Stormarn
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Beim SV Eichede steht ein Schüler im Tor

Marcel Gevert hütet seit drei Spieltagen das Tor des SV Eichede

Marcel Gevert hütet seit drei Spieltagen das Tor des SV Eichede

Foto: Thomas Jaklitsch / Thomas JAKLITSCH

Als 15-Jähriger spielte Marcel Gevert für Borussia Dortmund. Jetzt ist er 19 und überzeugt in seiner ersten Herren-Saison in Stormarn.

Steinburg.  Eine der größten Aufgaben, die Marcel Gevert in diesen Tagen zu erledigen hat, heißt „Faserland“ und ist der Debütroman des Schriftstellers Christian Kracht. Auf vier bis sechs Seiten muss der 19-Jährige das Buch interpretieren, denn werktags drückt er noch die Schulbank. Am Wochenende dagegen ist Geverts Stammplatz der Strafraum des SV Eichede. Da steht ein Schüler im Tor bei Stormarns bester Fußballmannschaft.

Dass ein Oberligaclub auf der Torwart-Position auf einen Teenager vertraut, ist eher ungewöhnlich. Zur Laufbahn des 1,90 Meter großen Blondschopfs passt es dagegen, denn Gevert war schon oft früh dran. Seinen bisherigen sportlichen Höhepunkt erlebte er als 15-Jähriger: als Keeper bei Borussia Dortmund.

Auch der HSV war hellhörig geworden

Schon damals fiel der 2008 von seinem ersten Verein SV Steinhorst nach Eichede gewechselte Schlussmann mit seiner Statur und seinem mutigen, offensiven Spielstil auf – auch dem BVB. Anfang 2015 zog Gevert nach Dortmund. „Man hat direkt am Trainingsgelände gewohnt, die Betreuung war richtig gut. Es hat schon richtig Spaß gemacht“, erzählt Gevert, spricht aber auch offen über die Schattenseiten: „Nach wenigen Wochen konnte ich wegen einer Fußverletzung nicht mehr trainieren und hatte dann ziemlich schnell Heimweh. Dadurch bin ich überhaupt nicht zurück in die Spur gekommen.“ Nach gerade mal einem Einsatz in einem Freundschaftsspiel und wenigen Monaten vor Ort war das Kapitel beendet. Gevert zog zurück nach Norddeutschland und schloss sich wieder dem SV Eichede an.

Es bot sich noch eine zweite Chance bei einem Profiverein, denn nun war auch der HSV hellhörig geworden. Auch über das Probetraining bei den Hamburgern spricht Gevert sehr ehrlich: „Es hat einfach nicht gereicht.“

Der Traum von einer Profkarriere endet nach und nach

So endete der Traum von einer Profikarriere nach und nach. Denn im April 2016 riss auch noch Geverts Kreuzband, er musste monatelang aussetzen. In dieser Phase lernte er auch Eichedes neuen A-Jugend-Trainer Christian Jürss kennen. Heute sind beide in ihrer ersten Herren-Saison beim SVE aktiv. Anfangs blieb Gevert nur die Rolle des Reservisten, auch weil ihn eine Verletzung zu Saisonbeginn zurückwarf. Doch Anfang September rückte er in die Startelf, feierte gleich den ersten Saisonsieg der Stormarner mit, beim 5:1 über den SV Frisia Risum-Lindholm.

„Ihn zeichnet aus, dass er sehr ehrgeizig und selbstkritisch ist“, sagt Jürss. Tatsächlich arbeitet der 19-Jährige akribisch an seinen Schwächen, bereitet eigene Fehler gemeinsam mit Torwart-Trainer Jan Dreßler schonungslos auf. Zum Beispiel die Szene, die beim 3:3 gegen den TSV Kropp zum dritten Gegentor führte: ein Schuss ins kurze Eck. „Im Video sah man, dass es ein kleiner Stellungsfehler war. In der Woche darauf haben wir dann die Fußstellung und das Abspringen trainiert“, verrät Gevert.

Jürss wünscht sich mehr Kommunikation auf dem Platz

Kleine Fehler wie diese künftig zu vermeiden, das ist sein Ziel. „Ich will konstanter werden.“ Trainer Jürss lobt seinen Schützling für seine Strafraumbeherrschung und Risikobereitschaft bei langen Pässen des Gegners. „Und er versucht immer, im Training alles aufzunehmen. Ich bin sehr froh, mit ihm zu arbeiten.“ Doch einen konkreten Wunsch hat der Coach noch an seinen Schlussmann: „Er muss auf dem Platz mehr sprechen. Kommunikation ist noch nicht seine Stärke.“

Grundsätzlich traut Jürss seinem Keeper zu, künftig auch höherklassig zu spielen. Gevert selbst sagt: „Eine kleine Resthoffnung hat man immer, es gibt ja einige Profis, die in meinem Alter noch Fünfte Liga gespielt haben. Aber mir ist bewusst, dass die Situation mit dem BVB ein großes Glück war, das so wahrscheinlich nicht wiederkommt.“ Nach der Schule alles auf die Karte Fußball zu setzen, komme daher für ihn nicht infrage.

Am Sonnabend geht es gegen Eutin 08

So wie Gevert seine Fehler reduzieren will, muss der SVE insgesamt stabiler auftreten, um sich aus der unteren Tabellenhälfte zu befreien. Die nächste Möglichkeit dazu bietet sich an diesem Sonnabend (14 Uhr, Steinredder) beim kriselnden Regionalliga-Absteiger Eutin 08, der nur einen Zähler mehr als der SVE verbucht und in dieser Woche durch ein 0:4 beim Landesligaclub Oldenburger SV aus dem Kreispokalwettbewerb flog.

Während es in Eichede trotz des an den Ergebnissen gemessen etwas enttäuschenden Saisonstarts ruhig bleibt, wurde in Eutin bereits das Saisonziel auf Klassenerhalt korrigiert, zudem steht Trainer Lars Callsen in der Kritik. Trotzdem warnt Jürss vor dem angeschlagenen Gegner: „Das wird eine ganz harte Nuss. Eutin ist der Favorit. Wir dürfen sie nicht ins Spiel kommen lassen, sonst wird es sehr schwierig.“ Neben den verletzten Kapitänen Sascha Steinfeldt und Yannick Bremser fällt auch Pierre Wardius aus. Der Außenverteidiger laboriert erneut an Problemen am Hüftbeuger.