Stormarn
Schwimmen

Barsbüttelerin holt Doppelgold in der Masterklasse

Lotta Steinmann (SG Stormarn Barsbüttel)

Lotta Steinmann (SG Stormarn Barsbüttel)

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Lotta Steinmann von der SG Stoba siegt in der Masterklasse der Altersstufe AK20 sowohl über zweieinhalb als auch über fünf Kilometer.

Barsbüttel.  Ein in der Natur gelegener größerer See ist für die einen der geeignete Ort, um Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Lotta Steinmann dagegen versetzt allein der Anblick eines derartigen Gewässers in eine ganz besondere Gemütslage. „Der erste Gedanke, den ich dann habe, ist, mir meinen Badeanzug zu schnappen und ein paar Runden durchs Wasser zu gleiten“, sagt die 19 Jahre alte Schwimmerin der SG Stormarn Barsbüttel.

Das mit „ein paar Runden gleiten“ ist dabei eher relativ. Denn als Freiwasserschwimmerin ist die blonde Stormarnerin seit Jahren spezialisiert auf längere Distanzen. Zweieinhalb, fünf oder zehn Kilometer sind die Strecken, die sie bevorzugt. „Wenn ich mich über eine längere Zeit im Wasser bewege, empfinde ich einfach ein Wohlgefühl“, sagt Steinmann und lacht. „Und je größer die Wasserfläche am Ende ist, desto wohler fühle ich mich.“ Dass die junge Barsbüttelerin im Wasser nicht nur die nötige Ausdauer, sondern auch die entsprechende Schnelligkeit an den Tag legt, zeigte sie vor Kurzem eindrucksvoll bei den im bayerischen Burghausen ausgetragenen Deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen.

In den Wettbewerben der Masterklassen räumte sie in der Altersstufe AK20 sowohl über zweieinhalb (29:34,47 Minuten) als auch über fünf Kilometer (59:59,97 Min.) die Goldmedaille ab. Über fünf und zehn Kilometer startete Steinmann auch in der Wertung der jahrgangsübergreifenden offenen Klasse – und sicherte sich zweimal den 13. Rang. „Nach einer knapp einjährigen Pause vom Schwimmsport hatte ich mit dem guten Abschneiden gar nicht gerechnet“, sagt die 19 Jahre alte Schwimmerin.

Da Rennen über lange Distanzen meist taktisch geprägt und stark von den äußeren Witterungsverhältnissen abhängig sind, spielt die Zeit eher eine untergeordnete Rolle. „Über die 2,5-Kilometer-Distanz bin ich meinen bisher taktisch klügsten Wettkampf geschwommen, obwohl mir die Strapazen über die zehn Kilometer vom Vortag noch in den Knochen steckten“, sagt Steinmann.

Von Beginn an setzte sich die Barsbüttelerin an die Spitze des Feldes, um die direkte Konkurrenz regelmäßig mit kurzen Sprints aus der Reserve zu locken. Steinmann: „Zwischendurch bin ich immer wieder in die Rückenlage übergegangen, um meine Verfolgerinnen besser im Blick zu haben.“

Steinmann verbrachte vier Jahre auf einem Sportinternat

Bereits in jungen Jahren war die geborene Möllnerin auf längere Strecken im Freiwasser fokussiert. „Meine Großeltern wohnen direkt am Möllner See, allerdings auf der gegenüberliegenden Seite von meinen Eltern“, sagt Steinmann mit einem Lächeln. „Da war es manchmal einfacher, quer durch den See zu schwimmen, als um ihn herumzulaufen.“ Im Alter von 14 Jahren zog sie allein nach Sachsen-Anhalt, um in Magdeburg für die nächsten vier Jahre ein Sportinternat zu besuchen. „Auch wenn dem Schwimmsport die ganze Aufmerksamkeit galt, spürte ich ab und zu Heimweh“, sagt die blonde Wassersportlerin. Im Sommer 2017 fällte sie sogar den Entschluss, ganz mit dem Schwimmen aufzuhören. „Einige Dinge passten damals einfach nicht mehr so zusammen, zudem wollte ich mich voll und ganz auf die bevorstehenden Abiturprüfungen konzentrieren“, sagt Steinmann.

Das Abitur bestand die junge Schwimmerin ohne Probleme. Was den Schwimmsport betrifft, entschied Steinmann sich für einen Rücktritt vom Rücktritt. Vergangenes Jahr kehrte sie in den Norden zurück und begann bei der Schwimmgemeinschaft Stormarn Barsbüttel einen Bundesfreiwilligendienst. Steinmann kümmerte sich um verschiedene Kinder- und Breitensportgruppen und war morgens beim Schulschwimmen mit dabei. In rund sechs Wochen endet ihr freiwilliges Engagement in Barsbüttel. Konkrete Pläne, wie es weiter geht, hat sie schon geschmiedet. „Ich werde Maschinen- oder Schiffsbau studieren“, sagt Steinmann. „Die Frage ist nur, ob in Kiel oder Hamburg.“

Die junge Barsbüttelerin ist auch eine Leseratte

Wettkämpfe im Freiwasser will sie auf jeden Fall weiter bestreiten. „Wie intensiv ich den Schwimmsport dann aber noch betreiben kann, hängt davon ab, inwieweit ich Studium und Sport unter einen Hut bekomme“, sagt sie. Mehr Zeit zum Lesen will Steinmann sich auf jeden Fall nehmen. Die 19-Jährige interessiert sich für Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen. „Mein letztes Buch handelte von der Beziehung eines deutschen Soldaten zu einer Norwegerin im Zweiten Weltkrieg“, sagt Steinmann, die gleich noch eine Leidenschaft verrät. „Ich stricke gern. Sich einfach nur einen Film anzuschauen, ist unproduktiv, besser ist, nebenbei etwas zu schaffen.“

Bei den nationalen Titelkämpfen im Freiwasserschwimmen standen zwei weitere Schwimmerinnen der SG Stoba auf dem Siegertreppchen: Elea Linka belegte im Wettkampf des Jahrgangs 2001 über zehn Kilometer (1:58,44 Stunden) den zweiten Rang, in der offenen Wertung reichte ihre Leistung für Rang drei.

Über fünf Kilometer gewann sie in 58:10,41 Minuten eine weitere Silbermedaille. Hannah Gätjen war in ihrem Jahrgang (2006) mit einer Zeit von 29:57,65 Minuten zweitschnellste über die 2,5-Kilometer-Distanz.