Stormarn
Neuer Spieler

Brexit ermöglicht dem TSV Trittau Königstransfer

Sergey Sirant (25) gewann im Februar mit dem russischen Mixed-Team Bronze bei der Europameisterschaft.

Sergey Sirant (25) gewann im Februar mit dem russischen Mixed-Team Bronze bei der Europameisterschaft.

Foto: Getty Images

Dank einer neuen Ausländer-Regel verpflichtet das Badminton-Bundesligateam den Russen Sergey Sirant.

Trittau.  Inzwischen haben sie beim TSV Trittau den monatelangen Abstiegskampf in der Badminton-Bundesliga verdaut, noch lang aber nicht vergessen. „In diese Situation will ich nicht wieder kommen“, sagt Sabina Persson, die als Abteilungsleiterin die Hauptverantwortung für die sportlichen Resultate trägt – und nun umso akribischer daran arbeitet, die Mannschaft bis zum Start der neuen Saison entscheidend zu verbessern.

Wie in jeder Sommerpause ist das jedoch eine Art Mammutprojekt. Fünf Abgänge sind zu ersetzen, darunter zwei Leistungsträger. So zählt neben Doppel-Spezialistin Kilasu Ostermeyer, die sich Bundesliga-Konkurrent TV Refrath angeschlossen hat, auch Trittaus erfolgreichster Spieler Joachim Persson zu den Abgängen. „Die Umstände sind bekannt“, sagt die Abteilungsleiterin dazu. Sabina Perssons ältester Sohn, der am heutigen Donnerstag seinen 36. Geburtstag feiert, war im März durch den Weltverband für 18 Monate gesperrt worden, weil er gegen den Verhaltenskodex in den Bereichen Wetten und irreguläre Spielergebnisse verstoßen haben soll (wir berichteten).

Fraglich, ob Persson noch mal spielen wird

Ob er im Herrenbereich überhaupt noch mal spielen wird, ist somit fraglich. Joachim Persson selbst werde aus finanziellen Gründen gegen die Sperre voraussichtlich nicht vorgehen, sagte Sabina Persson. Dennoch soll es hinter den Kulissen rumoren. Viele Mitglieder der Badminton-Szene empfinden das Urteil als ungerechtfertigt oder zu hart.

Auch Ciara Torrance, Fee Tang Liew und Monika Zsoke haben den Verein verlassen. Somit fehlt dem TSV besonders auf der Damenseite noch die Breite, auch für die in der 2. Bundesliga spielende Reserve. Die Trittauer sind gewarnt und haben zuerst in ein hoffnungsvolles Talent investiert: Hope Warner. Die 17 Jahre junge Engländerin gehört zu den besten Doppel- und Mixed-Spielerinnen im europäischen Junioren-Bereich. Das wird dem TSV mitunter allerdings zum Nachteil gereichen. Zuerst im September und Oktober, wenn Warner bei der U-19-Weltmeisterschaft antreten und somit in der Bundesliga fehlen wird. „Sie kann nicht immer dabei sein. Das müssen wir aber in Kauf nehmen, weil es extrem schwierig ist, Doppel-Spielerinnen zu bekommen“, sagt Sabina Persson.

Politische Entwicklungen ermöglichten Toptransfer

Für den Herrenbereich haben die Stormarner schon zwei Verstärkungen gewonnen. Kuriose Hilfe steuerte der drohende Brexit bei: Bisher war in der Bundesliga die Zahl der einsetzbaren Spieler aus dem Nicht-EU-Ausland begrenzt. Dieses Kontingent schöpfte der TSV Trittau in der Regel allein mit seinen Indonesiern aus. Weil in Deutschland aber viele Briten aktiv sind, reagierte der Verband schnell. Ab sofort ist nicht mehr ausschlaggebend, ob der Spieler aus dem EU-Raum kommt, sondern aus Europa.

Somit ermöglichten die politischen Entwicklungen im Königreich den Königstransfer der Trittauer. Erstmals werden zwei Russen zum Kader zählen, darunter Sergey Sirant. Vergangenen Februar holte der 25-Jährige mit dem russischen Mixed-Team Bronze bei der Europameisterschaft. 2017 triumphierte er beim Russian Open Grand Prix.

Mit einer nicht ganz so beeindruckenden Expertise kommt Sirants Landsmann Rodion Kargaev, der sich auf Empfehlung des Bundesligisten BV Mülheim in Trittau meldete. Aber auch der 24 Jahre alte Doppel- und Mixedspezialist soll die Mannschaft spürbar besser machen. Sabina Persson: „Man kann schon jetzt sagen, dass wir auf der Herrenseite stärker geworden sind. Durch Rodion Kargaev ist auch das Mixed besser als in der vergangenen Saison.“

Festlegung des Saisonziels steht noch aus

Nur das Damendoppel werde durch Ostermeyers Abgang wohl kein zuverlässiger Punktelieferant sein. Sorgen bereitet weiterhin Jonathan Perssons Patellasehne. Der jüngste der Persson-Brüder muss noch mehr als zwei Monate Aufbautraining ohne Schläger absolvieren. Für den Spieler, der sich die Olympia-Qualifikation zum Ziel gesetzt hatte, ist das ein weiterer herber Rückschlag.

Nikolaj Persson ist dagegen fit und bleibt in Norddeutschland. Im Oktober beginnt er ein duales Studium in Hamburg. Er steht nach eigenen Angaben so lange zur Verfügung, wie er im Oberhaus mithalten kann. Reicht die Leistung nicht mehr, würde er auch in der zweiten Mannschaft aushelfen. Auf Ary Trisnanto kann der TSV weiterhin voll setzen. Sabina Persson: „Er trainiert von denjenigen, die nicht im Ausland wohnen, derzeit von allen am meisten.“ Auf der Damenseite bleibt zudem Priskila Siahaya, die zu den besten Einzelspielerinnen der Liga gehört.

Bis zum 1. August hat der TSV Trittau Zeit, weitere Transfers zu tätigen. Erst dann soll das Saisonziel festgelegt werden. Aber so viel ist für Abteilungsleiterin Persson schon jetzt klar: bitte nicht noch mal so ein Abstiegskampf!