Stormarn
Dressurreiten

Lütjenseerin gewinnt die Future Champions

Rose Oatley und Pony Daddy Moon sind seit zweieinhalb Jahren ein Team

Rose Oatley und Pony Daddy Moon sind seit zweieinhalb Jahren ein Team

Foto: Privat / HA

Dressurreiterin Rose Oatley vom PS Granderheide zählt in Deutschland zu den größten Talenten. Nun ist sie Mitglied des Bundeskaders.

Lütjensee.  Um ihr Pony Daddy Moon und sich selbst auf die bevorstehende Aufgabe einzustimmen, nimmt Rose Oatley sich vor einer Dressurprüfung ausreichend Zeit. „Ein geordneter Ablauf ist mir wichtig, feste Rituale dagegen nicht“, sagt die junge Pferdesportlerin aus Lütjensee.

Vor dem Ritt ins Viereck darf der kurze Augenkontakt zu Mutter und Trainerin Kristy Oatley nicht fehlen. „Sie signalisiert mir dann per Handzeichen, dass alles soweit in Ordnung ist“, sagt Rose. „Das gibt mir zusätzlich Sicherheit, denn zuvor auf dem Abreitplatz bin ich immer ziemlich aufgeregt. Sobald die Prüfung beginnt, ist das Lampenfieber aber wie weggeblasen.“

Auf den bisherigen Saisonverlauf angesprochen sagt Rose zurückhaltend: „Es lief ganz gut, ich bin zufrieden.“ Wobei die Wortwahl „lief ganz gut“ eher eine kleine Untertreibung ist. Im Mai nominierte Cornelia Endres, die Nationaltrainerin der Ponydressurreiter, die dunkelblonde Lütjenseeerin nach Platz zwei beim Preis der Besten in Warendorf (Nordrhein-Westfalen) für den Bundeskader.

Stormarnschule unterstützt die Zwölfjährige

Das in sie gesetzte Vertrauen zahlte Rose vor Kurzem mit einem Sieg (75,766 Prozent) bei einer L**-Aufgabe anlässlich des international besetzten Dressurturniers Future Champions in Hagen (Niedersachsen) zurück. In der Kür und der Mannschaftswertung belegte die junge Stormarnerin jeweils den zweiten Rang. Die Dressuraufgaben in Warendorf und Hagen waren zwei von drei Sichtungsprüfungen für die Europameisterschaften der Ponyreiter. Diese werden vom 15. bis 18. August im polnischen Strzegom ausgetragen. Zur dritten Sichtung trifft sich die europäische Elite der jugendlichen Dressurreiter Anfang Juli in Luxemburg.

Rose bleibt – auch wenn die Ausgangslage zurzeit besser kaum sein könnte – bescheiden. Sie sagt: „Natürlich hoffe ich auf eine Nominierung, die Entscheidung trifft aber allein die Bundestrainerin.“ Für die Deutschen Jugendmeisterschaften (12. bis 15. September in Zeiskamp, Rheinland Pfalz) hat sie als Mitglied des Bundeskaders die Qualifikation bereits in der Tasche.

In Ahrensburg besucht Rose die siebte Klasse der Stormarnschule. Sie gilt als gute Schülerin. Ohne Unterstützung der Lehranstalt wären die nationalen und internationalen Erfolge im Reitsport allerdings nicht möglich. Für größere Turniere muss die Zwölfjährige vom Unterricht freigestellt werden.

Enge Bindung zu Pony Daddy Moon

„Mein Klassenlehrer Frank Stobäus hat viel Verständnis und unterstützt mich, wo er kann“, sagt Rose. „Vor einiger Zeit hatte er sogar einen Zeitungsbericht über mich und mein Pony im Lehrerzimmer aufgehängt, woraufhin einige andere Lehrer auf mich zukamen, um mir zu gratulieren, das war schon klasse.“ Das neun Jahre alte Deutsche Reitpony hat Rose seit zweieinhalb Jahren. Ihr geschicktes Händchen im Umgang mit Pferden sorgte für eine zunehmend engere Bindung zu Daddy Moon.

Die englische Sprache spricht die Zwölfjährige ebenso fließend wie die deutsche. Das hat Rose auch den regelmäßigen Reisen zu ihren Großeltern Rosalind Oatley und Rainer Nist nach Australien zu verdanken. Vor knapp einem Jahr entdeckte sie eine weitere Leidenschaft: Rose spielt im Sturm oder rechten Mittelfeld für die FSG Südstormarn in der E-Jugend Fußball. Trainer ist ihr Vater Piotr Staczek.

Rose lacht und sagt: „Auch wenn es kaum einer glaubt, aber sowohl beim Reit- als auch beim Fußballtraining läuft mit meinen Eltern alles sehr harmonisch ab. Sie wissen ja auch genau, wovon sie sprechen.“ Besser hätte Rose es kaum ausdrücken können: Vater Piotr Staczek ist ein ehemaliger Fußballprofi des FC St. Pauli. Mutter Kristy Oatley startete als Dressurreiterin für ihr Heimatland Australien bisher viermal bei Olympischen Spielen. „Es schweißt einfach zusammen, wenn Mutter und Tochter den selben Sport betreiben“, sagt Kristy Oatley. „Da Rose gut strukturiert ist, setzt sie Dinge, die wir im Training besprechen, schnell um.“

Bis auf eine Teilnahme an einem Weltcup-Turnier in Ungarn hat die Australierin in diesem Jahr bisher auf Starts bei größeren internationalen Turnieren verzichtet. „Das habe ich Rose zuliebe gemacht. Aber nach den Sommerferien greife ich wieder an“, sagt Kristy Oatley mit einem Lächeln.