Stormarn
Triathlon

20 Jahre alter Ammersbeker feiert EM-Debüt

Lennart Sievers gönnt sich eine Trainingspause

Lennart Sievers gönnt sich eine Trainingspause

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Triathlet Lennart Sievers startet im Oktober in Israel bei U-23-Europameisterschaft über olympische Distanz.

Ammersbek.  Der Schritt war ungewöhnlich, den Lennart Sievers vergangenes Jahr nach dem Abitur gegangen ist, aber zu keiner Zeit bereut hat. Ein Jahr lang konzentrierte sich der 20 Jahre alte Ammersbeker voll und ganz auf den Triathlonsport. „Ich wollte das Leistungspotential steigern und mich in der internationalen Triathlonszene etablieren. Der Plan ist größtenteils aufgegangen“, sagt der blonde Ausdauerathlet und lächelt. „Vor allem im Wasser und auf der Laufstrecke haben sich meine Zeiten deutlich verbessert. Und nun stehen zum Ende der Saison auch noch zwei internationale Höhepunkte auf dem Programm.“

Sievers startet zunächst bei den U-23-Europameisterschaften in der am Roten Meer gelegenen israelischen Hafenstadt Eilat (19. bis 21. Oktober). Eine Woche später (27./28. Oktober) tritt der blonde Triathlet auf der portugiesischen Insel Madeira beim Euro-Cup-Finale an. Beide Wettkämpfe gehen über die olympische Distanz (1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen).

Sievers, dessen Stärke eindeutig auf der Schwimmstrecke liegt, stellt einen gewissen Anspruch an sich: „Mein Ziel ist, als einer der Top-Fünf-Athleten aus dem Wasser zu steigen“, sagt der 20-Jährige. „Die Form ist da. Ich muss nur, wie kürzlich auf Rügen, auch auf den Punkt abliefern.“

Sievers belegte beim Saisonfinale Rang acht

Die mecklenburgische Ostseeinsel war Austragungsort des Bundesliga-Saisonfinales über die Sprint-Distanz (750 Meter Schwimmen/20 Kilometer Radfahren/fünf Kilometer Laufen). Sievers, der seit mehr als drei Jahren für das Triathlon Team DSW Darmstadt startet, beendete als zweitschnellster Schwimmer eines 80 Mann starken Teilnehmerfeldes – unter ihnen auch einige internationale Top-Triathleten – die erste Disziplin. Auf der Fahrradstrecke teilte sich Sievers anschließend mit weiteren fünf Fahrern die Führungsarbeit.

Der Ammersbeker hielt auch auf der Laufstrecke gut mit, ehe er von dem Franzosen Felix Duchampt und dem Deutschen Jonathan Zipf – zwei international erfahrenen Athleten des Ejot Team TV Buschhütten – abgefangen wurde und im Gesamtergebnis den achten Platz belegte. „Ziel war eine Top-Ten-Platzierung, das habe ich auch erreicht“, sagt Sievers zufrieden. Mit seinem Verein beendete der 20-Jährige die Bundesligasaison – wie im Vorjahr – ebenfalls auf Platz acht. „Auch damit hat unser junges Team die zum Saisonstart gesteckte Vorgabe erfüllt.“

Sven Harms, Geschäftsführer des Radsport Zentrums Hamburg, erkannte vor drei Jahren das Potenzial des Stormarners. Er überzeugte Sievers, den Triathlonsport professioneller zu betreiben. Mit viel Herzblut, aber auch der Auflage, mit allen Konsequenzen an die Aufgabe heranzugehen, übernahm der ehemalige Triathlonprofi das Training des Ammersbekers. Bei seinem Heimatverein, dem Ahrensburger TSV, gibt Sievers seine Erfahrungen seit einem Jahr an den Schwimm-Nachwuchs weiter. Seit Dezember trainiert er auch die Triathleten des SV Großhansdorf. Einer von ihnen ist Daniel Pacher, der bald selbst vor einer Bewährungsprobe steht. Der 43 Jahre alte Deutsche Triathlon-Vizemeister in seiner Altersklasse startet am 13. Oktober erstmals beim ältesten Langdistanz-Triathlon, dem legendären Ironman auf Hawaii.

Ein Jahr lebte er das Leben eines Profis

Dem Schwimmsport will Sievers – soweit die Zeit reicht – weiterhin verbunden bleiben. Er kann sich am ersten Novemberwochenende sogar einen Start bei den Landesmeisterschaften in Kiel vorstellen. „Wenn alles nach Plan läuft, springe ich bei mehreren Schmetterlings- und Freistil-Wettkämpfen ins Becken“, sagt Sievers.

Ein Jahr hat Sievers gelebt wie ein Triathlon-Profi. Nun freut er sich auf den Beginn des Studiums. „In Kürze ziehe ich in die Nähe des Olympiastützpunkts nach Saarbrücken, um an der dortigen Universität Wirtschaft und Recht zu studieren“, erzählt er. Nach einer kurzen Gedankenpause fügt er hinzu: „Trainieren, essen, schlafen sowie ab und zu reisen – das Leben eines Profisportlers kann manchmal auch langweilig werden. Deshalb freue ich mich, endlich wieder etwas mehr für den Kopf zu tun.“

Sport und Ausbildung bekommt Sievers gut unter einen Hut. „Mein Plan ist, in ein, zwei Jahren bei den World Triathlon Series zu starten, dann würde ein Traum in Erfüllung gehen“, sagt der 20-Jährige. „Allerdings ist Leistungssport auf Dauer ohne größere Sponsoren nicht machbar, deshalb bin ich für jede Unterstützung dankbar.“ Zu erreichen ist Sievers per E-Mail unter der Adresse lennart.siev@googlemail.com.