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Tremsbütteler Trainer: „Der Gesamtverein blockiert uns“

Marco Schier trainiert den VfL Tremsbüttel seit 2017 zum zweiten Mal. Davor war er unter anderem beim TSV Bargteheide aktiv.

Marco Schier trainiert den VfL Tremsbüttel seit 2017 zum zweiten Mal. Davor war er unter anderem beim TSV Bargteheide aktiv.

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Marco Schier hört nach der Saison als Fußball-Trainer des VfL Tremsbüttel auf. Dem Abendblatt erklärt er seine Gründe.

Tremsbüttel.  Am Dienstagvormittag hatte Marco Schier, der sein Geld als Hausmeister verdient, stundenlang mit den Folgen eines Wasserrohrbruchs zu kämpfen. Danach, beim Telefonat mit dem Hamburger Abendblatt, sprudelte es aus dem 44-Jährigen nur so heraus. Wenn Schier darüber spricht, warum er sein Traineramt beim VfL Tremsbüttel nach dieser Fußball-Saison aufgeben wird (wir berichteten), schreckt er auch vor deutlicher Kritik nicht mehr zurück.

Den einen großen Grund gebe es nicht, stellt Schier klar. Er wünsche sich wieder mehr Zeit für sich und seiner Verbandsligamannschaft einen kleinen Umbruch mit einem neuen Trainer. Er wolle seinen Sohn, der bei den Junioren des SV Eichede kickt, wieder häufiger spielen sehen. Zudem, und da wird es bemerkenswert, gebe es „viele Kleinigkeiten, die mich nerven“.

Schier stößt in Tremsbüttel immer wieder an seine Grenzen. Die daraus folgende Frustration ist dem Coach schon länger immer mal wieder anzumerken. Wenige Tage nach der Bekanntgabe seines anstehenden Abschieds spricht er nun auch öffentlich aus, was ihn stört: zum Beispiel die sinkende Trainingsbeteiligung, die übrigens auch viele andere Trainer in der Umgebung beklagen.

Coach moniert Einstellung der Spieler

„Viele jüngere Spieler haben nicht mehr die Einstellung, die Amateurfußballer haben sollten“, sagt er. „So oft, wie einige angeblich lernen, müssten die alle schon einen Doktor-Titel haben. Ich nehme die Ausreden einfach nicht mehr jedem Spieler ab.“

Den Großteil seiner aktuellen Mannschaft nimmt Schier allerdings aus seiner Kritik aus. „Wir haben zum Glück einen großen Kern, den das nicht betrifft.“ Doch nicht nur die Trainingsbeteiligung bemängelt Schier, sondern auch die Bedingungen. „Wir haben seit über einem Jahr keinen Platzwart, müssen auf einem schlimmen Acker trainieren“, schimpft er. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sei verbesserungsbedürftig.

Deutliche Kritik richtet Schier auch an den VfL: „Der Gesamtverein blockiert uns.“ Einnahmen aus dem Fußball-Förderkreis und der Bandenwerbung flössen teilweise in andere Sparten. „Zuschauer fahren nach Tremsbüttel und zahlen Eintritt, um Fußball-Verbandsliga zu gucken, nicht um andere Sportarten zu sehen. Wir sind das Aushängeschild. Aber das wird vom Verein nicht vorgelebt“, sagt Schier. „Hinter den Kulissen sorgt das gerade für mächtig Ärger.“

Engagement im Jugendbereich denkbar

Nach der Saison, die mit dem Klassenerhalt enden soll, wird Schier wahrscheinlich erst mal eine Pause einlegen. „In der Kreisklasse und wohl auch Kreisliga will ich nichts mehr annehmen. Ich schließe aber nicht aus, dass ich schon bald wieder etwas mache, zum Beispiel im Jugendbereich.“

Wie Schiers offene Worte in der Mannschaft ankommen und wie viele Spieler ohne ihren langjährigen Coach nicht mehr beim VfL bleiben wollen, wird der Februar zeigen. Der sportliche Leiter Jörg Bendfeldt gibt den Kickern vier Wochen Zeit, sich Gedanken zu machen. „Danach kommt die große Abfrage, um dann in die Kaderplanung für die neue Saison zu gehen“, sagt er. Der Club sieht sich auch künftig in der Verbandsliga. „Das ist für unsere Bedingungen das Höchste der Gefühle. Wenn wir uns die nächsten Jahre dort halten, vielleicht sogar im gesicherten Mittelfeld, wäre viel gewonnen.“

Nachfolger Marc Mandel ist Eigengewächs

Dafür soll in erster Linie Schiers Nachfolger sorgen. Marc Mandel übernimmt das Amt im Sommer, vier Jahre nach seinem Rücktritt als Liga-Obmann. Dem Verein blieb Mandel immer verbunden, dem Ort sowieso. „Ich komme aus Tremsbüttel, meine Kinder sind hier geboren. Ich kenne viele Spieler und fast jeden Zuschauer“, sagt der 41-Jährige, der aktuell noch Kreisligist JuS Fischbek trainiert, dort ebenfalls um den Klassenerhalt kämpft.

Der künftige Trainer will auf den Teamgeist setzen

Mandel geht davon aus, in Tremsbüttel regelmäßig gegen den Abstieg zu kämpfen. Dafür will er aus der finanziellen Not eine Tugend machen und auf den von Schier angesprochenen Mannschafts-Kern setzen: „Tremsbüttel zeichnet schon immer der Teamgeist aus. Dort ist eine der letzten Bastionen in Stormarn, wo alles aus der Leidenschaft entsteht.“

Dafür, dass Mandel einen Verbandsligisten übernimmt, soll Schier in seinen letzten Monaten als VfL-Trainer sorgen. Die Restsaison beginnt im März. Bei nur fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist der Klassenerhalt das einzige Ziel, Schier erwarten die klassischen Aufgaben eines Feuerwehrmanns. Aber im Umgang mit den Elementen kennt sich der Hausmeister ja aus.