Schwimmsport

Wie eine 19-Jährige Wellen und Strömung trotzte

„Ich bin einfach nur glücklich und unglaublich stolz, dass ich es geschafft habe“, sagt Lotta Steinmann nach ihrem Rekord.

„Ich bin einfach nur glücklich und unglaublich stolz, dass ich es geschafft habe“, sagt Lotta Steinmann nach ihrem Rekord.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Lotta Steinmann von der SG Stormarn Barsbüttel ist in Rekordzeit durch den Fehmarnbelt geschwommen.

Puttgarden.  4.15 Uhr, Fähranleger Puttgarden: Nach tagelanger Warterei betritt Lotta Steinmann im Norden der Insel Fehmarn die Fähre nach Rødby (Dänemark). Mit Ehrfurcht blickt die 19 Jahre alte Extremschwimmerin noch einmal auf den immer noch von tiefer Finsternis umhüllten Fehmarnbelt. Ihr ist bewusst: In wenigen Stunden wird sie die rund 21 Kilometer lange Strecke von Rødby bis ans deutsche Ufer bei Puttgarden schwimmend zurückzulegen.

Der Start erfolgte von Dänemark aus

Tags zuvor hatte der Organisator Hansebelt, der die 19-Jährige bei dem Vorhaben finanziell unterstützte, grünes Licht gegeben. Der seit Tagen anhaltende starke Ostwind war abgeflaut, eine Durchquerung der Wasserstraße in Begleitung eines Beibootes ein kalkulierbares Risiko. Der Start musste aufgrund der akuten Strömungsverhältnisse allerdings von Dänemark aus erfolgen.

In Rødby angekommen, nahm Steinmann um kurz vor 6 Uhr die Strecke in Angriff. 4:12,0 Stunden später stieg sie in Puttgarden wieder aus dem Wasser. Dabei hatte sie die bisherige Bestzeit des Schweizer Ausdauerschwimmers Bruno Baumgartner aus dem Jahr 2012 (4:53,0 Stunden) deutlich unterboten. „Bei durchschnittlich 18,5 Grad Celsius Wassertemperatur fühlte ich mich mental und körperlich die gesamte Zeit über sehr gut“, sagt die blonde Schwimmerin, die noch bis Ende des Monats bei der SG Stormarn Barsbüttel ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.

Zeitmesser sorgte für technische Probleme

Nach der Hälfte der Strecke nahm der Ostwind mit einer Stärke von bis zu vier Knoten erneut Fahrt auf. Steinmann sprach sich mit ihrem Betreuerteam ab und änderte die Taktik. „Von nun an kraulte ich schräg gegen die Strömung und die aufkommenden Wellen an. Das führte sicherlich dazu, dass ich einige Kilometer mehr auf der Uhr hatte.“

Apropos Uhr: Steinmanns hochmoderner Zeitmesser, der anfangs noch korrekte Daten anzeigte, lieferte zusehends falsche Informationen. „Plötzlich benötigte ich für 500 Meter angeblich gute 20 Minuten, das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagt die 19-Jährige. Eine kurze Rückfrage bei der Besatzung des Beibootes, zu der auch die Eltern Anja und Olaf Steinmann sowie Freundin Sarah Jacobs gehörten, schaffte Klarheit. Steinmann wurde zudem bewusst, dass die verbleibende zu schwimmende Distanz lediglich vier Kilometer betrug. „Da war ich schon ein wenig enttäuscht. Ich fühlte mich im Wasser pudelwohl und war von Beginn an auf eine Gesamtzeit von sechs bis sieben Stunden eingestellt.“

Feierlicher Empfang am Strand von Puttgarden

Zwischenfälle unterwegs gab es keine, lediglich einen kurzen Moment des Selbstzweifels. „Als die Strömung an Fahrt aufnahm und der Wellengang sogar nach dem Verlassen der Fahrtrinne immer noch an Stärke zulegte, war ich schon ein bisschen gefrustet“, sagt Steinmann. „Ans Aufgeben habe ich allerdings keine Sekunde gedacht.“ Ein Containerschiff, dessen Kurs Steinmann zu kreuzen drohte, verließ nach Absprache mit dem Beiboot sogar kurz die geplante Route. „Unglaublich, dass es so etwas noch gibt“, sagt Steinmann.

Am Strand von Puttgarden bereiteten Freunde und Bekannte der 19-Jährigen einen gebührenden Empfang. „Lotta, you did it!“ stand in großen Buchstaben auf einem Banner geschrieben. „Ich war einfach nur glücklich und unglaublich stolz, dass ich es geschafft hatte“, sagt Steinmann und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Wirklich realisiert habe ich das Ganze aber noch nicht.“

Steinmann studiert bald in Kiel

Die Beltquerung war für die angehende Studentin nicht nur eine sportliche Herausforderung. Steinmann wollte mit der Aktion auch symbolisch für das Zusammenwachsen der Fehmarnbelt-Region werben. Denn noch trennt eine Meerenge die deutsche Insel Fehmarn und die dänische Insel Lolland. In rund zehn Jahren soll ein Tunnel unter dem Fehmarnbelt die bisherige Fährverbindung ergänzen und den Austausch von Gütern, Arbeitskräften und Ideen in der Region fördern.

Nach dem Schwimmmarathon klingelte das Handy der 19-Jährigen pausenlos. Unter den Gratulanten war auch der bisherige Rekordhalter Baumgartner. „Über seinen Anruf habe ich mich besonders gefreut, sein Buch über das Extremschwimmen habe ich an einem Tag verschlungen“, sagt die junge Ausdauerathletin, für die in wenigen Tagen ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Mit einer Bekannten bezieht sie in Kiel eine kleine Wohnung, um an der Universität Maschinenbau zu studieren. Mit den langen Distanzen im Wasser will Steinmann trotzdem weitermachen.