Stormarn
Triathlon

Oldesloerin Anke Lakies wird Europameisterin

Anke Lakies (Mitte) hält stolz die deutsche Fahne hoch.

Anke Lakies (Mitte) hält stolz die deutsche Fahne hoch.

Foto: HA

52 Jahre alte Triathletin des VfL Oldesloe holt im russischen Kasan die Goldmedaille in ihrer Altersklasse.

Kazan/Russland.  Nach dem gewinn der Goldmedaille stand für Anke Lakies fest: „Alles richtig gemacht.“ Denn zunächst eher emotionslos und aufgrund eines deutlichen Trainingsrückstands skeptisch gegenüber dem eigenen Leistungsvermögen, trat die 52 Jahre alte Triathletin des VfL Oldesloe gemeinsam mit Ehemann Lothar Lakies die Reise mit dem Flugzeug nach Russland an. Ziel war die Millionenmetropole Kasan. Dort wurden die Triathlon-Europameisterschaften der Elite und Altersklassen ausgetragen.

Lakies startete über die Sprint-Distanz (750 Meter Schwimmen/20 Kilometer Radfahren/fünf Kilometer Laufen) – und lieferte das Rennen ihres Lebens ab. Als zweitschnellste Teilnehmerin ihrer Altersklasse (50-54) bewältigte die Oldesloerin die in einem Nebenarm der Wolga gelegene Schwimmstrecke.

Auf dem Rennrad – der Paradedisziplin der dunkelhaarigen Stormarnerin – zog sie das Tempo an und übernahm nach 15 Kilometern die Führung, die auch nach der anschließenden Laufeinheit Bestand hatte. „Irgendwie war aber alles anders als sonst“, sagt die 52-Jährige und lächelt. „Das Laufen, eigentlich eine Disziplin, die mir neben dem Radfahren viel Spaß bringt, fiel mir diesmal äußerst schwer. Ich fühlte mich untrainiert. Die fünf Kilometer zogen sich in die Länge wie ein Kaugummi.“

Nach 1:16,13 Stunden erreichte Lakies das Ziel. Sie war sicher, eine Medaille gewonnen zu haben. „Da mehrere Altersklassen zeitgleich an den Start gehen, wusste ich noch nicht, welche Farbe das Edelmetall nun hatte“, sagt sie. Erst eineinhalb Stunden später – die Eheleute Lakies saßen um 11 Uhr beim verspäteten Frühstück – veröffentlichte eine russische Internetportal die Ergebnislisten. „Dass ich Europameisterin war, fühlte sich zu dem Zeitpunkt so unwirklich an“, sagt Anke Lakies, die auf der Rückreise mit dem Abendblatt während eines vierstündigen Aufenthalts am Flughafen Moskau telefonierte. „Aber das war wohl eher eine Kopfsache.“

Lakies holte 16 Medaillen bei internationalen Titelkämpfen

Mental war die Oldesloerin in Kasan jedenfalls nicht auf der Höhe. Das führt sie vor allem auf einen Sturz mit dem Rennrad einige Wochen zuvor bei den Duathlon-Sprint-Europameisterschaften in Targu Mures (Rumänien) zurück.

„Bei der Kollision mit zwei vor mir fahrenden Konkurrentinnen verletzte ich mich an der Schulter und an der Hüfte“, sagt Lakies. „In den Folgewochen konnte ich deshalb nur eingeschränkt trainieren.“ Die Ausdauerathletin dachte sogar daran, die Teilnahme an der Europameisterschaft in Russland ganz abzublasen. „Das war aber eher eine Gefühlssache, finanziell vernünftig wäre es nicht gewesen.“ Die beiden Flugtickets, die Unterkunft und Startgebühren waren längst bezahlt.

16 Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften im Duathlon oder Triathlon hat Anke Lakies bisher abgeräumt. Dabei bestritt sie Wettkämpfe unter anderem in Israel, China, Mexiko, USA, Kanada, Ungarn, Portugal oder nun Russland. Die weltweiten Sportveranstaltungen verbinden Anke und Lothar Lakies gern mit einem ausgedehnten Erholungsurlaub. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt der 52-Jährigen nach der Rückkehr nicht: Am 11. August stehen die Deutschen Meisterschaften im Sprint in Bremen auf dem Programm.