Stormarn
53. Nikolauslauf

220 Teilnehmer trotzen im Forst Hagen dem Dauerregen

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Nikolauslauf des Ahrensburger TSV bleibt ein Breitensportereignis. Organisatoren wollen an bewährtem Konzept festhalten.

Ahrensburg.  Bei ungemütlichen fünf Grad Celsius, einem zum Teil stürmischen Wind und Dauerregen fallen auch einem laufbegeisterten Athleten schnell 1000 gute Gründe ein, den Tag lieber zu Hause auf der bequemen Couch zu verbringen. Dennoch überwanden rund 220 Kinder, Jugendliche und Erwachsene den inneren Schweinehund und trotzten beim 53. Waldlauf „Quer durch den Hagen“ – besser bekannt als Nikolauslauf des Ahrensburger TSV – den widrigen äußeren Bedingungen.

Treffender als mit den Worten von Bettina Lange lässt sich die Begeisterung für das beliebte Breitensportspektakel wohl kaum zusammenfassen. „Für uns Stormarner, mittlerweile aber auch für viele Hamburger, hat der Nikolauslauf eine große Tradition und ist für jeden von uns zum Jahresausklang ein fest eingeplanter Termin“, sagt die 49 Jahre alte Ausdauerathletin des TSV Bargteheide.

Bargteheider Triathleten testen ihre Form

Für Lange, die gemeinsam mit Ehemann Jens Krohn über die Mitteldistanz an den Start ging (4760 Meter), erfüllt der Lauf im Forst Hagen aber noch einen weiteren Zweck. „Wir Triathleten haben längst schon wieder mit der Vorbereitung auf die kommende Saison begonnen“, sagt sie. „Deshalb ist der Nikolauslauf für mich immer ein erster Gradmesser, wie es um meine physische Verfassung steht.“ Mit der kann Lange, die kommendes Jahr in die Altersklasse 50-54 aufsteigt, zufrieden sein. In 20:26 Minuten erreichte die Bargteheiderin als zweitschnellste Frau das Ziel. Krohn, der ebenso wie seine Frau in diesem Jahr in Dänemark den Weltmeistertitel der Senioren im Aquathlon gewann, überquerte in 18:58 Minuten als viertschnellster Mann die Ziellinie.

Die Devise beim Nikolauslaufs lautete auch in diesem Jahr wieder: ohne Fleiß kein Preis. Zunächst floss jede Menge Schweiß, ehe im Zielbereich Jens Brackenwagen – mit weißem Rauschebart und rotem Mantel verkleidet – zur Belohnung jedem Sportler einen Schokoladen-Weihnachtsmann in die Hand drückte. Sein Bruder und Organisator Michael Brackenwagen freut sich über die für die widrigen Verhältnisse beachtliche Teilnehmerzahl.

Jens Brackenwagen verteilt Schokoladen-Weihnachtsmänner

„Vor zwei Jahren hatten wir 200, vergangenes Jahr 250 Starter“, sagt der 51-Jährige vom Ahrensburger TSV. „Mit mehr als 220 Teilnehmern liegen wir diesmal fast in der goldenen Mitte. Es ist einfach schön zu sehen, mit wie viel Spaß jeder bei der Sache ist.“

Michael Brackenwagen und der Ahrensburger TSV wollen die Laufveranstaltung auch in den kommenden Jahren unter allen Umständen aufrecht erhalten. Für Sonntag, 8. Dezember 2019, ist bereits die nächste Veranstaltung geplant. Auch wenn der Nikolauslauf sich an alle Altersklassen richtet, ist und bleibt er eine auf Sportvereine und Schulen ausgerichtete Breitensportveranstaltung.

Denn dort ist der Zulauf am größten: Allein die Hamburger Grundschule Islandstraße trat in diesem Jahr mit 125 Kindern an. „Für die Jüngsten werden wir den familiären Charakter der Veranstaltung beibehalten und unserem Konzept treu bleiben“, sagt Michael Brackenwagen.

Dass die Organisatoren für Frauen und Männer aller Altersstufen zwei gemeinsame Streckenlängen – eine über 4800 Meter, eine weitere über 7900 Meter – entpuppte sie wie bereits bei der ersten Auflage im Vorjahr als geschickter Schachzug.

„Dadurch wird der Zeitplan gestrafft, und die Läufe sind durch ein größeres Starterfeld attraktiver“, sagt Michael Brackenwagen. Dass zeitgleich die Landesmeisterschaften im Crosslauf in Bad Schwartau ausgetragen wurden, nimmt der Ahrensburger gelassen. „Sicherlich haben sich einige hochkarätige Läufer diesmal nicht für uns, sondern für einen Start bei den Landesmeisterschaften entschieden“, sagt Michael Brackenwagen. „Da wir aber schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt den Termin für den nächsten Nikolauslauf festlegen, lässt sich eine Terminüberschneidung nicht immer vermeiden.“

Nikolauslauf lebt den Inklusionsgedanken

Der Nikolauslauf treibt zudem den inklusiven Gedanken voran, denn gemeinsames Sporttreiben baut Hemmschwellen ab. Julia Dobslar von der Hermann Jülich Werkgemeinschaft und Ulf Zwikirsch von den Stormarner Werkstätten Ahrensburg starteten über die Mitteldistanz. Die 21 Jahre alte Leichtathletin bewältigte die 4800 Meter in einer Zeit von 29:52,0 Minuten, Zwikirsch benötigte 23:25,0 Minuten.

Betreut wurden die beiden Sportler von Benedikt Woelki, der ebenfalls die Mittelstrecke lief. Zu motivieren brauchte der 18 Jahre alte FSJler des ATSV seine beiden Schützlinge während des Rennens nicht. „Julia und Ulf hatten trotz des schlechten Wetters richtig Lust auf den Lauf“, sagt er.

Alle Ergebnisse des 53. Nikolauslaufs stehen unter der Adresse www.meinatsv.de im Internet.