Stormarn
Handball

SV Preußen Reinfeld gerät weiter unter Druck

Alina Krey (Mitte, SV Preußen Reinfeld) ist von Mareike Schulz (l.) und Lena Thielvoldt (beide AMTV Hamburg) nicht zu stoppen.

Alina Krey (Mitte, SV Preußen Reinfeld) ist von Mareike Schulz (l.) und Lena Thielvoldt (beide AMTV Hamburg) nicht zu stoppen.

Foto: Henrik Bagdassarian

Oberligistinnen unterliegen dem Altrahlstedter MTV mit 22:23. Für das Team ist es die vierte Niederlage.

Reinfeld.  In sich gekehrt blickt Detfred Dörling nach Abpfiff der Partie gegen den Altrahlstedter MTV noch einmal hoch zur Anzeigetafel der Sporthalle an der Schützenstraße. Verhalten schüttelt der Trainer der Handballfrauen des SV Preußen Reinfeld den Kopf. Die Frage, wo er seine Enttäuschung auf einer Skala von eins bis zehn einordnen würde, beantwortet der 65-Jährige knurrend mit „Bei Zwölf.“

Spielerinnen sollen sich darauf besinnen, Tore zu machen

Wenige Minuten zuvor hatte seine Mannschaft gegen den AMTV Hamburg eine vor allem im zweiten Abschnitt über weite Phasen desolate Leistung abgeliefert und am Ende mit 22:23 (14:13) verloren. In der Tabelle der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein belegen die Stormarnerinnen nur Dank des besseren Torverhältnisses vor der punktgleichen SG Altona den vorletzten Rang.

Die ebenso unerwartete wie unnötige Heimpleite in der Nachholpartie gegen die Hamburgerinnen hatte auch Christian Neubauer die gute Laune gründlich verdorben. „Nach dem Seitenwechsel machten einige Spielerinnen den Eindruck, als ob sie noch nie einen Ball in der Hand gehabt hätten“, sagt der 40 Jahre alte Co-Trainer der Reinfelderinnen. „Selbst Zuspiele über zwei Meter kamen nicht an, zudem trafen die Spielerinnen im Angriff jede Menge falsche Entscheidungen. Sie müssen sich einfach wieder darauf besinnen, die einfachen Tore zu machen.“

In der Oberliga steht jetzt eine 17-tägige Pause an

Zuversicht gibt lediglich der starke Auftritt der beiden Reinfelder Torfrauen. Katherina Buschmann, die abwechselnd mit Annika Rahf zwischen den Pfosten stand, vereitelte mit glänzenden Paraden einige Großchancen der Gäste, ehe ihr so langsam die Kräfte ausgingen. Rahf knüpfte nahtlos an die von ihrer Mannschaftskameradin gezeigte Leistung an. „Katherina und Annika haben uns im Spiel gehalten“, sagt Neubauer. Rückraumakteurin Rika Tonding, die mit sechs Treffern wieder einmal sicherste Schützin der Reinfelderinnen war, attestierte der Co-Trainer ebenfalls Normalform. Rika sei seit Wochen in glänzender Verfassung, betont Neubauer.

Eines der größten Mankos im Angriff der Reinfelderinnen sind zurzeit die nachlässigen Anspiele in die Mitte. Neuzugang Arnita Arntzen, die als Kreisspielerin mehrere Jahre in der Dritten Liga für die HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen gespielt hat, bekam zu wenig Bälle. Nur zweimal brachte sie gegen AMTV das Spielgerät im gegnerischen Gehäuse unter. Neubauer: „In einigen Schlüsselsituationen fehlte der Mannschaft einfach der Überblick. Einige Spielerinnen wollten lieber mit dem Kopf durch die Wand, anstatt die frei stehenden Mitspielerinnen auf den Außenbahnen anzuspielen.“ Alina Key, die zweite hochkarätige Neuverpflichtung des SV Preußen, begann zunächst im linken Rückraum. Der Plan, durch mehrfache Positionswechsel der frühere Zweitligaspielerin des TSV Nord Harrislee mit Rika Tonding auf der rechten Rückraumseite den Gegner aus dem Konzept zu bringen, zeigte nicht die gewünschte Wirkung.

Neubauer erkannte noch eine andere Baustelle: „Ich habe das Gefühl, dass sich einige Spielerinnen momentan auf dem Spielfeld lieber ein wenig im Hintergrund agieren, da sie mit Anita und Alina nun zwei Akteurinnen im Team haben, die das Spiel schon an sich reißen werden“, sagt der 40-Jährige.

Die nun anstehende 17-tägige Pause in der Oberliga kommt den Reinfelderinnen gelegen. „Die Spielerinnen müssen dringend die Köpfe freibekommen“, sagt Neubauer. „Die Trainingseinheiten werden wir intensiv nutzen, um an einigen wichtigen Stellschrauben zu drehen. Die Mannschaft muss wieder die einfachen Tore machen und zu ihrem gewohnt schnelles Aufbauspiel zurückkehren.“

Auswärtspartie in Bredstedt ist richtungsweisend

Der unerwartet schlechte Saisonauftakt mit vier Niederlagen und nur einem Sieg nagt an der Psyche der Mannschaft. Der vor der Saison neu vom Trainer- und Betreuerteam bestimmte Mannschaftsrat mit Laura Beth, Alina Krey und Rika Tonding wird einiges an mentaler Aufbauarbeit leisten müssen. „Alle drei sind sehr erfahrene Spielerinnen, deren Stimme innerhalb der Mannschaft Gewicht hat“, sagt Neubauer. „Das Team ist in sich gefestigt. Ich erwarte, dass alle an einem Strang ziehen, um sich selbst auf dem Tief zu befreien. Nun heißt es: Mund abwischen und weitermachen.“

Weiter geht es am Sonntag, 20. Oktober auswärts beim Tabellennachbarn Bredstedter TSV. Eine durchaus richtungsweisende Begegnung: Die unterlegene Mannschaft wird tiefer in den Tabellenkeller rutschen, der Sieger Richtung gesichertes Mittelfeld marschieren.

Die weiteren Tore für den SV Preußen Reinfeld erzielten: Laura Beth, Alina Krey (je 4), Pia Uhlenbrook, Lina Tonding, Svea Schüller, Jill Enke, Laura Hirt, Sarah Diekert (je 1).