Stormarn
FUSSBALL

Desolate Eicheder verschenken Heimsieg

Auch in dieser Szene konnte der SV Eichede keine Gefahr entwickeln: Marvin Baese (l., PSV Neumünster) klärt vor Evgenij Bieche.

Auch in dieser Szene konnte der SV Eichede keine Gefahr entwickeln: Marvin Baese (l., PSV Neumünster) klärt vor Evgenij Bieche.

Foto: Thomas Jaklitsch / Thomas JAKLITSCH

Stormarner Oberligafußballer unterliegen angeschlagenem PSV Neumünster mit 2:3. Große Schwächen in allen Mannschaftsteilen.

Steinburg.. Das komplette Statement des Trainers dauerte exakt zehn Sekunden: „Kein Spieler hat Normalform erreicht. Trotzdem war es unnötig, dass wir das Spiel verloren haben. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen, und deswegen: Maximale Enttäuschung ist vorhanden.“ Rückfragen waren nicht mehr möglich, Denny Skwierczynski stapfte sichtbar wütend in die Kabine. Die 2:3 (1:1)-Heimniederlage des SV Eichede gegen den PSV Neumünster hat deutlich gemacht, wie viel die Stormarner noch lernen müssen, wenn sie in der Fußball-Oberliga nicht bloß dauerhaft um die Goldene Ananas kicken wollen.

Trainer stapft wütend in die Kabine

Während der Coach keinen Hehl um seine Enttäuschung machte, bemühte sich der Vereinsvorsitzende um ein differenziertes Fazit. Immerhin habe die Mannschaft an einem durchwachsenen Tag die Partie zwischenzeitlich gedreht, sei auf Siegkurs gewesen, sagte Olaf Gehrken. „Natürlich ist es mehr als ärgerlich, dass wir in so einer Phase so einen Fehler machen, der zum 2:2 führt, und auch danach nicht in der Lage sind, stabil zu stehen. Wenn es vorn nicht mehr läuft, muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.“

Skwierczynski und Gehrken hatten völlig recht: Selbst mit einer schwächeren Leistung wäre Neumünster zu schlagen gewesen. Der Gegner reiste ersatzgeschwächt an, musste schon in der ersten Hälfte zweimal tauschen und hatte zu Beginn der zweiten Hälfte, bei eigenem Rückstand, das Wechselkontingent aufgebraucht. Der PSV agierte fehlerhaft und wäre schon mit einem Remis zufrieden gewesen. Erst in der Schlussphase merkten die Gäste, wie verwundbar der SVE tatsächlich ist – und feierten am Ende ungläubig den Auswärtssieg.

Nur Mittelfeldmann Jendrik Brügmann zeigte eine ordentliche Leistung

Doch der Fakt, dass ein Heimsieg möglich gewesen wäre, macht die Versäumnisse umso gravierender. In allen Mannschaftsteilen offenbarten die Stormarner große Schwächen, einzig Mittelfeldmann Jendrik Brügmann zeigte eine ordentliche Leistung. Nicht zum ersten Mal wurde deutlich, dass es in der (sehr jungen) Mannschaft der Steinburger an Spielern mangelt, die den Unterschied ausmachen können und an Akteuren, die konstant ihre Bestleistung abrufen.

In der zweiten Hälfte gingen selbst die erfahrensten Spieler mit unter, allen voran Kapitän Sascha Steinfeldt (28), der sich in der 56. Minute bei einem harmlosen Ball auf Keeper Marcel Gevert verließ, die Kugel im Strafraum auftropfen ließ und dadurch Timo Barendt den Treffer zum 2:2 ermöglichte. „Vom Torwart kam kein Kommando, von daher hätte ich zum Ball gehen müssen“, sagte Steinfeldt selbstkritisch. „Das hat sicher die ganze Mannschaft verunsichert, dadurch kam ein kleiner Bruch ins Spiel.“

Ugur Dagli bringt Eichede mit 2:1 in Führung

Die Partie hatte schon zerfahren begonnen. Überraschend gingen die Neumünsteraner in Führung, als Marc Barck frei vor Gevert auftauchte und mit etwas Glück vollstreckte (13. Minute). Eichedes beste Phase begann in der 27. Minute mit einer Doppel-Chance für Niko Hasselbusch und Jonathan Stöver. Nach einem Foul von Marvin Baese an Hasselbusch zeigte Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer auf den Punkt, Evgenij Bieche verwandelte sicher (38.). Drei Minuten später hätte Bieche nach einer Hereingabe von Stöver sogar fast zur Führung getroffen. Das holte kurz nach dem Seitenwechsel Ugur Dagli nach, der einen Fehler von Paul Sachse nutzte (50.).

Fehler von Sascha Steinfeldt leitet die Wende ein

Mit dem Ausgleichstreffer nach Steinfeldts Fehler kam noch mehr Verunsicherung in die Partie. Nun wirkten erstmals die Neumünsteraner etwas gefährlicher, ohne dabei wirklich zu glänzen. Zehn Minuten vor dem Ende konnte Steinfeldt eine Flanke nicht unterbinden. In der Mitte ließen die beiden anderen Verteidiger Marc Pichelmann und Lars Newrzella den Angreifer Barendt einfach gewähren – 2:3. Die letzte Chance auf einen Punktgewinn vergab Bieche im Fallen (87.).

Man darf gespannt sein, wie sich Skwierczynski äußern wird, wenn der größte Ärger verraucht ist. Wird der Trainer die Qualitäts- oder die Mentalitätsfrage stellen? Oder verweist er auf das vorhandene Entwicklungspotenzial, das geringe Durchschnittsalter, das deshalb vorsichtig gewählte Saisonziel?

Kapitän Steinfeldt warb um Geduld und setzt auf den Lerneffekt. Auf die Frage, was dem SVE noch zu einer überdurchschnittlichen Oberliga-Mannschaft fehle, sagte er: „Ich weiß nicht, ob uns dazu noch was fehlt, das wird die Saison zeigen. Wir sind immer noch jung und müssen Konstanz in unsere Leistung bringen. Wenn man zum falschen Zeitpunkt nicht mehr präsent ist oder von der Linie abkommt, kann so ein Spiel eben noch kippen.“

SV Eichede: Gevert – Steinfeldt, Pichelmann, Newrzella – Bieche, Brügmann, Stöver, Rathjen (59. Zaske), Heskamp – Hasselbusch (78. Wittig), Dagli (59. Wahl)