Stormarn
Tischtennis

Tischtennis-Urgestein aus Siek sagt tschüs

Wang Yansheng in seinem Element: Der 58-Jährige zeigt an der Tischtennisplatte immer 100 Prozent Einsatz.

Wang Yansheng in seinem Element: Der 58-Jährige zeigt an der Tischtennisplatte immer 100 Prozent Einsatz.

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Wang Yansheng bestreitet diesen Sonntag sein letztes Heimspiel in der Mehrzweckhalle. Der 58-Jährige hört mit dem Leistungssport auf.

Siek.  An diesem Sonntag wird es höchst emotional zugehen in der Mehrzweckhalle in Siek. Denn eine Ära geht zu Ende: Nach 15 Jahren verliert die Tischtennis-Abteilung des SV Siek ihr gleichermaßen sportliches wie auch menschliches Aushängeschild. Ab 14 Uhr bestreitet Wang Yansheng sein letztes Heimspiel für die Stormarner. Gegner ist der TTC Lampertheim. Dreimal tritt der 58-jährige gebürtige Chinese in der 3. Bundesliga danach noch auswärts an. Dann ist endgültig Schluss mit dem Leistungssport.

„Ich kann mir momentan überhaupt noch nicht vorstellen, dass Wang in wenigen Wochen nicht mehr fester Bestandteil der Mannschaft ist“, sagt Stefan Zilz. Der 47 Jahre alte Abteilungsleiter des SV Siek kennt es einfach nicht anders. Er sagt: „Vor 15 Jahren begann Wang bei uns zunächst als Trainer, ehe er ein Jahr später für unsere Tischtennisherren in der Regionalliga als Spieler selbst an der Platte stand. Seitdem ist er das Gesicht der Mannschaft. 80 Prozent seiner Einzel- und Doppelpartien hat er in der Zeit gewonnen.“

Mehrzweckhalle soll zur Mehrzweckhölle werden

Zilz wünscht sich am Sonntag – wie er sagt – „dass sich die Mehrzweckhalle in eine Mehrzweckhölle verwandelt und die Zuschauerränge bis auf den letzten Platz gefüllt sind.“ Sportlich hat die Begegnung gegen den Tabellenvierten nur einen geringen Wert für die Sieker. Als Tabellensechster spielen sie weder im Abstiegs- noch im Aufstiegskampf eine Rolle. „Dennoch werden wir uns so teuer wie möglich verkaufen, wir wollen Wang einen würdigen Abschied ermöglichen“, sagt Zilz.

Für die in der Tabelle auf Rang vier liegenden Lampertheimer dagegen geht es noch um alles. Die Hessen streben hinter dem 1. FC Köln die Vizemeisterschaft an. Als Tabellenzweiter würden sie in der Relegation um den Aufstieg in die 2. Bundesliga spielen.

Altmeister führte die Stormarner zum Titelgewinn

Dorthin führte Yansheng die Stormarner im Jahr 2007 und in der 2. Bundesliga in der Saison 2011/12 zum Titelgewinn. Es war der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Einen der größten persönlichen sportlichen Erfolge feierte der 58-Jährige vergangenes Jahr in Las Vegas (USA). Bei den World Veteran Championships dominierte Yansheng im Einzel die Altersklasse Ü55. Der Stormarner gab bis zum Finale nicht einen Satz ab. Das sollte sich auch im Endspiel nicht ändern: Mit 3:0 fegte Yansheng den topgesetzten gebürtigen Chinesen Yi Ding problemlos von der Platte.

Der Altmeister an der Tischtennisplatte beendet seine sportliche Laufbahn nicht nur aus Alters- sondern auch aus beruflichen Gründen. Mit seiner Frau betreibt er das Asia-Haus in Ahrensbök, kürzlich eröffnete er ein zweites Restaurant. „Das wird mich so beanspruchen, dass keine Zeit mehr zum Training bleibt“, sagte Wang kurz vor der Eröffnung dem Abendblatt. „Ohne das geht es in der Dritten Liga aber nicht. Dazu gibt es dort inzwischen zu viele starke junge Spieler, mit deren Tempo ich dann nicht mehr mithalten könnte.“

Ein Leben ohne Tischtennis kann sich der Gastronom nicht vorstellen. Er werde sicherlich in einer unteren Liga spielen. Wo das sein wird, stünde noch nicht fest, so Yansheng.

Für die Abteilungsleitung des SV Siek kam die Entscheidung ihres Spitzenspielers nicht überraschend. „In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder damit gerechnet“, gibt Zilz zu. „Zum Glück hatte Wang sich bisher immer wieder dazu durchgerungen, noch eine weitere Saison dranzuhängen.“

Der 47-Jährige rechnet am Sonntag mit mehr als 200 Zuschauern. „Natürlich haben wir eine kleine Überraschung in petto, die ich aber noch nicht verraten werde“, sagt Zilz. „Sagen kann ich soviel: Wir verteilen Autogrammkarten, die jeder Zuschauer sich nach der Partie gegen Lampertheim von Wang unterschreiben lassen kann. Zudem steht nach Spielende die gesamte Mannschaft für ein paar Ballwechsel mit den Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern in der Halle zur Verfügung.“

Wang Yansheng ist ein Zuschauermagnet

Große Hoffnungen, dem klaren Favoriten ein Spiel auf Augenhöhe zu liefern, hat Zilz nicht. Er sagt: „Schon das Hinspiel in Lampertheim war mit 0:6 eine deutliche Angelegenheit. Wir werden aber ordentlich dagegenhalten und dafür sorgen, dass die Partie nicht allzu schnell vorbei ist.“ Neben Yansheng kommen am Sonntag Valentin Nad Nemedi, Daniel Cords und der erst 18-jährige Tom Hansen aus der dritten Mannschaft zum Einsatz. Der Abteilungsleiter bittet die Besucher, die Parkplätze rund um die Sieker Kirche zu nutzen.

Zilz ist sich bewusst, dass Yansheng nicht nur das Gesicht des SV Siek, sondern auch ein Zuschauermagnet ist. „Wang ist einfach eine lebende Tischtennislegende. Einige Zuschauer kommen nur seinetwegen extra aus Hamburg oder Lübeck.“ Der Weltmeistertitel bei den Senioren brachte Yansheng noch eine weitere Ehrung ein.

Eine aus Funktionären des Kreissportverbands Stormarn (KSV) und Sportjournalisten zusammengesetzten Jury sowie die Leser der regionalen Zeitungen wählten den sympathischen Tischtennisspieler bei der Wahl zum Stormarner Sportler des Jahres 2018 auf den dritten Platz.