Rang in Schenefeld reichten am Ende, um als Zehnte und somit letzte Qualifikantin in die Endrunde einzuziehen.

Fünf weitere Stormarnerinnen erreichten die Endrunde

„Im Finale ging es bei jedem Starter praktisch bei Null los“, sagt Lilli. „Ich bin unglaublich stolz auf ,Porti’. In einer ungewohnten Umgebung hat er alle Lektionen hervorragend gemeistert.“ Bis auf eine Ausnahme: die abschließende Grußaufstellung. „Am Ende der Darbietung wollte ich mich auf der Mittellinie positioniert von den Richtern verabschieden“, sagt Lilli und schmunzelt. „,Porti’ stand dabei mit dem Hintern viel zu weit zu einer Seite raus. Egal, am Ende hat es für uns beide ja gereicht.“

Die Endrunde in Schenefeld erreichten fünf weitere Reiterinnen aus Stormarn: Lana Meyer-Williams (PS Granderheide) wurde mit Sir Kamelot Vierte. Die Ränge fünf, sieben und acht gingen an ihre Vereinskameradinnen Kiara Kühl mit Holsteins Marengo, Cesarine von Eicken mit Tyra und Sophia Luise Roskothen mit Lanier. Neunte wurde Pia Schäfer vom RV Tangstedt mit Florentinus.

Lillis Pferd ist auf dem Hof Hoisdorf untergebracht. Dort wird die junge Dressurreiterin von Harald Cornelissen, dem Lebensgefährten ihrer Mutter Nina Stiller, trainiert. Gemeinsam mit Cornelissen hat die 14-Jährige eine weitere große Leidenschaft entdeckt. Im Frühjahr bestanden beide beim Tauchclub Ahrensburg den Tauchschein. „Die Schwerelosigkeit unter Wasser ist faszinierend, es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagt Lilli. Dabei stehen das Tauchen und Reiten in direkter Konkurrenz: Beide haben in den wärmeren Monaten Hochkonjunktur. Lilli lächelt und sagt: „Da ich im Sommer meist im Sattel sitze, muss ich meinem neuen Hobby eben in den kühleren Jahreszeiten nachgehen.“

14-jährige Lilli ist schon lange Vegetarierin

Dass die 14-Jährige den nötigen Biss besitzt, zeigte sie in dieser Woche. Gemeinsam mit Harald Cornelissen verbrachte sie zwei Tage im niedersächsischen Hemmoor, um im acht Grad Celsius kalten Kreidesee einige Tauchgänge zu absolvieren.

Lilli ist seit Jahren Vegetarierin. „Ob es ein Bauchgefühl oder eher eine Geschmackssache war, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Heute esse ich aber aus Überzeugung kein Fleisch“, sagt die Neuntklässlerin der Ahrensburger Stormarnschule, die sich auch als Leseratte bezeichnet. Die sieben Bücher der Harry-Potter-Serie hat sie mehrfach gelesen. „Wenn meine Mutter mir irgendeinen beliebigen Absatz vorliest, kann ich ihr sofort sagen, um welches Buch es sich handelt“, sagt die junge Reitsportlerin.

Vielleicht wäre die nächste Herausforderung, eines der Bücher auf Englisch zu lesen. Denn sprachbegabt ist die junge Stormarnerin. Deshalb kann sie sich später auch einen Beruf in dieser Richtung vorstellen. „Vielleicht studiere ich Englisch oder Französisch auf Lehramt“, sagt Lilli.„Das hat den Vorteil, dass ich die Reiterei weiterhin intensiv betreiben könnte.“