Stormarn
Fußball

Das ist Denny Skwierczynskis Plan mit dem SV Eichede

Denny Skwierczynski trainierte die Möllner SV, den VfB Lübeck sowie Phönix Lübeck. Im vergangenen Winter wechselte der 45-Jährige als Ligamanger zum SV Eichede.

Denny Skwierczynski trainierte die Möllner SV, den VfB Lübeck sowie Phönix Lübeck. Im vergangenen Winter wechselte der 45-Jährige als Ligamanger zum SV Eichede.

Foto: 54° / Felix Koenig / Agentur 54°

Nach dem Aus von Christian Jürss muss der Interimstrainer Offensive und Defensive der Oberligafußballer stärken. Nachfolger gesucht.

Steinburg. Manager eines Oberligaclubs – diese Aussicht bewog Denny Skwierczynski im zurückliegenden Winter dazu, seine Fußball-Pause zu beenden. Nur wenige Monate später tritt diese Arbeit plötzlich in den Hintergrund. Nun soll der 45-Jährige als Interimstrainer verhindern, kommende Saison der Manager eines Landesligaclubs zu sein.

„Das kam total überraschend und war alles überhaupt nicht schön“, sagt der A-Lizenz-Inhaber, der zuvor die Möllner SV, den VfB Lübeck sowie Phönix Lübeck trainierte. „Eine Trainer-Entlassung ist eben immer eine besondere Situation, die dafür sorgt, dass alle Beteiligten schlecht dastehen.“

Über Gründe für die Trennung von Jürss wird geschwiegen

Über die genauen Gründe für die in dieser Woche erfolgte Trennung von Christian Jürss schweigen sich die Beteiligten – wie in solchen Fällen üblich – professionell aus. „Die Punkte fehlen“, sagt Vereinspräsident Olaf Gehrken, der immer wieder und glaubwürdig betont, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen sei. Der erstmals während seiner 13-jährigen Trainerlaufbahn gefeuerte Jürss sagt: „Weder der Verein, noch die Spieler, noch ich waren in dieser Saison frei von Fehlern.“

Einige Schwierigkeiten rund um die im vergangenen Sommer fast komplett neuformierte Mannschaft waren und sind jedoch offensichtlich: Der Schritt, mit dem erst 32 Jahre alten Jürss auch einen Großteil der A-Jugend-Mannschaft zu befördern und mit nur wenigen erfahreneren Kräften zu verstärken, war radikal. Vielleicht zu radikal, selbst für einen Verein wie den SV Eichede, der seit Jahren auf bemerkenswert konsequente Weise auf den Nachwuchs setzt.

Akteure, die einen Großteil der Verantwortung übernehmen sollten, brachen früher (Kapitän Sascha Steinfeldt absolvierte verletzungsbedingt kein einziges Pflichtspiel) oder später (Yannick Bremser zog im Winter nach Bremen) weg. Auch Flügelflitzer Niko Hasselbusch, der wohl vielversprechendste der blutjungen Feldspieler, steht in der Rückrunde nicht zur Verfügung. „Die Winter-Abgänge konnten wir nicht kompensieren“, sagt Jürss.

Es mangelt teilweise auch am Zusammenhalt des Teams

Die meisten der anderen Teenager im Team fremdeln auch nach Monaten noch mit dem körperbetonten Herrenfußball. Und jene Spieler, die für den SVE schon in der Regionalliga aufliefen, waren aus verschiedenen Gründen nur sehr selten in der Lage, positiv aus der Masse hervorzustechen.

Es mangelt dem Team in der Folge des Umbruchs und einer gewissen Pechsträhne allerdings nicht nur an Lautsprechern, Organisatoren, treffsicheren Stürmern und konstant soliden Verteidigern, sondern teilweise auch am Zusammenhalt. Dieses Phänomen benannte der Ligamanager und neue Interimstrainer sogar (wenn auch verklausuliert) in der offiziellen Pressemitteilung. „Ich erwarte, dass sich jeder einzelne Spieler mit allem, was er hat, bedingungslos in den Dienst der Mannschaft und des Vereins stellt. Wir haben ohne Zweifel die Qualität für die Oberliga“, ließ sich Skwier­czynski in der am Montagabend herausgegebenen Mitteilung zitieren.

Hat die Mannschaft demzufolge nicht immer alles gegeben, nicht immer für ihren Trainer gearbeitet? Auf Nachfrage sagt Skwierczynski: „Das war ein Hinweis an alle: Wir können keine weiteren Baustellen, keine Nebenkriegsschauplätze vertragen.“ Und weiter: „Wir hatten solche Ablenkungsmanöver, und die sind auch ein Grund dafür, dass es sportlich nicht so gut geklappt hat.“

Das Zweikampfverhalten soll verbessert werden

Nun muss der Mann mit den wenigen Vokalen dafür sorgen, dass die Steinburger künftig das A und O im Abstiegskampf befolgen. Die via Pressemitteilung gestellte Forderung blieb am Montagabend nicht das einzige Zeichen Skwier­czynskis. In seiner ersten Trainingseinheit ließ er die Spieler auf engem Raum in kleinen Gruppen gegeneinander antreten. „Im Zweikampfverhalten habe ich Verbesserungspotenzial gesehen und gerade im Abstiegskampf muss man körperlich werden. Es geht jetzt nicht darum, einen Schönheitspreis zu gewinnen“, sagt er. Sein Plan für den Klassenerhalt und die beiden anstehenden „Sechs-Punkte-Spiele“ gegen die direkten Konkurrenten VfR Neumünster und TSV Schilksee sieht eine Stärkung aller Mannschaftsteile vor. „Wir müssen unsere offensive Durchschlagskraft erhöhen und defensiv stabiler werden.“

Man darf gespannt sein, welche taktischen und personellen Änderungen Skwierczynski am Sonntag in Neumünster vornimmt. Jürss hatte zuletzt auf fünf Positionen rotiert und gegen Weiche Flensburg II (0:2) damit eine Leistungssteigerung erwirkt – nicht aber den ersten Sieg nach der Winterpause. Rückwirkend kostete Jürss wohl vor allem das 2:5 gegen Eutin 08 seinen Job – bezeichnenderweise also eine Niederlage gegen seinen Vorgänger Dennis Jaacks.

Derweil ist der SV Eichede bereits aktiv auf Trainersuche. Skwierczynski soll eine vorübergehende Lösung für die letzten acht Saisonspiele bleiben. „Wir wollen möglichst im Laufe des Aprils einen Nachfolger finden“, sagt Präsident Olaf Gehrken.

Interimscoach hat eine Stormarner Vergangenheit

Eichedes neuer Interimscoach hat übrigens eine Stormarner Vergangenheit. Als Spieler des TuS Hoisdorf trug er im Juni 1998 maßgeblich zum 2:1-Sieg über den BV Cloppenburg im Hinspiel der Regionalliga-Relegation bei – gemeinsam mit zwei ehemaligen Trainern des SVE. Die Ahrensburger Zeitung schrieb: „Ein Hoisdorfer Doppelschlag – mit Treffern von André Laß (53. Minute) und Oliver Zapel (56.) auf Flanken von Denny Skwierczynski – schockte die eine Halbzeit lang sehr souverän aufspielenden Cloppenburger sichtlich.“

Das Rückspiel verloren die Stormarner damals mit 0:6 und blieben in der Oberliga. Seinen Club in der Klasse zu halten, ist für Denny Skwierczynski diesmal das Ziel – um kommende Saison in jener Position weiterzuarbeiten, für die er im Winter seine Fußball-Pause beendete: als Manager eines Oberligaclubs.