Stormarn
Bogenschiessen

Deutsche Meisterschaften: Stapelfelder holen sechs Medaillen

Alexander Jagusch (v. l.), Ursula Brüggemann, Helke Köhne und Heinz Bettin vom VSG Stapelfeld

Alexander Jagusch (v. l.), Ursula Brüggemann, Helke Köhne und Heinz Bettin vom VSG Stapelfeld

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die Bogensportler präsentieren sich bei den Titelkämpfen in guter Form, bleiben aber unter ihren Möglichkeiten.

Stapelfeld.  Zwei Gold-, drei Silber- und eine Bronzemedaille bei deutschen Meisterschaften der Altersklassen fällt für die erfolgsverwöhnten Bogensportler der VSG Stapelfeld eher in die Kategorie „business as usual“. Dass für die Stormarner bei den von der Hamburger Schützengilde ausgetragenen Titelkämpfen in einigen Wettbewerben doch nicht „alles wie gewohnt“ ablief, sorgte im Nachhinein für kollektives Kopfschütteln.

„Zwei Pfeile habe ich im letzten Durchgang neben die Scheibe gesetzt, das ist mit in den ganzen Jahren auch noch nicht passiert“, sagt Heinz Bettin. Dabei lag der 74 Jahre alte mehrfache deutsche Meister bei den Herren Ü65 mit dem Compoundbogen nach dem dritten Durchgang noch klar in Führung. „Ich muss wohl etwas zu mir genommen haben, womit mein Magen nicht gut zurecht kam“, sagt Bettin mit einem Lächeln. „Anders kann ich mir das Missgeschick über die 30-Meter-Distanz, bei der normalerweise jeder Schuss sitzt, nicht erklären.“

Ursula Brüggemann sicherte sich gleich zwei Goldmedaillen

1340 Ringe bedeuteten am Ende Rang drei. Bettin: „Als der ganze Ärger verraucht war, konnte ich mich doch noch über die Bronzemedaille freuen.“ Geschossen bei Wettkämpfen des Deutschen Bogensport-Verbands werden in den Altersklassen vier Durchgänge mit jeweils 36 Pfeilen über verschiedene Distanzen. Alles glatt verlief bei Ursula Brüggemann, die – ebenfalls mit dem Compoundbogen – sowohl im Einzelwettbewerb bei den Damen Ü60 als auch gemeinsam mit Alexander Jagusch und Gintautas Sarkys (4078 Ringe) im Mannschaftswettbewerb die Goldmedaille abräumte.

Dass die Sportschützin über 60 Meter (339 Ringe) und im Gesamtergebnis (1360 Ringe) ihre eigenen deutschen Rekorde, sowie über 50 Meter (342 Ringe) auch die nationale Bestmarke ihrer härtesten Konkurrentin Monika Gassner (SG Aschaffenburg) verbesserte, war für sie, wie sie sagt: „das I-Tüpfelchen auf einer gelungenen Veranstaltung“.

Brüggemann begann erst vor vier Jahren mit dem Bogensport. Anfangs bestritt sie Wettkämpfe mit dem Recurve-, ein halbes Jahr später mit dem Compoundbogen. „Als eine an technischen Dingen interessierte Frau gefällt mir der anspruchsvollere Compoundbogen besser“, sagt die 67-Jährige. „Außerdem ist bei gespanntem Bogen die Zugkraft der Sehne um bis zu 80 Prozent reduziert.“ Ähnlich wie Bettin erging es bei den Titelkämpfen in Hamburg auch Alexander Jagusch mit dem Compound- und Helke Köhne mit dem Recurvebogen. In der Altersklasse Damen Ü60 startete Köhne in Führung liegend in den letzten Durchgang, verlor aber nach einigen missglückten Versuchen entscheidend an Boden. 1153 Ringe reichten ihr am Ende für Platz zwei. Die gleiche Farbe Edelmetall sicherte sich Gintautas Sarkys (1352 Ringe) bei den Herren Ü55 Compound.

Alexander Jagusch: „Das war Gänsehautfeeling pur“

Jagusch wurden in Hamburg die 50 Meter zum Verhängnis. Nach zwei Durchgängen hatte der 50-Jährige mit acht Ringen noch die Nase vorn. Im dritten Abschnitt unterlief Jagusch ein dicker Patzer, den er im abschließenden Durchgang über 30 Meter nicht mehr ausbügeln konnte. Der 50-Jährige musste sich bei den Herren Ü45 am Ende mit der Silbermedaille (1366 Ringe) begnügen, ließ sich seine gute Laune aber nicht verderben. Aus gutem Grund: Wenige Wochen zuvor hatte er bei den vom Deutschen Schützenbund ausgetragenen Deutschen Meisterschaften anlässlich der sogenannten „Finals“ in Berlin den Titel in seiner Altersklasse gewonnen.

„Vor mehreren tausend Zuschauern auf dem Maifeld am Berliner Olympiapark einen Wettkampf zu bestreiten, ist Gänsehautfeeling pur“, sagt Jagusch. „Das Format der ,Finals’ eignet sich hervorragend, um Randsportarten eine größere Aufmerksamkeit in den Medien zu verschaffen.“ Unter der Bezeichnung „Die Finals – Berlin 2019“ wurden in der Hauptstadt Anfang des Monats zeitgleich in zehn unterschiedlichen Sportarten Deutsche Meisterschaften ausgetragen.

Die Freiluftsaison der Bogenschützen geht langsam zu Ende. „Wettkämpfe an der frischen Luft sind natürlich nicht zu überbieten“, sagt Abteilungsleiter Hans-Christof Köhne. „Hallenturniere wie die Berlin Open haben auch ihren besonderen Reiz.“ Bei der bundesweit größten Indoor-Bogensportveranstaltung wollen die Stapelfelder erneut Medaillen holen – eben „business as usual“.