Stormarn
Leichtathletik

Leichtathletik-Ass verlässt den Vfl Oldesloe

Jennifer Fentroß sagt: „Ich hatte beim VfL Oldesloe eine wirklich tolle Zeit, brauche nun aber eine neue Herausforderung.“

Jennifer Fentroß sagt: „Ich hatte beim VfL Oldesloe eine wirklich tolle Zeit, brauche nun aber eine neue Herausforderung.“

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Hammerwerferin Jennifer Fentroß startet von nun für den LAC Lübeck. Sie erhofft sich von der neuen Umgebung eine Leistungssteigerung.

Bad Oldesloe.  Gut gelaunt erscheint Jennifer Fentroß am frühen Nachmittag zum vereinbarten Gesprächstermin mit dem Abendblatt. Die Vormittagsstunden in der Kindertagesstätte Stoppelhopser scheinen der 27 Jahre alten Erzieherin wieder einmal jede Menge Freude bereitet zu haben. „Die Arbeit mit Kindern ist einfach erfrischend“, sagt die stellvertretende Leiterin der Kita. „Zudem ist es immer wieder ergreifend mitzuerleben, wie die Kleinen sich innerhalb kürzester Zeit weiterentwickeln.“

Doch nicht nur im Job, auch sportlich läuft es für die 27 Jahre alte Leichtathletin derzeit gut. Fentroß, die vergangene Saison noch das Trikot des VfL Oldesloe trug, startet seit Jahresbeginn für den LAC Lübeck. „Es war ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn beim VfL hatte ich eine wirklich tolle Zeit“, sagt die Wurfspezialistin. „Letztendlich war ich aber auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.“

Vergangenes Jahr noch sorgte Fentroß für den VfL bei den norddeutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Hamburg mit einem zweiten Platz im Kugelstoßen der Frauen für Furore. Ihren sportlich emotionalsten Moment erlebte sie einige Jahre zuvor in ihrer Paradedisziplin Hammerwurf: „2015 stand ich nach dem Gewinn der Bronzemedaille in Göttingen das erste Mal bei einer Norddeutschen Meisterschaft auf dem Treppchen“, erzählt Fentroß. „An diesen Moment denke ich gern zurück.“

Entscheidung viel Fentroß schwer

Der Entschluss, zum Leichtathletik-Club Lübeck zu wechseln, sei keineswegs eine Entscheidung gegen ihre alte sportliche Heimat gewesen, betont Fentroß. „Um meinen Körper an neue Grenzen zu führen und eine weitere Leistungssteigerung aus ihm herauszukitzeln, muss ich mich immer wieder neuen Reizen aussetzen. Dazu gehört zwangsläufig irgendwann auch, die gewohnte Umgebung zu verlassen“, sagt sie. Mit einem Lächeln fügt die 27 -Jährige hinzu: „Beim VfL zählte ich viele Jahre zu den älteren Athletinnen, in meiner neuen Trainingsumgebung gehöre ich nun zu den Jüngeren.“

In Lübeck feilt Fentroß gemeinsam mit drei weiteren Hammerwerfern mehrmals in der Woche an speziellen Techniken und Bewegungsabläufen. „Dort kann ich meine Leidenschaft mit Gleichgesinnten teilen, mich auf Augenhöhe mit ihnen austauschen“, so Fentroß. Beim VfL sei dies in letzter Zeit nicht mehr der Fall gewesen.

Trainingsschwerpunkte sind momentan die Verbesserung der Körperspannung und die Festigung der Fußgelenke. „Für eine Hammerwerferin ist beides von grundlegender Bedeutung, nicht nur um die Leistung zu verbessern, sondern auch um Verletzungen vorzubeugen“, sagt Fentroß. Bei jeder Übungseinheit dient ihr dafür ein sogenanntes Wackelbrett als Stabilisations-Trainingsgerät.

Sportlerin engagiert sich auch ehrenamtlich

Der Sport genießt im Leben von Jennifer Fentroß einen hohen Stellenwert. Die 27-Jährige verrät lächelnd: „Mein Freund würde sagen, ohne Sport sei ich unausgeglichen und permanent schlecht gelaunt.“ Wichtig ist ihr auch das ehrenamtliche Engagement im Verein. Beim VfL Oldesloe gab es in die vergangenen zwölf Jahren kaum einen Posten, den Fentroß nicht übernahm: Sie war Jugendsprecherin der Leichtathletikabteilung, arbeitete als Presse- und Sportwartin, Schriftführerin, Trainerin und Vorsitzende der Vereinsjugend des Gesamtvereins.

Sie sagt: „Ehrenamtliches Engagement ist die Grundlage jeder Vereinsarbeit. Ohne den freiwilligen Einsatz einiger Mitglieder würde doch so gut wie nichts funktionieren.“ Fentroß kritisiert, dass dem Ehrenamt häufig nicht der Respekt entgegengebracht wird, den es eigentlich verdient. „Freiwilliger Einsatz wird schnell als Selbstverständlichkeit angesehen. Sobald irgendetwas nicht auf Anhieb so klappt wie gewünscht, hagelt es Kritik“, sagt die Leichtathletin.

Musik ist ihr zweites Steckenpferd

Neben Arbeit und Sport verrät Fentroß eine weitere Leidenschaft. „Durch meinen Freund Yannick Schröder bin ich zu einem begeisterten Heavy-Metal-Fan geworden“, sagt sie mit glänzenden Augen. Fünfmal haben die beiden Liebhaber härterer Töne bisher das mehrtägige Heavy-Metal-Spektakel in Wacken besucht, Karten für dieses Jahr haben sich Fentroß und ihr Freund längst gesichert.

Fentroß ist nicht die einzige sichere Medaillenanwärterin bei Landes- oder überregionalen Wettkämpfen, die dem Kreis-Leichtathletik-Verband (KLV) Stormarn durch einen Vereinswechsel in letzter Zeit verloren ging. Mit John Schlegl (ehemals Ahrensburger TSV/jetzt HSV), Sabrina Schröder (VfL Oldelsoe/LAV Bayer Uerdingen/Dormagen), Ole Grammann (SV Großhansdorf/LAV Bayer Uerdingen/Dormagen) und Bennet Vincken (LG Reinbek-Ohe/HSV) musste der KLV in den vergangenen drei Jahren vier Ausnahme-Talente ziehen lassen.