Stormarn
FUSSBALL

Wie Eichede Stefan Richter aus dem Ruhestand holte

Stefan Richter hatte seine Fußballer-Laufbahn eigentlich im Mai beendet. Jetzt unterschieb er beim SVE einen Zweijahresvertrag.

Stefan Richter hatte seine Fußballer-Laufbahn eigentlich im Mai beendet. Jetzt unterschieb er beim SVE einen Zweijahresvertrag.

Foto: Thomas Jaklitsch / Thomas JAKLITSCH

Der langjährige Stürmer des VfB Lübeck soll schon am Sonnabend in Oldenburg sein Debüt für die Oberligafußballer feiern.

Steinburg. 18. Mai 2019: Am abschließenden Spieltag der Regionalliga-Saison wird Stefan Richter noch einmal eingewechselt. Für den VfB Lübeck erzielt der Stürmer gegen den VfL Oldenburg zwei Tore, es sind die letzten beiden von 90 Treffern für seine große Liebe. Richter wird von den Fans besungen und feierlich verabschiedet, sogar Tränen fließen. Es ist das emotionale Ende einer bewegten Fußballer-Laufbahn, der 34-Jährige genießt den Sommer ohne sportliche Verpflichtungen – bis in der vorletzten August-Woche ein Anruf aus Eichede kommt.

Trainer Skwierczynski kennt den Stürmer aus seiner Zeit beim VfB Lübeck

Denny Skwierczynski, Chefcoach der Stormarner Oberligafußballer, trainierte Richter vor Jahren beim VfB. Der Kontakt ist nie abgerissen und der extrem jungen Eicheder Mannschaft mangelt es an erfahrenen Spielern, wie die ersten Wochen der Saison eindrucksvoll zeigen. Das Ende der Transferperiode naht, es muss schnell gehen. Skwierczynski hat das richtige Gespür, denn Stefan Richter hat inzwischen genug vom Fußball-Ruhestand. Die Aufgabe, in einem familiären Verein bei der Entwicklung eines jungen Teams mitzuhelfen, kommt gerade recht. Beide Seiten einigen sich auf einen Zweijahresvertrag.

„Wir sind relativ schnell zusammengekommen. Denny hat mir von den Abläufen erzählt. Zeitlich passt alles zu meinem Vollzeitjob und einer Familie“, erzählt Richter, der als Erzieher arbeitet und Vater einer zehn Monate alten Tochter ist. Dass er sich doch noch nicht vom Leistungssport trennen wolle, das habe er schon in den Wochen vor dem Anruf realisiert. „Ich habe gemerkt, dass sich der Körper verändert“, sagt Richter. Jogging und Tennis reichten nicht aus.

Richter soll vorwegmarschieren und die junge Mannschaft führen

Wer in der laufenden Saison die „richtigen“ Spiele des SV Eichede gesehen hat, wird sich nicht fragen, warum der Club einen 34-Jährigen mit leichtem Fitness-Rückstand verpflichtet hat. Die besten Beispiele sind die beiden letzten Heimspiele gegen den PSV Neumünster (2:3) und den TSB Flensburg (1:2), es waren völlig unnötige Niederlagen, ganz offensichtlich bedingt durch die Unerfahrenheit des Teams, das sich von kleinen Rückschlägen bis zum Abpfiff nicht mehr erholte.

„Wir müssen Stress-Resistenz lernen. Dafür brauchen wir solche Typen“, sagt Trainer Skwierczynski dazu. „Ich erhoffe mir, dass er in diesen Situationen den jungen Spielern hilft, den Faden wiederzufinden oder ihn gar nicht erst zu verlieren.“ Richter hat gezeigt, dass er so ein Führungsspieler sein kann. „Ich habe immer Verantwortung übernommen“, sagt Richter, der aus der Erfahrung von fast 400 Pflichtspielen im Herrenbereich für Lübeck, Altona 93 und den Lüneburger SK schöpfen kann. Um den jüngeren Teamkollegen zu helfen, reiche es nicht, den Mund aufzumachen. „Ich muss die Einstellung im Spiel und im Training zeigen, vorwegmarschieren.“

Als Jugendlicher spielte er unter Doll und Bäron beim HSV

Bei all den Gesprächen über den „Typen“ und „Führungsspieler“ geht fast ein wenig unter, dass der SV Eichede auch einen exzellent ausgebildeten Stürmer verpflichtet hat, der das Zeug hat, in der Oberliga eine Menge Tore zu erzielen. Als Jugendlicher zog Richter aus seinem beschaulichen Heimatort Amelinghausen in der Lüneburger Heide in das damals neue Internat des Hamburger SV, spielte unter anderem unter Thomas Doll und Karsten Bäron. Dass es für den Profibereich nicht reichen würde, merkte der Stürmer schnell, eine beachtliche Laufbahn hat Richter trotzdem hingelegt. In der Regionalliga erzielte er 52 Tore. Höhepunkte waren die drei DFB-Pokalspiele mit dem VfB Lübeck, darunter der sensationelle Sieg über Bundesligist Mainz 05. Skwierczynski sagt über seinen ehemaligen und neuen Stürmer: „Er verrichtet auch Defensiv-Arbeit, hat ein gewisses Anlauf-Verhalten. Vor dem Tor hat er natürlich eine ganz andere Ruhe als ein 20- oder 22-Jähriger.“

Voraussichtlich rückt Richter schon am morgigen Sonnabend in den Kader, wenn der SV Eichede beim starken Aufsteiger Oldenburger SV gastiert (15 Uhr, Schauenburger Platz). „Das ist eine routinierte und sehr robuste Mannschaft, die für jeden Gegner schwierig zu bespielen ist“, sagt Skwierczynski über die Ostholsteiner, die vier ihrer sechs Partien gewannen. „Wir müssen versuchen, in die Erfolgsspur zurückzukommen, aber es wird sicher nicht einfach.“ Auf Stürmer Tim Kathmann (Fußverletzung) und Ersatzkeeper Michél Thomä (pausiert nach Lungen-Problemen) muss der Trainer verzichten.

Bei Richter wird es für 90 Minuten noch nicht reichen, aber mindestens ein Kurzeinsatz ist wahrscheinlich. 7. September 2019: Das neue Kapitel einer bewegten Fußballer-Laufbahn beginnt.