Stormarn
Kung Fu

Der Oststeinbeker SV hat sechs Deutsche Meister

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Kung-Fu-Sportler holen bei nationalen Titelkämpfen 22 Medaillen. Der neunjährige Micha Abarbanel siegt in vier Disziplinen.

Oststeinbek.  Zehn Gold- und fünf Silbermedaillen sowie siebenmal bronzenes Edelmetall: Die Kampfkünstler des Oststeinbeker SV haben bei den Deutschen Meisterschaften im Seven-Star-Mantis-Kung-Fu kräftig abgeräumt. Allein vier Titel in den Kategorien Semi-Kontakt, Handformen, Waffenformen und Schwertkampf sicherte sich der neun Jahre alte Micha Abarbanel in seiner Altersklasse bei den Kindern. Mit vier gewonnenen Kategorien wurde Micha in Hamburg zudem Gesamtsieger aller Jugendlichen unter 14 Jahren. Dafür wurde er mit einem silbernen Pokal geehrt.

„Micha ist für sein Alter sehr diszipliniert und fokussiert, dennoch kommt der Spaß bei ihm nicht zu kurz“, sagt Sascha Strehlow. Oststeinbeks Kung-Fu-Trainer und Schwarzgurtträger (4. Dan) ging ebenfalls nicht leer aus. Der 27-Jährige gewann Gold in der Disziplin Vollkontakt bis 72 Kilogramm. Seven-Star-Mantis-Kung-Fu gilt als eine der effektivsten Kampfkünste überhaupt. „Ein Kung-Fu-Sportler sollte seine Fähigkeiten aber nur im Notfall einsetzen, um sich oder andere zu schützen“, sagt Strehlow. Seit zehn Jahren leitet er die Abteilung des OSV.

Beim Kung Fu lernt man auch Selbstdisziplin und respektvollen Umgang

Dieses Jahr zählt für die 50 Mitglieder starke Sparte zu den sportlich erfolgreichsten: Bei fünf Turnieren standen die Oststeinbeker 40 Mal auf dem Treppchen. Kung Fu boomt am Meessen. „Kung Fu ist eine äußerst vielfältige Kampfkunst“, sagt Strehlow. „Wer kämpfen möchte, kann kämpfen. Wer etwas für seinen Körper und Geist tun möchte, ist auch willkommen. Kung Fu fördert neben der Fitness die Koordination, die Beweglichkeit und die Körperspannung.“

Beim Seven-Star-Mantis-Kung-Fu stehen nicht die Wettkämpfe im Vordergrund. „Kinder und Jugendliche lernen beim Kung Fu Dinge, die für ihre weitere Persönlichkeitsentwicklung von maßgeblicher Bedeutung sind“, sagt der Trainer. „Sie lernen Selbstdisziplin, den respektvollen Umgang mit den Mitmenschen und die Fähigkeit, die gelernten Techniken im Ernstfall durch moderate Intensität einzusetzen.“

In Hamburg erreichten noch weitere Oststeinbeker in ihren Altersklassen Medaillenränge. Jeweils eine Goldmedaille sicherten sich Ricardo da Silva (19) im Leichtkontakt und Alex Andreev (11) in der Handform. Leo Seibel (9) gewann den Titel im Schwertkampf, im Semikontakt wurde er Vizemeister. Roman Stracke sicherte sich gleich einen kompletten Medaillensatz: Gold gewann der 17-Jährige in den flexiblen Waffenformen und im Leichtkontakt, Silber im Schwertkampf und Bronze in der Partnerform. Die erst siebenjährige Isabella Schill belegte im Schwertkampf und im Semikontakt Rang zwei. Luc Rehm (17) holte eine Silbermedaille im Leichtkontakt sowie bronzenes Edelmetall in der Speer- und Partnerform.

Die Kung-Fu-Sparte hat ihre Mitgliederzahl um 30 Prozent erhöht

Jeweils eine Bronzemedaille sicherte sich Jannis Baumeister (15) in der Hand- und Waffenform. Weitere Bronzemedaillen gewannen Thorge Baumeister im Leichtkontakt und Steven Braun (10) in der Handform.

Oststeinbeks Kung-Fu-Abteilung war in diesem Jahr auch international am Start. „Ein unvergessliches Erlebnis waren die internationalen Meisterschaften in Amsterdam“, erzählt Strehlow. In die Niederlande reiste Oststeinbeks Trainer gemeinsam mit Yannik Grünitz (19), der mit einem vierten Platz in der Waffenform nur hauchdünn eine Medaille verpasste. Besser lief es dagegen für Strehlow: Der 27-Jährige wurde Vizemeister in der Partnerwaffenform und gewann die Bronzemedaille in der Handform.

Dass Kung-Fu in Oststeinbek als Randsportart seine Mitgliederzahl im vergangenen halben Jahr um fast 30 Prozent steigern konnte, erklärt Strehlow folgendermaßen: „Fast jeder hat von Kung Fu schon einmal gehört, doch kaum einer hat eine klare Vorstellung, was diese Kampfkunst eigentlich ist“, sagt der Coach. „Beim ersten Training merkt jeder schnell, wie vielseitig Kung Fu ist. Dazu herrscht bei uns eine familiäre Atmosphäre, gleichzeitig aber auch die nötige Disziplin.“

Kung Fu bedeutet soviel wie ,etwas durch harte, geduldige Arbeit erreichen’. Die buddhistische Friedfertigkeit ist stets oberstes Gebot. „Wer seine erlernten Fähigkeiten allerdings missbraucht, hat bei uns nichts zu suchen“, so Strehlow. Kung Fu sei harte Arbeit, erfordere Willenskraft, Disziplin und mentale Stärke. „Ein guter Kung-Fu-Sportler kann in vielen Lebensbereichen besonnen an seine Grenzen gehen. Er verliert auch dann nicht den Biss, wenn etwas nicht gleich im ersten Anlauf klappt.“

Kung-Fu-Sportler lernen, kreativ zu sein

Die Techniken des Kung Fu sind auf unterschiedlichste Varianten eines Angreifers ausgerichtet. Ein Sportler lernt sicheres Auftreten und entwickelt im Laufe der Zeit eine eigene Kreativität. Dazu gehört eine breite Auswahl an Abwehr- und Kontermöglichkeiten gegen Schläge und Tritte sowie an Stock- und Messertechniken.