Stormarn
Triathlon

Ahrensburger holt nach Aufholjagd WM-Silber

WM der Altersklassen in Lausanne

WM der Altersklassen in Lausanne

Foto: Ha

Triathlet Udo van Stevendaal gewinnt in Lausanne seine fünfte Medaille in diesem Jahr. Bargfelderin Bettina Lange wird Sechste.

Lausanne.  Udo van Stevendaal ahnte schon nach dem Aufstehen, als er vom Balkon seines Hotelzimmers über den Genfer See blickte: Das wird nicht sein Wettkampf. Tagelang war die Wasseroberfläche spiegelglatt, ausgerechnet am Tag seines Saisonhöhepunkts, den Weltmeisterschaften der Altersklassen im Triathlon über die Olympische Distanz in Lausanne, war es wellig und unruhig. „Das ist für schlechte Schwimmer wie mich natürlich ein extremer Nachteil“, sagte der Ahrensburger.

Nach dem Schwimmen schon sechs Minuten Rückstand

Am Ende grenzte es für ihn an ein kleines Wunder, dass er in der Altersklasse 50 bis 54 hinter dem Amerikaner Robert Skaggs Vizeweltmeister wurde. In 2:12,47 Stunden lag er im Ziel 3:20 Minuten hinter dem Amerikaner. Dabei war beim Schwimmen alles noch viel schlimmer, als van Stevendaal es befürchtet hatte. „Ich habe keinen Rhythmus gefunden, zwischendurch die Orientierung verloren, mehrfach Wasser geschluckt, es war die reinste Qual“, so der 51-Jährige. Er stieg nach der 1,5 Kilometer langen Auftaktdistanz als 29. aus dem Wasser, sein Abstand zur Spitze betrug gut sechs Minuten – damit war es für ihn nahezu aussichtslos, noch in die Medaillenvergabe einzugreifen.

Der 51-Jährige hatte nicht mehr an eine Medaille geglaubt

Für van Stevendaal in dieser Saison eine völlig ungewohnte Situation, immerhin hat er in diesem Jahr jeden Wettkampf, an dem er gestartet war, auch gewonnen. „Ich habe kurz ans Aufgeben gedacht, das aber schnell wieder verworfen, weil mir der Satz von Pierre de Coubertin in den Sinn gekommen ist, den ich am Vortag bei einem Besuch im Olympischen Museum gelesen habe: ,Das Wichtigste im Leben ist nicht der Triumph, sondern der Kampf. Das Essentielle ist nicht, gewonnen zu haben, sondern gut gekämpft zu haben.’“

Das beherzigte der zähe Ausdauerathlet: Auf den 40 Kilometern im Rennradsattel holte er alles aus sich heraus: Bereits nach einem Viertel der Strecke fuhr er auf den zweiten deutschen Mitfavoriten Oliver Degenhardt auf, den van Stevendaal kürzlich bei seinem Titelgewinn bei den deutschen Meisterschaften über die Sprint-Distanz schon einmal hinter sich gelassen hatte. Auch beim Laufen schonte sich der Ahrensburger nicht. „Leider war es wegen zwei unterschiedlicher Startwellen und der vielen Altersklassen schwierig, verlässliche Informationen zu bekommen, wo ich im Feld liege.“ Nach gut neun der zehn zu absolvierenden Kilometer habe ihm jemand zugerufen, er wäre Vierter. „Deshalb bin ich in dem Glauben ins Ziel gelaufen, die Medaillenränge knapp verpasst zu haben“, sagt van Stevendaal.

Van Stevendaal: „Platz ist für mich wie ein Sieg“

Wenig später kam dann aber die erlösende Nachricht vom zweiten Platz. Van Stevendaal: „Angesichts des katastrophalen Schwimmens ist das für mich wie ein Sieg.“ Dafür belohnt sich der Ahrensburger mit einigen Tagen an der Côte d’Azur. Dort ist jetzt Ausspannen angesagt. Van Stevendaal: „Da werde ich Fünfe gerade sein lassen und mir das eine oder andere Eis mehr gönnen.“

Denn für den Ausdauerathleten ist die Saison jetzt vorbei – es war mit zwei deutschen Meistertiteln und einem Sieg bei den Europameisterschaften im Triathlon sowie Gold bei den Duathlon-Weltmeisterschaften seine mit Abstand erfolgreichste überhaupt.

Bettina Lange vom TSV Bargteheide wurde über die Sprintdistanz (0,75/20/5) in ihrer Altersklasse (W50-54) Sechste – allerdings in einem extrem hochkarätigen Feld: In Brigitte McMahon (Schweiz) und Michellie Jones (Australen) waren sogar die Gold- und Silbermedaillengewinnerinnen der Olympischen Spiele 2000 in Sydney dabei. „Neben zwei solchen Persönlichkeiten am Start zu stehen, war schon ein besondres Erlebnis“, sagte Lange. Mit Jones absolvierte die Bargfelderin sogar fast die gesamte Radstrecke. „Sie hat mich gleich nach wenigen Kilometern eingeholt. Ich habe mich dann bei ihr ans Hinterrad geklemmt und mich von ihr durchs Feld manövrieren lassen.“

Bettina Lange wechselte als Führende auf die Laufstrecke

Dabei hat die Stormarnerin auch erlebt, wo Profis wie Jones Zeit gutmachen. „Auf der Strecke gab es eine 12,5-prozentige Bergabpassage, die in einer Rechtskurve endete und vor der alle großen Respekt hatten“, sagte Lange. „Wo andere schon längst gebremst haben, ist sie noch einmal richtig in die Pedalen getreten. Das war schon beeindruckend.“ Lange war das zu riskant – sie ließ etwas abreißen, konnte sich aber in der Wechselzone wieder an der Australierin vorbeischieben und als Führende auf die Laufstrecke gehen.

„Mir war aber klar, dass ich Platz eins nicht verteidigen kann“, sagte Lange angesichts ihrer Ischiasbeschwerden, wegen denen sie seit gut drei Monaten komplett aufs Lauftraining verzichtet hat. Mit Platz sechs und der Zeit von 1:12,50 Stunden sei sie deshalb zufrieden. „Um auf so einem Niveau um die Medaillen mitzukämpfen, muss man 100-prozentig fit sein.“ Ehemann Jens Krohn (1:15,57) zeigte bei den über 60-Jährigen als Elfter ebenfalls ein starkes Rennen.