Stormarn
Pferdesport

Bargteheider Vielseitigkeitsreiterin holt Kreistitel

Vielseitigkeitsreiterin Annika Eickeler sitzt entspannt im Gras. Wallach Da Vinci scheint es zu gefallen.

Vielseitigkeitsreiterin Annika Eickeler sitzt entspannt im Gras. Wallach Da Vinci scheint es zu gefallen.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Annika Eickeler ist mit Da Vinci beste Stormarnerin bei Turnier in Elmenhorst. Die sportliche Zukunft des Wallachs war lange ungewiss.

Schönberg.  Direkt an der Grenze zu Lütjensee hat die Pferdeliebhaberin Annika Eickeler sich ihre eigene Wohlfühloase geschaffen. Gemeinsam mit Ehemann Julian Eickeler übernahm die Vielseitigkeitsreiterin des RFV Bargteheide vor zwei Jahren in Schönberg einen ehemaligen Hof für Islandpferde, um sich in Eigenarbeit einen Traum zu verwirklichen. Das dortige Wohnhaus wurde entkernt und neu aufgebaut. Für die angestrebte Offenstallhaltung bieten mittlerweile rund vier Hektar in Schuss gebrachtes Weideland beste Voraussetzungen. Ein Dressurviereck erleichtert einen Teil des täglichen Trainings.

Vier der zehn geräumigen Pferdeboxen nutzt Eickeler, um auf dem Hof Hohe Horst ihren Job als Pferdephysiotherapeutin auszuüben. Die 31-Jährige hat sich auf die Rehabilitation von verletzten Pferden und das anschließende behutsame Aufbautraining der Tiere spezialisiert. Expandieren will sie nicht. „Die Pferde sind hier, um gesund zu werden. Da wirkt sich jeglicher zusätzlicher Trubel nur negativ aus“, sagt die 31-Jährige. Nach kurzer Gedankenpause fügt sie lächelnd hinzu: „Ziel ist nicht, von dem, was ich tue, reich zu werden. Ich möchte von meiner Arbeit, die ich alleine manage, einigermaßen leben können.“

Eickeler, die zuvor fünf Jahre in Frankfurt lebte, verdankt den Titelgewinn bei den vor Kurzem in Elmenhorst ausgetragenen Kreismeisterschaften der Vielseitigkeitsreiter auch einem glücklichen Umstand. „So ganz vertraut mit der Region bin ich noch nicht, denn eigentlich hatte ich mit Da Vinci für das am selben Tag in Basthorst angesetzte Dressur- und Springturnier gemeldet“, sagt sie. „Kurz vorher erfuhr ich aber, dass ich als Mitglied eines Stormarner Reitvereins in Elmenhorst um die Kreismeisterschaft reiten kann.“

Pferd musste nach Unfall aufgepäppelt werden

Die Geburt ihres Sohnes Fritz im Mai vergangenen Jahres war nur einer der Gründe, warum die dunkelhaarige Vielseitigkeitsreiterin zuletzt eine längere Pause vom höherklassigen Turniersport eingelegt hatte. Vor fünf Jahren zog sich Da Vinci einen Riss des Nackenbands, an dem der gesamte Bewegungsapparat aufgehängt ist, zu. Zudem brach der Wallach sich auch noch das rechte Knie. Der behandelnde Tierarzt vermutete, dass das Pferd in der Nacht auf der Weide gestürzt war und sich anschließend überschlagen hatte.

Eickeler hatte kaum Hoffnung, bewies aber ein geschicktes Händchen im Umgang mit dem verletzten Tier. „Zwischen Da Vinci und mir gab es damals schon eine große emotionale Bindung“, sagt die Vielseitigkeitsreiterin. „Gemeinsam haben wir die schwere Zeit durchgestanden. Woche für Woche erzielten wir aber durch entsprechendes Management und behutsames Handling kleine Fortschritte.“

Drei Jahre später gaben die Tierärzte grünes Licht. Eickeler und Da Vinci bestritten zusammen die ersten leichten Dressur- und Springprüfungen.

Eickeler ritt Prüfungen bis zur Klasse CIC***

An das erste Zusammentreffen zwischen Eickeler und „Storchi“ – den Spitznamen verpasste der Züchter dem Wallach aufgrund der auffallend langen Beine – kann die 31-Jährige sich noch gut erinnern. „Während meiner Ausbildung zur Physiotherapeutin hatte ich meine damaligen zwei Pferde in einem Stall in Malente untergebracht“, sagt die Schönbergerin. „Dort sah ich auch das erste Mal Da Vinci – und verliebte mich auf der Stelle in seine großen Augen.“

Eickeler testete den Nachkommen des wohl bekanntesten deutschen Dressurpferdes Donnerhall sowohl im Springparcours als auch im Gelände, ehe sie ihn erwarb. „Ich spürte, dass Da Vinci ausreichend Potenzial für den Vielseitigkeitssport besaß“, sagt die 31-Jährige. Zu dem Zeitpunkt hatte sie mit dem irischen Sportpferd Rumpel bereits Erfahrungen bei einigen Vielseitigkeitsprüfungen der Klasse CIC** – nach heutigem Standard CIC*** – gesammelt.

Einst für Bundeschampionat qualifiziert

2014 qualifizierte sie sich mit Da Vinci für das Bundeschampionat in Warendorf (Nordrhein-Westfalen). Sie sah aber, auch um das Pferd zu schonen, von einem Start ab. An Motivation hat der Wallach auch nach der schweren Verletzung nichts eingebüßt. Im Gegenteil: „Er wirkt manchmal übermotiviert, fast ein wenig zu wild“, sagt Eickeler mit einem Lächeln. „Bei den Kreismeisterschaften hat er uns aber den Titelgewinn im Springparcours gerettet“, sagt sie. Ross und Reiterin gelang in der zweiten von drei Disziplinen zwar ein Null-Fehler-Ritt, zwischendurch bekamen sie aber Probleme mit der Einhaltung der Zeitvorgabe. „Wir sind weite Wege gegangen und mussten zum Ende hin schneller werden“, sagt Eickeler. „Da Vinci hat gut aufgepasst und mitgedacht.“

In der ersten Disziplin – der Dressur – hätte der Wallach sich solide, aber nicht so ausdrucksstark wie gewohnt gezeigt, sagt die Pferdesportlerin des RFV Bargteheide. „Dafür meisterte er aber die rund dreieinhalb Kilometer lange Geländestrecke, ohne überhaupt einmal mit der Wimper zu zucken.“