Stormarn
Motorsport

Oststeinbeker fährt allen in seinem Manta davon

Hans-Olaf Beckmann lässt mit seinem Opel Manta (Baujahr 1981) auf der Rennstrecke auch modernere Autos hinter sich.

Hans-Olaf Beckmann lässt mit seinem Opel Manta (Baujahr 1981) auf der Rennstrecke auch modernere Autos hinter sich.

Foto: BRFOTO-Reiter Dirk0172-6808840 / BRfoto

Hans-Olaf Beckmann hat in 25 Jahren mit einem Opel Manta mehr als 100.000 Rennkilometer absolviert, auch auf der Nordschleife.

Oststeinbek.  Auf der Nordschleife des Nürburgrings genießt der weiße Opel Manta B längst Kultstatus. Der Fahrer Hans-Olaf Beckmann wird von den motorsportbegeisterten Zuschauern in der sogenannten „Grünen Hölle“ als Legende gefeiert. Kein Wunder: Mehr als 100.000 Kilometer hat der 72-Jährige vom MSC Trittau mit dem Rennauto auf der knapp 21 Kilometer langen und kurvenreichen Strecke absolviert. 128 Mal ging der Oststeinbeker bei der VNL-Langstreckenmeisterschaft Nürburgring an den Start. 59 Mal stand Beckmann bei einer der größten Breitensport-Rennserien der Welt – für seriennahe Renntourenwagen bis zum ausgewachsenen GT3-Boliden – in der heiß umkämpften Klasse H2 für Fahrzeuge mit Saugmotoren bis zwei Liter Hubraum ganz oben auf dem Podest.

Mit dem von ihm selbst umgebauten 255 PS starken Opel bestritt Beckmann auf der Nordschleife 18 Mal ein 24-Stunden-Rennen – am häufigsten im Team mit Peter Hass aus der Opel-Motorsportabteilung und Volker Strycek, der Director Performance Cars & Motorsport bei Opel ist. Tankstopps werden für einen Fahrerwechsel genutzt, im Acht-Stunden-Rhythmus die Reifen gewechselt.

„Mit einer Tankfüllung sind wir etwas mehr als zwei Stunden unterwegs, dann klemmt sich der Nächste hinter das Steuerrad“, erzählt Beckmann. Schlaf gönnt sich der Stormarner in den 24 Stunden kaum. „Da ich ebenfalls für die Technik zuständig bin, verbringe ich die meiste Zeit in der Box.“

Beckmann gewann viermal die Wagrenrennsport-Meisterschaft

Auf der Rennstrecke liebt Beckmann die Rolle des Underdogs. „Der Manta hat gegenüber modernen Fahrzeugen nicht nur aufgrund seiner Starrachse Nachteile“, sagt der 72 Jahre alte Hobby-Rennfahrer. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Aber umso größer ist die Genugtuung, wenn wir den moderneren Wagen die Stirn bieten können.“

Beckmann sammelt Pokale und Trophäen wie am Fließband. In diesem Jahr gewann er zum vierten Mal in Folge die ADAC Hansa Wagenrennsport-Meisterschaft. Ein Wettbewerb, der vergleichbar ist mit einer norddeutschen Meisterschaft. Gewertet werden die Rennergebnisse eines Jahres von Fahrern aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Um kaum ein anderes Auto ranken sich so viele Mythen wie um den Opel Manta. „So mancher Neuling auf der Rennstrecke hat vor dem Rennen für uns lediglich ein müdes Lächeln übrig“, sagt Beckmann und lacht. „Im Ziel gibt es dann meist lange Gesichter.“ Dem 72-Jährigen gehört in Oststeinbek eine Firma für Sicherheitsanlagen. Die technischen Fertigkeiten eines Kfz-Mechatronikers brachte er sich praktisch selbst bei. „Schon als Junge war ich autoverrückt. Für 50 Pfennig die Stunde wusch ich als Zehnjähriger Autos, im Alter von vierzehn Jahren half ich bei einer Tankstelle in Garstedt, Motoren zu reparieren“, sagt Beckmann.

Auf sein Talent wurde ein Hamburger Alfa-Romeo-Händler aufmerksam, für den der damals 18-Jährige Serienfahrzeuge zu Rennwagen umbaute und bei Tourenwagen-Europameisterschaften startete. Für die Reisekosten musste er selbst aufkommen. „Finanziell waren mir irgendwann Grenzen gesetzt, deshalb habe ich eine Zeit lang mit dem Motorsport aufgehört“, sagt der Stormarner.

Der Szene blieb er dennoch eng verbunden. Anfang der 1990er-Jahre kaufte er sich den Manta und baute ihn zunächst zum Rallyeauto um. Ein Freund überredete ihn zu einem Start bei einem Langstrecken-Rennen. Beckmann baute den Manta erneut um, ehe er 1993 sein Debüt auf der Nordschleife des Nürburgrings gab. Damit entfachte er eine Leidenschaft, die bis heute unvermindert anhält. „Der Manta ist eine Herzensangelegenheit. Für mich gibt es nichts Schöneres, als mit dem Wagen über die Nordschleife zu fahren“, erzählt Beckmann. „Die meisten Rennstrecken sind für 30 oder 35 Fahrzeuge zugelassen, dort haben bis zu 180 Autos gleichzeitig Platz.“

Schäden hat der Autonarr immer selbst repariert

Was aber macht den Manta so speziell? Unter der Haube steckt ein serienmäßiger Vierzylinder-Motor mit 1,8 Liter Hubraum, den Beckmann auf zwei Liter aufgebohrt hat. Vom Opel Kadett GSI kommt der 16-Ventil-Zylinderkopf. Das Sechsgang-Getriebe stammt von der Firma Drenth, der Hauptbremszylinder von Porsche und der Kühler aus der Mercedes C-Klasse. Die Frontmaske des Mantas, die Motorhaube und die Türen sind aus Kohlefaser. Bei VLN-Rennen bringt der Manta rund 940 Kilogramm auf die Waage. „Das ist erheblich weniger als viele moderne Autos, die selbst durch Gewichtsreduzierung kaum unter 1200 Kilogramm kommen“, sagt Beckmann. Das geringe Gewicht des Wagens in Kombination mit dem Antiblockiersystem ABS ermöglicht dem Fahrer einen späten Bremspunkt.

Seit 1994 fährt der Manta mit derselben Karosserie. „Schäden konnte ich bisher immer selbst richten“, sagt Beckmann, der nie ein Problem mit Manta-Witzen hatte. Im Gegenteil: „Es gibt schon ein paar ganz gute, wie diesen: ,Treffen sich zwei Manta-Fahrer. Sagt der eine: Ich hab mir gerade einen Duden gekauft. Fragt der andere: Und, hast du ihn schon eingebaut, ist der Manta schneller geworden?’“