Stormarn
Sport für alle

Stormarns Inklusions-Projekt wird fortgesetzt

Zwei Floorballmannschaften des Hoisbütteler SV treffen in einer Freundschaftpartie aufeinander. Der Verein zählt im Bereich Inklusion zu den Vorreitern.

Zwei Floorballmannschaften des Hoisbütteler SV treffen in einer Freundschaftpartie aufeinander. Der Verein zählt im Bereich Inklusion zu den Vorreitern.

Foto: Privat / HA

Kreissportverband erhält für das Nachfolgekonzept von „Sport für alle“ die nötigen finanziellen Mittel. Studie bescheinigt den Erfolg.

Ahrensburg.  Seit März 2016 steht der Kreissportverband (KSV) Stormarn mit dem Thema Inklusio n und seinem auf zunächst drei Jahre angelegten Projekt „Sport für Alle“ bundesweit im Fokus der Landessportverbände. Die gute Nachricht: Die Finanzierung für mindestens weitere drei Jahre ist gesichert. Die Sparkassen-Stiftung und Sparkassen-Sozialstiftung Stormarn stellen dafür 20.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Der Kreis Stormarn beteiligt sich jährlich mit 40.000 Euro, um die Personalkosten und die Anschaffung eines Autos für den Sportlehrer abzudecken.

Als größte private Förderorganisation in Deutschland hat die Aktion Mensch dem KSV für das neue Projekt mit dem etwas sperrigen Namen „Weiterentwicklung des Inklusionssports im Kreis Stormarn“ für die kommenden drei Jahre 120.000 Euro zugesagt. 1500 Euro im Jahr steuert Uwe-Jens Kuck von der UJOTKA-Behindertenstiftung bei. „Mittlerweile verteilen sich mehr als 30 Angebote von 16 Vereinen über den gesamten Kreis. Das zeigt, dass wir mit dem Projekt richtig gelegen haben“, sagt Joachim Lehman, KSV-Vorstandsmitglied für das Fachgebiet Inklusion und Integration und zugleich Vorsitzender des TSV Glinde.

Suche nach Markus Kratz Nachfolger hat begonnen

Die schlechte Nachricht: Markus Kratz, bis vor Kurzem hauptamtlicher Trainer des KSV und Betreuer des Projekts, steht nicht mehr zur Verfügung. Die engagierte Arbeit des 28 Jahre alten Sportpädagogen sorgte auch überregional für Aufsehen. Kratz bekam ein Angebot von Hannover 96 und trägt von nun an für seinen neuen Arbeitgeber die Verantwortung für den Kinder- und Jugendsport mit Schwerpunkt Inklusion.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger hat begonnen. Die Anforderungen sind klar definiert: Der „Neue“ hat die Aufgabe, Kontakte zu knüpfen, weitere Vereine mit Behinderteneinrichtungen zusammenzubringen, zusätzliche Sportangebote zu entwickeln und später auch anzuleiten.

„Die ersten Bewerbungen sind auf der Geschäftsstelle eingegangen“, sagt KSV-Geschäftsführerin Verena Lemm. „Zeitnah werden wir die ersten Gespräche führen.“

Kieler Sportwissenschaftler begleitet das Projekt

Manfred Wegner vom Kieler Institut für Sportwissenschaft hat das Projekt vom ersten Tag an begleitet. „Bundesweit stecken wir quasi noch in den Kinderschuhen, was das Thema Inklusion im Sport betrifft“, sagt er. Wegner war an der Universität in Kiel einer der Professoren von Kratz, der dort Pädagogik und Sportwissenschaft studierte.

Wegner stand seinem Schützling in den vergangenen knapp drei Jahren beratend zur Seite. Die Thematik Behinderung im Sport beschäftigt ihn schon mehr als 20 Jahre. Dennoch ist auch er überrascht von dem Erfolg des Projekts. Wegner: „Um den Erfolg anhand einer Studie zu beurteilen, haben wir gewisse Bewertungsrichtlinien ausgearbeitet“, erzählt der Sportwissenschaftler. „Wir wollten wissen, was passiert in den Gruppen, wie gehen die Teilnehmer miteinander um und vor allem: Gibt es Unterschiede zwischen bereits bestehenden Gruppen und denjenigen, die erst während des Projekts gegründet wurden.“ Das Ergebnis überraschte teilweise: Kaum ein Teilnehmer benötigte eine Gewöhnungsphase, Aggressionen oder Streitigkeiten untereinander gab es selten. Der Umgang unter den bis zu 25 Kursus-Teilnehmern war eher herzlich und entspannt.

2016 erhielt das Projekt einen finanziellen Segen

Darüber hinaus offenbarte die Studie, dass neu entwickelte Angebote in der Regel besser funktionieren als zuvor bereits bestehende. Auch eine Koppelung mit einer Behinderteneinrichtung sei gemäß der Studie nicht unbedingt notwendig, um geistig oder körperlich benachteiligte Menschen zum Sportreiben zu motivieren.

Jörg Schumacher räumt ein, den Behindertensport vor wenigen Jahren noch anders beurteilt zu haben. „Mir ist nicht bewusst gewesen, dass der Behindertensport bis dahin eine eigene, eher isolierte Angelegenheit war“, sagt der Geschäftsführer der Stiftungen der Sparkasse Holstein. „Vormittags drückten behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam die Schulbank, nachmittags gingen sie getrennte Wege.“

Die Sparkassen-Stiftung Stormarn und die Sparkassen Sozialstiftung Stormarn setzten 2016 ein Zeichen, als sie das Projekt „Sport für alle“ mit 120.000 Euro für drei Jahre unterstützen. Schumacher: „Wir wollten helfen, eine Struktur zu schaffen, die sich selbst trägt. Es stand aber von Beginn an fest, dass wir in dieser Höhe nur begrenzt fördern können.“ Kreispräsident Hans-Werner Harmuth weist auf die Bedeutung des Begriffs Inklusion hin, als er sagt: „Das Geld kommt sowohl behinderten als auch nichtbehinderten Menschen zugute, die einfach Spaß haben, gemeinsam Sport zu treiben.“