Stormarn
Motorsport

Stormarns Kartjugend steigt aufs Auto um

Sie begannen beim MSC Trittau als Kinder mit Kart-Slalom, nun dürfen sie schon in Autos über die Piste jagen: Die jugendlichen Fahrer Patryk Klamycki (v. l.), Paul Lischnewski, Collin Krien, Leon Suhr, Tristan Kartheuser und Gina Grünitz..

Sie begannen beim MSC Trittau als Kinder mit Kart-Slalom, nun dürfen sie schon in Autos über die Piste jagen: Die jugendlichen Fahrer Patryk Klamycki (v. l.), Paul Lischnewski, Collin Krien, Leon Suhr, Tristan Kartheuser und Gina Grünitz..

Foto: Ha / HA

Viele Nachwuchsfahrer wagen mit 16 Jahren eine neue Herausforderung. Nun steht der Saisonhöhepunkt bevor.

Witzhave. Wenn 16-Jährige ein Auto auf 100 km/h beschleunigen, muss das nicht unbedingt verboten und leichtsinnig sein. Im Motorsportclub Trittau wechseln immer mehr Jugendliche vom Kart zum Autoslalom. Das ist schon mit 16 erlaubt – und die Nachwuchsfahrer lernen so rasant, wie sie ihr Gefährt beschleunigen. Thomas Kartheuser durfte das auf dem Beifahrersitz erfahren, als sein Sohn Tristan einmal auf dem Heidbergring trainierte. „Es war schon beeindruckend, wie schnell viele Jugendliche ohne Erfahrung lernen.“

Allerdings ist Tristan auch schon so etwas wie ein alter Motorsport-Hase. Er war gerade mal fünf Jahre alt, als er erstmals in ein Kart stieg. Die Spartenleiterin und Trainerin Uta Piotrowski berichtete einmal von den ersten Trainingseinheiten: „Es war gar nicht so leicht, einen so kleinen Kerl passend in das Kart ‘einzubauen’, so dass er Gas und Bremse vernünftig erreichen konnte. Doch mit einigen Hilfsmitteln wie Kissen und Verlängerungen für die Pedalen wurde er passend gemacht.“

Tristan Kartheuser hat in 133 Rennen 67 Podestplätze belegt

Seitdem habe er mit ihrem Sohn Mike immer wieder die Parcours angeschaut und Besonderheiten besprochen und kaum ein Training verpasst. In 133 Rennen sei Tristan 67-mal auf das Treppchen gefahren, rechnete Piotrowski vor, als Tristan im April von der Bürgerstiftung zum Trittauer Nachwuchssportler des Jahres gewählt wurde.

Mit dem Auto knüpft der 16-Jährige praktisch nahtlos an seine Kart-Erfolge an. In dieser Saison gelang ihm als Neuling zwar noch kein Sieg über die teilweise erfahrenere Konkurrenz, mehrfach fuhr er aber auf den zweiten Platz und qualifizierte sich damit für den Saisonhöhepunkt Ende Oktober, wenn in Urloffen/Südbaden der ADAC-Youngster-Slalom-Cup-Bundesendlauf und die Deutsche Meisterschaft der dmsj (deutsche motor sport jugend) ausgefahren werden. „Man musste sich erst mal an die Größe des Autos und an die Schaltung gewöhnen, die Schwerkraft wirkt auch anders“, sagt Tristan Kartheuser. „Ich habe das relativ schnell gelernt. Es läuft besser, als ich gedacht hätte.“

Beim MSC Trittau ist Tristan in bester Gesellschaft. In ihrem jeweils zweiten Jahr mit dem Auto haben sich auch Collin Krien und Leon Suhr für das Saisonfinale qualifiziert, ebenfalls in der Gruppe der Jahrgänge 2001 bis 2003. Leon wird sein Startrecht jedoch nicht wahrnehmen – die gerade begonnene Berufsausbildung geht vor.

In der Gruppe der Jahrgänge 1996 bis 2000 startet Patryk Klamycki, der seit drei Jahren mit dem Auto um Titel fährt, im Bundesendlauf. In einer anderen Klasse ohne Alterseingrenzung belegte Patryk Klamycki übrigens souverän den ersten Platz, Collin Krien wurde Dritter – auf Rang zwei fuhr ein Konkurrent, der schon 60 Jahre alt und entsprechend deutlich erfahrener ist.

Abteilungsleiterin ist zufrieden mit ihren Schützlingen

Abteilungsleiterin Piotrowski ist „superzufrieden mit den Fahrern. Wie sie ihr Können vom Kart fast eins zu eins ins Auto übersetzen, davor ziehe ich den Hut.“ Wie die Chancen auf den ganz großen Erfolg in Südbaden stehen, könne man allerdings nicht abschätzen. Denn weder der Parcours ist den Fahrern vorher bekannt noch das vom Ausrichter gestellte Fahrzeug.

Motorsport in Trittau ist übrigens keine reine Jungs-Sache. So ist bereits im vergangenen Jahr mit Gina Grünitz die erste Jugendliche auf das Auto umgestiegen. Im Kart-Bereich steuern weitere Mädchen um die Pylonen herum. „Auf zehn Jungs kommt etwa ein Mädchen, wovon einige schon recht erfolgreich sind“, sagt Piotrowski.

Kart-Fahrer Luis Negri ist norddeutscher Vizemeister

Als Leiterin der Automobilslalom-Sparte freut sich Piotrowski überhaupt über viel Nachwuchs. Auch im kommenden Jahr werden wieder vier oder fünf Fahrer aus der Kart-Abteilung wechseln. Etwas schwieriger gestaltet sich die Suche nach Nachwuchs für die Abteilung Jugend-Kart-Slalom, der Piotrowski ebenfalls vorsteht. „Sechs- oder Siebenjährige empfangen wir mit Kusshand, denn man muss die jungen Fahrer ja aufbauen.“, sagt sie. Bereits am kommenden Wochenende fahren die Kart-Slalom-Fahrer zu ihrem Saisonhöhepunkt, dem ADAC-Bundesendlauf in Sinsheim (Baden-Württemberg). Auch dort ist der Verein aus Stormarn mit mehreren Fahrern vertreten. Luis Negri geht in der Klasse der Sieben- bis Neunjährigen sogar als norddeutscher Vizemeister an den Start. Piotrowski: „Das war ein ganz überraschender Erfolg, damit sind alle tierisch glücklich.“ Zudem sind Kilian Knecht (zehn bis elf Jahre), Bastian Fervers (14 bis 15) und als Nachrücker auch Paul Lischnewski (16 bis 18) in Sinsheim dabei.

Tristan Kartheuser hofft, den Motorsport in irgendeiner Form in sein Berufsleben einbauen zu können. Eine richtige Profikarriere gelingt nur den Allerwenigsten. Doch den Kindern und Jugendlichen komme das Slalom-Fahren in anderer Weise zu Gute, findet Piotrowski. „Es fördert die Konzentration und auch die Ausdauer. Und man muss Gelerntes immer wieder abrufen“, sagt sie. „Manche Kinder gehen erst mal verhalten und vorsichtig ran und werden dann immer schneller.“ Dabei gehe es nicht immer um Pokale, sondern auch um kleine, persönliche Fortschritte. „Für viele ist es auch ein Erfolgserlebnis, wenn sie es vom letzten auf den drittletzten Platz oder ins Mittelfeld schaffen.“