Stormarn
Jugger

In Rethwisch trifft sich die Jugger-Elite

Gunnar Kratzmann (v. l.), Nils Pelz, Klaas Honsack, Benjamin Neßmann und Jesse Weisbach rennen auf das Mal zu

Gunnar Kratzmann (v. l.), Nils Pelz, Klaas Honsack, Benjamin Neßmann und Jesse Weisbach rennen auf das Mal zu

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die Gemeinde im Norden Stormarns richtet richtet am 1. und 2. September die Deutschen Meisterschaften aus. 24 Teams kämpfen um den Titel.

Rethwisch.  Jugger erinnert zunächst an einen altertümlichen Gladiatorenkampf: Dumpfe Trommelschläge dröhnen über das Spielfeld. Zwei Teams mit jeweils fünf Akteuren stehen einander gegenüber. Die einen halten lange Stäbe – sogenannte Pompfen – in den Händen, ein anderer einen Ball an einer Kette. Erst wenn die Partie beginnt, wird schnell deutlich, dass sich bei der rasant wachsenden Trendsportart Jugger alles um Taktik, Fairness und Teamgeist dreht.

Am kommenden Wochenende (1./2. September) ist die kleine Gemeinde Rethwisch Treffpunkt der besten Jugger-Spieler Deutschlands. Der VfL Retwisch richtet erstmals die nationalen Meisterschaften der Erwachsenen aus. 24 Teams kämpfen am Sonnabend von 10 Uhr an auf der Sportanlage am Buchrader Weg auf bis zu sechs Plätzen um den Einzug in die K.o.-Runde. Diese beginnt am Sonntag um 9 Uhr. Jedes Spielfeld ist mit einem Bildschirm ausgestattet, mit dem Spieler, Trainer und Zuschauer auf dem Laufenden gehalten werden. Das Finale am Sonntag ist für 15 Uhr geplant.

Teams aus ganz Deutschland reisen an

Das Organisationsteam um Abteilungsleiter Jan Schliep ist bestens vorbereitet. „Wir besitzen das technische Know-how und die entsprechende Platzanlage, um eine derart große Veranstaltung durchzuführen“, sagt der 39 Jahre alte Software-Entwickler. Vor zwei Jahren organisierten die Stormarner bereits die Deutschen Meisterschaften der Kinder und Jugend.

Dass Rethwisch nun erneut nationale Titelkämpfe ausrichtet, nimmt Schliep gelassen. „Ausrichter einer DM zu sein ist natürlich schon etwas Besonderes“, sagt der 39-Jährige. „Wirklich stolz aber bin ich darauf, dass ich mich in der Vorbereitung eines derartigen Spektakels zu 100 Prozent auf die Mitglieder verlassen kann.“

2009 gründeten beim VfL Rethwisch einige Mädchen und Jungen ein Juggerteam. Da sie bei Freundschaftsspielen oder Turnieren es zunächst nur mit Erwachsenen zu tun bekamen, hagelte es Niederlagen in Serie. Schnell erhielten sie den Kampfnamen Victim – ohne „s“. Als „Opfer“ werden die Stormarner an diesem Wochenende allerdings nicht auftreten. Im Gegenteil: Gemeinsam mit Rigor Mortis aus Berlin, den Zonenkindern aus Jena und den Hawu Allstarz aus Gevelsberg zählen sie zu den Favoriten auf den Titel.

Jugg heißt der Spielball

Ähnlich wie beim American Football oder Rugby geht es beim Jugger darum, den Jugg (so die Bezeichnung des Spielballs) zu erobern und im gegnerischen Tor (das sogenannte Mal) unterzubringen. Die Spielzeit wird in Trommelschlägen gemessen, die etwa einem Takt von 1,75 Sekunden entsprechen. Hundert Schläge dauert eine Halbzeit (reine Spielzeit).

Das Spielfeld misst 20 x 40 Meter. Eine aus Schaumstoff gefertigte Rolle dient als Spielball. Nur der Läufer darf den Jugg aufnehmen und Punkte erzielen. Seine Mitspieler sind mit Pompfen ausgestattet, mit denen sie ihrem Läufer freie Bahn verschaffen. Sobald sie einen gegnerischen Spieler abtippen, muss dieser für einen bestimmten Zeitraum aussetzen und darf nicht aktiv in das Spielgeschehen eingreifen.

Männliche und weibliche Teilnehmer spielen zusammen

Seit März 2011 ist Jugger in Rethwisch innerhalb des VfL als Abteilung organisiert. Mehr als 80 Kinder, Jugendliche und Erwachsene verteilen sich auf sieben Mannschaften. Das Besondere: Im Unterschied zu den meisten anderen Mannschaftssportarten treten männliche und weibliche Spieler gemeinsam in einem Team an. „Jugger ist eine in hohem Maß durch Fairplay geprägte Sportart“, erklärt Schliep. „Jeder Ansatz von zu hartem, übermotiviertem Einsatz oder auch die Nichteinhaltung der Spielregeln stößt bei den Mitspielern schnell auf Unmut und führt letztendlich, wenn derartiges Verhalten nicht abgestellt wird, zum Ausschluss.“

Gerade bei Kindern und Jugendlichen würde die Vermittlung von Werten wie Ehrlichkeit und Respekt vor dem Gegner die Sozialkompetenz fördern, so Schliep.

Wer Interesse hat, Jugger selbst auszuprobieren, den lädt der Abteilungsleiter zu einer kostenlosen Trainingseinheit ein. Er bittet vorab um einen kurzen Kontakt per E-Mail an die Adresse jugger@vfl-rethwisch.de.