Stormarn
Schwimmen

Vereine und Schulen müssen mehr kooperieren

Andreas Bockhold ist seit einem Jahr Vorsitzender des Schwimm-Verbands Kreis Stormarn

Andreas Bockhold ist seit einem Jahr Vorsitzender des Schwimm-Verbands Kreis Stormarn

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Andreas Bockhold spricht als Vorsitzender über die Ziele und Probleme des Schwimm-Verbands Kreis Stormarn

Ahrensburg.  Seit gut einem Jahr leitet Andreas Bockhold als Vorsitzender den Schwimm-Verband Kreis Stormarn. Gleichzeitig lenkt der 35-Jährige als Vereinschef die Geschicke der SG Stormarn Barsbüttel. Schwimmen zu können, sei ein Teil der deutschen Kultur, sagt Bockhold. Das Abendblatt sprach mit ihm über das immer noch ungenügende Angebot an Schwimmkursen im Kreis, die wachsenden Ansprüche an die Vereinsarbeit sowie die Förderung des Leistunssports.

Eine Recherche dieser Zeitung nach den Sommerferien im vergangenen Jahr ergab, dass 13 von 35 Grundschulen in Stormarn keinen Schwimmunterricht anbieten. Dabei war die Bilanz der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Ende August 2018 alarmierend: Mindestens 445 Menschen waren in den ersten acht Monaten in deutschen Gewässern ertrunken.

Andreas Bockhold: Die Zahl ist erschreckend. Der Schwimmunterricht an Schulen ist aber eng an personelle und organisatorische Voraussetzungen gebunden, die die Lehranstalten weitgehend in Eigenregie erfüllen müssen. Vielleicht sollte öfter unkonventionell gedacht werden und – soweit es der rechtliche Rahmen zulässt - ein Partner wie ein Verein mit einer Schwimmabteilung oder die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mit ins Boot geholt werden. Ein derartige Kooperation gibt es seit geraumer Zeit in Barsbüttel mit der SG Stoba, der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule, der Kirsten Boie Schule und einem weiteren Verein.

Warum wurde die Zielvorgabe des Bildungsministeriums „Jeder Schüler in Schleswig-Holstein soll spätestens am Ende von Jahrgangsstufe sechs mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze erworben haben“ im vergangenen Jahr in Stormarn verfehlt?

Schwimmen zu können, ist nicht nur ein Teil unserer Kultur, es rettet auch Leben – das ist allgemein bekannt. Allerdings kann die Zielvorgabe des Bildungsministeriums nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Mit den vorhandenen Möglichkeiten sollte aber jeder Verein bemüht sein, jedes Jahr das bestmögliche Ergebnis zu erzielen und nach Möglichkeit auch zu steigern. Die politischen Entscheider im Kreistag und der Kreissportverband Stormarn haben durch die Bereitstellung von finanziellen und organisatorischen Mitteln dafür gesorgt, dass in den Sommerferien zusätzliche Schwimmkurse angeboten werden können. Dieses Engagement werden wir in Zusammenarbeit mit dem Kreissportverband und mit Unterstützung der Vereine weiterentwickeln.

Mit den akuten Problemen der Schwimmvereine sind sie als Vereins- und Verbandsvorsitzender bestens vertraut. Wo sehen sie die größten Herausforderungen, mit denen die Stormarner Clubs zurzeit zu kämpfen haben?

Jemanden für ein Ehrenamt zu begeistern, wird leider auch in den Schwimmvereinen immer schwieriger. Freiwillige engagieren sich lieber in zeitlich klar abgrenzbaren Projekten. Es kann ein Vorteil sein, wenn Menschen unterschiedlichster Professionen kurze Zeit ihr Wissen einbringen. Andererseits ist es auch ein Nachteil, weil viele organisatorische Abläufe besser funktionieren würden, wenn sie konstant von einem festen Mitarbeiterstamm betreut werden. Häufig wechseln aber die Ansprechpartner, die dann auf Vereins- oder Verbandsebene wieder neu in die Materie eingeführt werden müssen.

Der Schwimm-Verband Kreis Stormarn scheint ähnliche Sorgen zu haben?

Ja, leider. Mit Susanne Kühl als Kassenwartin und Thorsten Jensen als Beisitzer für das Kampfrichterwesen sind lediglich zwei weitere Vorstandsämter besetzt. Eigentlich sind mindestens sieben Posten vorgesehen. Die Bereitschaft zu längerfristigen Engagements ist auch auf Verbandsebene gesunken. Was ich teilweise verstehen kann: Noch weniger als im eigenen Verein lassen sich die Früchte der Arbeit erkennen. Oft geht es weniger um den praktischen Einsatz am Beckenrand als um politische und organisatorische Prozesse.

Wie steht es im Kreis mit der Verfügbarkeit von Wasserzeiten für die Vereine?

In Stormarn haben wir eine relativ komfortable Situation. Ich würde mir aber wünschen, dass die Schwimmbäder zu realistischen Konditionen allen Kreisvereinen und nicht nur den jeweils örtlich ansässigen die Nutzung ermöglichen. Diesbezüglich führen wir schon länger Gespräche.

Sehen Sie Möglichkeiten, diesen Prozess zu beschleunigen?

Eher weniger. Die Vereine vor Ort müssen mit den jeweiligen Badbetreibern Kontakt halten und im Gespräch bleiben. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Schwimmsport nicht nur aus der Ausbildung besteht. Für den Breiten- und Leistungssport muss ebenso genug Platz sein wie spezielle Angebote für kleinere Zielgruppen, wie zum Beispiel Menschen mit Handicap oder Migranten.

Sind die Vereine der Herausforderung gewachsen?

In einigen Schwimmvereinen gibt es bereits gute Ansätze, neue Strukturen zu schaffen. Wir führen intensive Gespräche mit dem Kreissportverband und den Vereinen, um zum Beispiel Schwimmkurse für Grundschulkinder gemeinsam anzubieten. Wir wollen langfristig sicherstellen, dass kreisweit alle Kinder die Möglichkeit haben, das Schwimmen zu erlernen. Dabei sollten aber die Kinder die Schwimmausbildung nicht schon nach der bestandenen Seepferdchen-Prüfung beenden, sondern weiter dabeibleiben.

Die Leistungsgruppe der SG Stormarn Barsbüttel belegt bei regionalen und nationalen Titelkämpfen regelmäßig Podiumsplatzierungen. Wie kann der Kreisverband seine Vereine unterstützen, damit sie zurück in die sportliche Erfolgsspur finden?

Das ist schwer zu sagen, denn der Wettkampf- und Leistungssport setzt einen extrem hohen Organisationsaufwand und Finanzbedarf voraus. Zudem ist der leistungsorientierte Schwimmsport für jeden Aktiven äußerst trainingsintensiv. Wenige Vereine können ein konkurrenzfähiges Trainingsniveau anbieten, da kaum ein Trainer seinen Job am Beckenrand als Hauptberuf ausübt. Aber auch die Athleten und deren Umfeld müssen mitspielen. Nicht alle Eltern sind bereit, zu nachtschlafender Zeit und am Wochenende ihre Kinder zum Training oder zu Wettkämpfen zu chauffieren oder ihren Verein bei Veranstaltungen zu unterstützen. Trotz der Probleme bringen einige Vereine in Stormarn durch ihr vorbildliches Engagement immer wieder gute Schwimmer hervor. Vor allem im Norden des Kreises erhoffe ich mir nach der Wiedereröffnung des Travebades vom VfL Oldesloe – auch im Leistungsbereich – neue Impulse.