Stormarn
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Der VfL Tremsbüttel stürmt die Tabellenspitze

Oftmals einen Schritt schneller: Hier setzt sich Tremsbüttels Torschütze Tim Westphal (M.) gegen den Pölitzer Malte Gerich durch.

Oftmals einen Schritt schneller: Hier setzt sich Tremsbüttels Torschütze Tim Westphal (M.) gegen den Pölitzer Malte Gerich durch.

Foto: Henrik Bagdassarian

Verbandsligisten gewinnen erstes Saisonspiel 3:0 beim SSV Pölitz. Aufsteiger Hamberge schockt SSC Hagen.

Pölitz. Es ist ein Phänomen, das nahezu in jedem Sommer zu beobachten ist: Eine Fußball-Mannschaft zeigt in der Vorbereitungsphase gute Leistungen, gewinnt gegen klassenhöhere Gegner, die Euphorie wächst. Ein anderes Team verliert haushoch gegen eigentlich schwächere Clubs, Unruhe kommt auf. Und kaum wird es ernst, kaum beginnt die Punktspielsaison, zählt all das nicht mehr. Das diesjährige Paradebeispiel für die mangelnde Aussagekraft von Testspiel-Ergebnissen lieferte der Verbandsliga-Start des VfL Tremsbüttel, der gleichermaßen überraschend wie verdient mit 3:0 (2:0) beim SSV Pölitz triumphierte – und nun der erste Tabellenführer der Saison ist.

Trainer hatte von Anfang an ein gutes Gefühl

„Nach dieser Vorbereitung haben uns sicher viele unterschätzt“, nahm auch Tremsbüttels neuer Trainer Marc Mandel nochmals Bezug auf die Ergebnisse beim Vorbereitungsturnier in Bargfeld-Stegen, wo seine Mannschaft gegen die Kreisligaclubs FSG Südstormarn (2:6) und TSV Bargteheide (1:7) untergegangen war. Zwar habe ihm insbesondere die zweite Hälfte gegen Bargteheide damals nicht gefallen, nervös sei er aber nie geworden. „Wir haben extrem gut gearbeitet. Nach dem Abschlusstraining hatte ich dann ein megagutes Gefühl.“

Dieses Gefühl bewahrheitete sich beim ersten Kreisduell der Saison. Zwar agierten die Gäste zunächst aus einer eher defensiven Grundordnung, waren dem Gegner, der eine Woche zuvor noch Oberligist Preußen Reinfeld geschlagen hatte, aber in fast allen Belangen überlegen. Pölitz-Trainer Jan-Christian Hack drückte es nach der Partie so aus: „Sie haben das gespielt, was wir uns vorgenommen hatten.“

Pölitz wirkte über weite Strecken überfordert

Das sah so aus: Nach einem Ballgewinn trieb Frederik Kühn die Kugel über die rechte Seite und fand mit einem weiten Diagonalball Tim Westphal, der mit dem ersten Tremsbütteler Torschuss der Saison zur Führung traf (9. Minute). Extrem robust und teilweise über die Grenze des Erlaubten hinaus agierend, kauften die Gäste Pölitz zusehends den Schneid ab und eroberten immer wieder den Ball im Mittelfeld. Nach einem Eckball traf Maximilian Lampel zum 2:0 (40.). „Das war kurz vor der Pause ein Nackenschlag“, sagte Hack. Nach dem Seitenwechsel wurden die Hausherren kaum noch gefährlich. Jonas Klaus hatte Pech, als er mit einer verunglückten Flanke (64.) und einem Distanzschuss (75.) jeweils den Pfosten traf.

Über weite Strecken wirkte Pölitz überfordert mit der Aufgabe, das Spiel zu dominieren und agierte weniger robust als die Gäste – wobei die Tremsbütteler in einigen Szenen Glück hatten, ohne Gelbe Karte davonzukommen. „Wir wussten, dass wir es nur körperlich schaffen. Bei einem Derby kommt es nicht bloß auf Schönspielerei an“, sagte Mandel.

Hamberges Bastian Beth trifft in letzter Sekunde zum Sieg

Für den Endstand sorgte schließlich der bis dahin gute Pölitzer Schlussmann Florian Höfel, als er Tremsbüttels Kay Arne Dietl anschoss und somit das 0:3 verschuldete (90.+2). Hack ertrug den Jubel der Gäste, die auch von ihrem ehemaligen Trainer Marco Schier unterstützt wurden, wie versteinert auf dem Boden kniend. Später sagte er: „Es haperte heute in allen Bereichen. Das müssen wir jetzt aus den Köpfen kriegen.“

Im zweiten Kreisduell des ersten Spieltags gelang Aufsteiger SV Hamberge gegen den Mitfavoriten SSC Hagen Ahrensburg eine Überraschung. Durch ein Tor von Angreifer Bastian Beth in allerletzter Sekunde (90.+3) gewann der Club, der vor gut einem Jahr noch in der Kreisklasse kickte, mit 3:2 (2:2). „Alle waren heiß und haben eine Top-Mannschaftsleistung gezeigt. Am Ende war es ein glücklicher, aber verdienter Sieg“, jubelte Trainer Matthias Beeck.

Ob verdient oder nicht – Hagens Trainer war das völlig egal. „Wenn man so entscheidende Fehler macht, muss man die Niederlage einfach hinnehmen“, sagte Carsten Holst. Sämtlichen fünf Treffern waren individuelle Patzer vorausgegangen. „Bei uns waren es alles Fehler, die ich schon gesehen und angesprochen habe. Das macht es besonders ärgerlich“, kritisierte Holst vor allem ungenaues Passspiel seiner Schützlinge.

Den ersten Gegentreffer durch Marvin Tebelmann (6.) steckten die Ahrensburger noch schnell weg, drehten die Partie durch Rico Pohlmann (13.) und Jakob Bier (14.) schnell. Schlüsselszene war für Holst dann eine durch Pohlmann vergebene Großchance in der 40. Minute – denn im direkten Gegenzug fiel der Ausgleich durch Beth, der später auch den Siegtreffer erzielte.

Stormarner Quartett ist am Mittwoch wieder im Einsatz

Hamberges Trainer drückte nach dem Erfolg ein wenig auf die Euphorie-Bremse: „Wir sind uns bewusst, dass wir uns in dieser Liga wenig Fehler erlauben dürfen und immer am Limit spielen müssen. Jetzt wird es beim SV Schackendorf wahrscheinlich noch körperbetonter zur Sache gehen.“ An diesem Mittwoch (19 Uhr, Am Sportplatz) muss der Aufsteiger beim Absteiger antreten.

Zeitgleich hofft Pölitz im Auswärtsspiel bei Aufsteiger Borussia Möhnsen (Schwarzenbeker Straße) auf Wiedergutmachung für die Niederlage gegen die Tremsbütteler, die am Mittwoch um 19.30 Uhr (Waisenallee) beim SC Rapid Lübeck antreten.

Einzig der SSC Hagen Ahrensburg darf in der Englischen Woche zu Hause spielen. Gegner ist die SG Sarau/Bosau (20 Uhr, Hagener Allee). Trainer Holst sagte: „Wir haben jetzt eine Drucksituation. Drei Punkte sind Pflicht.“