Oberliga

Eichedes Kicker wollen unter die besten Sechs

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Arne Bachmann
Die Mannschaft des SV Eichede für die Spielsaison 2018/19

Die Mannschaft des SV Eichede für die Spielsaison 2018/19

Foto: Thomas Jaklitsch / Thomas JAKLITSCH

Steinburger Fußballer starten mit Auswärtsspiel beim Heider SV in die neue Saison. Mannschaft ist talentiert, aber unerfahren.

Steinburg.  Als der neue Trainer Christian Jürss Ende Juni die Oberliga-Mannschaft des SV Eichede zum Trainingsauftakt in Kuddewörde bat, verriet der Fußballverein schon mal ein Fernziel: 2019/2020, also in der übernächsten Saison, wolle man wieder um den Aufstieg mitspielen, verkündete Präsident Olaf Gehrken. Es wirkte wie ein Signal an die neuformierte Mannschaft und an die Öffentlichkeit, dass mit dem Ex-Regionalligisten auch künftig wieder zu rechnen sein wird.

Was die Stormarner aber in der anstehenden Spielzeit erreichen wollen, das blieb bis zuletzt offen. Erst jetzt, unmittelbar vor dem Auftakt am morgigen Sonnabend (14 Uhr, Meldorfer Straße) beim Heider SV ist es raus: Eine Platzierung unter den Top sechs der Tabelle soll es sein.

Ein konkretes Ziel ist wichtig, sagt der Trainer

Nun könnte man fragen, mit welcher Motivation einer völlig neuformierten und unerfahrenen Mannschaft eine solche Aufgabe gestellt wird, wenn die wahren Ziele des Vereins doch ohnehin erst mittelfristig erreicht werden können. Denn ob der SVE nun auf Rang vier, sechs oder acht einläuft – die sportlichen Konsequenzen wären immer dieselben: Oberliga-Verbleib.

Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. „Ein konkretes Ziel, an dem man permanent arbeitet, ist einfach wichtig“, sagt Chefcoach Jürss. „Ich kann mir sonst nicht vorstellen, dass man 100 Prozent seiner Energie verwendet.“ Auch die Mannschaft selbst habe sich eine Zielsetzung gewünscht und sei von Trainer und Verein in die Entscheidung mit einbezogen worden.

Zum anderen sind die klare Zielsetzung und O-Töne von Gehrken wie „ich möchte keinem Spieler nur aufgrund seines Alters zusätzliche Freiräume zugestehen“ eine Reaktion auf die zurückliegende Saison – auch wenn der Vereinsvorsitzende das niemals bestätigen würde. Vor einem Jahr riefen die Stormarner zwar ein vergleichbares Ziel aus („oberes Tabellendrittel“), garnierten dies aber mit entschärfenden Begriffen wie „Konsolidierungs-Saison.“

Top-Favorit der Oberliga ist der NTSV Strand 08

Immer wieder entstand der Eindruck, dass die Mannschaft unter ihren Möglichkeiten blieb und letztlich führte der spürbare Spannungsverlust sogar zu einer kleinen Katastrophe: dem Kreispokal-Aus beim Kreisligisten TSV Bargteheide. „Entscheidend ist, dass sich das Potenzial der Mannschaft in den Leistungen und Ergebnissen widerspiegelt“, sagt Gehrken. „Diesen Eindruck hatte ich vergangene Saison nicht.“

Übrigens ist die aktuelle Zielsetzung ambitionierter, als sie auf den ersten Blick wirkt. Denn die Oberliga ist in der Spitze sowie in der Breite stärker geworden. Platz eins scheint schon vor dem Saisonstart vergeben: Titelverteidiger NTSV Strand 08 hat sich nochmals verstärkt. Alles andere als ein erneuter Triumph der Timmendorfer wäre eine große Überraschung. Anwärter auf den zweiten Platz sind die Regionalliga-Reserven des VfB Lübeck und von Weiche Flensburg sowie der TSB Flensburg, SV Todesfelde, Inter Türkspor Kiel und eventuell auch der Regionalliga-Absteiger Eutin 08, der allerdings ebenfalls einen Umbruch vollzog.

Wie sehr Jürss und der Club auf junge Eigengewächse setzen, ist selbst für den SVE, der stets seine Jugendarbeit in den Fokus rückt, ungewöhnlich. Neun der 14 Neuzugänge kamen gemeinsam mit dem Trainer aus der eigenen A-Jugend. Ganze 21 Jahre beträgt der Altersschnitt des gesamten Kaders. Gespickt ist das Team mit weiteren (etwas) älteren Eigengewächsen und wenigen erfahrenen Kräften wie dem neuen Kapitän Sascha Steinfeldt, der vom Hamburger Meister TuS Dassendorf kam.

Kapitän Sascha Steinfeldt fällt verletzt aus

Talentiert und unerfahren – diese beiden Attribute werden das Spiel des neuen SVE eine ganze Zeit lang prägen. „Es gibt noch Momente, wo wir etwas unreif agieren, wo die Cleverness fehlt. Das liegt teilweise an noch mangelnder Selbstkritik, aber natürlich auch am Alter“, sagt Jürss. Gespannt ist der Coach, wie die Mannschaft mit Drucksituationen umgehen wird. „Das werden wir wahrscheinlich schon beim ersten Spiel in Heide sehen.“

Zum Auftakt müssen die Talente dann gleich mal ohne ihren Anführer auskommen: Kapitän Steinfeldt fehlt wegen einer Bauchmuskelzerrung. Auch Fynn Rathjen, Phil Krieter, Tim Günther und Gerrit Schubring fallen verletzt aus. Keeper Marcel Gevert (Platzwunde am Kinn) könnte eventuell doch noch in den Kader rücken, zwischen den Pfosten wird aber in jedem Fall Florian Höfel stehen.

„Das wird ein schwieriges Spiel, wir werden maximal gefordert“, sagt Jürss. „Heide ist die deutlich erfahrenere Mannschaft, hat im Landespokal gegen Weiche Flensburg nur 0:1 verloren.“ Doch die Stormarner werden zeigen wollen, dass mit ihnen zu rechnen ist.

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