Stormarn
Judo

Ahrensburger kämpfen um DM-Titel in Frankfurt an der Oder

Finn Paulus will in seiner Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm mindestens die Auftaktrunde überstehen.

Finn Paulus will in seiner Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm mindestens die Auftaktrunde überstehen.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Finn Paulus und Inga Quint vom Judo-Club Ahrensburg fahren zu den Deutschen Meisterschaften nach Frankfurt/Oder.

Ahrensburg.  An das Datum seines ersten Wettkampfes kann Finn Paulus sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Der 16-Jährige vom Judo-Club Ahrensburg zückt seinen Judo-Pass. Dort sind alle Turnierteilnahmen des jungen Delingsdorfers aufgelistet. „Hier“, sagt er und deutet mit dem Finger auf den ersten Eintrag. „Es war 2008 beim Kuschelturnier in Eutin in der Klasse bis 20 Kilogramm. Da war ich sechs Jahre alt.“ Dem ersten Eintrag folgen rund 70 weitere. „Bei durchschnittlich vier Kämpfen pro Turnier stand ich also rund 280 mal auf der Matte“, sagt der dunkelblonde Judokämpfer.

Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Nächstes Wochenende kommen hoffentlich noch mindestens zwei weitere dazu.“ Finn ist dabei, wenn am 9. und 10. März Deutschlands beste Judokämpfer der Altersklasse U21 in Frankfurt/Oder (Brandenburg) ihre nationalen Meister ermitteln. Die erste Runde in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm zu überstehen, ist sein großes Ziel. „Wenn es nicht klappt, bricht für mich auch keine Welt zusammen“, sagt Finn. Es sehe es als tollen Erfolg, überhaupt das erste Mal bei einem derart großen Turnier dabei zu sein.

Das offizielle Wiegen will Finn möglichst früh hinter sich bringen. „Mit 59 Kilogramm bin ich zurzeit knapp unter dem Limit“, sagt der 16-Jährige. „Damit nichts schiefläuft, stelle ich mich zum frühestmöglichen Termin am Freitagabend auf die Waage. Danach kann ich unbeschwert Essen gehen und am nächsten Morgen ausgiebig frühstücken.“

Vereinskameradin tritt ebenfalls an

Vereinskameradin Inga Quint hat ebenfalls eines der begehrten DM-Tickets ergattert. Die 17-Jährige vom JC Ahrensburg tritt in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm an. Für die nationalen Titelkämpfe qualifiziert haben sich die beiden Stormarner vor Kurzem bei den norddeutschen Meisterschaften, als sowohl Finn als auch Inga die Bronzemedaille gewannen.

Sich selbst beschreibt Finn als eher angriffslustigen Judokämpfer. „Ich bestimme lieber das Kampfgeschehen, wenn aber mein Gegner kräftiger ist, schalte ich einen Gang zurück und versuche, mit einem Konter zum Erfolg zu kommen“, sagt der 16-Jährige.

Mit seinen Stärken und Schwächen geht er offen um. „Eine Stärke von mir ist auf jeden Fall mein fester Stand, ich bin nicht so schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen“, erzählt er. „Dafür wirft mir mein Trainer immer wieder vor, dass ich in einigen Situationen etwas zu langsam bin.“

Finn Paulus hat klare Ziele

Zum Judosport ist Finn eher durch Zufall gekommen. „Meine Mutter suchte für mich die passende Sportart, also habe ich als Kind einiges ausprobiert“, sagt der Teenager. „Vom Judo war ich auf Anhieb begeistert, die Körperbeherrschung und Dynamik hat mich von der ersten Sekunde an fasziniert.“

Finn besucht in Bargteheide die elfte Klasse des Gymnasiums Eckhorst. Das Fach Chemie ist seine große Leidenschaft. Für einen 16-Jährigen hat Finn erstaunlich konkrete Vorstellungen von seiner späteren beruflichen Laufbahn. An der Technischen Universität Braunschweig will er Bio-, Chemie- und Pharmaingenieurwesen studieren. „Ein Chemieingenieur kennt sich mit dem Bau von industriellen Anlagen, gleichzeitig aber auch mit den chemischen Abläufen innerhalb der Anlagen aus“, sagt Finn. Die Technische Universität in Braunschweig hat er im Sommer vergangenen Jahres anlässlich eines Tages der offenen Tür bereits kennengelernt. Finn: „Ich habe herausgefunden, dass es auch einen Judo-Club ganz in der Nähe gibt.“

Verein hat 250 Mitglieder

In Ahrensburg hat der Judosport Hochkonjunktur. 250 Mitglieder hat der im Jahr 1970 gegründete Judo-Club Ahrensburg aktuell. Mehr als die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Die Mischung aus Breiten- und Wettkampfsport scheint bei den Mitgliedern gut anzukommen. „Wir sind sehr stolz, bereits im dritten Jahr in Folge zwei Teilnehmer zu Deutschen Meisterschaften schicken zu dürfen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Eckhart Keil.

Eine eigene Trainingsstätte ist der große Traum vieler Mitglieder, die zurzeit vorrangig die Sporthalle der Grundschule am Aalfang nutzen. „Nicht nur, weil der Auf- und Abbau der schweren Matten bei einer eigenen Sportstätte entfallen würde“, sagt Keil.

„Durch die geplante Einführung der Offenen Ganztagsschule in Ahrensburg werden die Grundschulen voraussichtlich vermehrt Hallenkapazitäten für ihr Nachmittagsprogramm benötigen. Das wird sicherlich auch eine Einschränkung unserer Hallenzeiten mit sich bringen.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Judo-Clubs sieht aber noch ein anderes Problem: „Durch den Unterricht in den Nachmittagsstunden wird es für Vereine immer schwerer, Kinder schon im Grundschulalter für eine Sportart zu begeistern.“