Stormarn
Golf

Jersbekerin fährt zur Deutschen Meisterschaft

Gelungener Schlag aus dem Sandbunker: Julia Stamme trainiert fast jede freie Minute auf dem Golfplatz

Gelungener Schlag aus dem Sandbunker: Julia Stamme trainiert fast jede freie Minute auf dem Golfplatz

Foto: Henrik Bagdassarain / HA

Beim Qualifikationsturnier in Lübeck-Travemünde verbessert die 15 Jahre alte Golfspielerin Julia Stamme ihr Handicap von 10,3 auf 8,9.

Jersbek.  Für etliche Golfspieler ist der Schritt von einem zwei- zu einem einstelligen Handicap eine reine Kopfsache. Manch einer benötigt Monate oder sogar Jahre, um nicht nur die entsprechende Kennzahl des ungefähren Spielpotenzials, sondern auch eine selbst auferlegte mentale Hürde zu knacken. „Der 16. Juni 2018 wird mir deshalb noch lange in Erinnerung bleiben“, sagt Julia Stamme gut gelaunt.

Die 15-Jährige vom Golf-Club Jersbek denkt gern an jenen Sonnabend zurück, an dem sie auf der Anlage des Lübeck-Travemünder Golf-Klubs ihr Handicap von 10,3 auf 8,9 verbesserte. Auch wenn sie kurz danach an Ort und Stelle das übliche Ritual – die sogenannte Taufe – über sich ergehen lassen musste: „Als Belohnung für mein einstelliges Handicap haben mich meine Teamkollegen in voller Montur in einen Tümpel geschmissen“, erzählt Julia. Sie lächelt, als sie hinzufügt: „Nachdem ich dieses Zwischenziel endlich abgehakt hatte, war mir klar, dass ich noch weitaus mehr erreichen kann.“

Jersbekerin hat mittlerweile hervorragendes Handicap von 6,8

Ihren Worten ließ die blonde Teenagerin auch ohne langes Zögern entsprechende Taten folgen. Bei einem vier Wochen später in Kürten (Nordrhein-Westfalen) ausgetragenen Qualifikationsturnier löste sie das Ticket für die Deutschen Meisterschaften der Mädchen in der Altersklasse bis 16 Jahre. Diese werden vom 14. bis 16. September auf der Anlage des Golfclubs Brückhausen (ebenfalls Nordrhein-Westfalen) ausgetragen.

Das DM-Ticket sicherte sich Julia mit einem Paukenschlag: In Runde zwei benötigte die 15-Jährige auf dem Par-72-Kurs 75 Schläge. „Meine bisherige Bestleistung für die vorgegebene Schlagzahl eines Platzes lag zuvor bei sieben über Par“, sagt Julia, deren Handicap mittlerweile bereits 6,8 beträgt.

Nach den Sommerferien wechselt sie in die zehnte Klasse des Bargteheider Kopernikus-Gymnasiums. Julia hat sich für das wirtschaftspolitische Profil entschieden – mit der Option, zu den Naturwissenschaften zu wechseln. „Ich finde es wichtig, als Jugendlicher eine politische Meinung zu vertreten und zu verstehen, was in der Welt vor sich geht“, sagt die junge Jersbekerin.

Mentale Stärke hilft der jungen Spielerin

Die Wissenschaft Psychologie fasziniert die 15-Jährige ebenfalls – und verhilft ihr nebenbei im Golfsport zu der nötigen mentalen Stärke. „Nachdem ich angefangen habe. mich mit dem Thema Psychologie auseinander zu setzen, war ich auch in der Lage, mich besser zu verstehen“, sagt Julia. „Mittlerweile kann ich meine Emotionen im Sport – ob himmelhoch jauchzend oder total frustriert – einfach besser kontrollieren.“

Ihrem Debüt bei Deutschen Titelkämpfen fiebert Julia mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich wollte unbedingt dorthin, nun habe ich es geschafft, also kann ich schon stolz auf mich sein“, sagt die 15-Jährige mit einem Schmunzeln. „Ich habe aber auch gehörigen Respekt vor einem derartigen Großevent, da ich nicht weiß, was mich erwartet.“ Ihr Ziel definiert Julia kurz und knapp, als sie sagt: „In Brückhausen will ich am dritten Tag unbedingt noch mit von der Partie sein.“ Am letzten Tag der DM messen sich die besten 28 Golferinnen aus den beiden Vorrunden.

Club ist erfolgreich in der Jugendförderung

Die Jugendarbeit beim GC Jersbek sieht Svenja Voigt als nachhaltige Investition in die Zukunft. „Unser vorrangiges Ziel sind nicht die kurzfristigen, schnellen Erfolge einiger Jugendlichen, sondern eher deren langfristige Entwicklung“, sagt die Jugendwartin des Golf-Clubs. „Wenn wir das beherzigen, kommen die Erfolge von selbst.“

Voigt führt neben Julia als Beispiel auch Lina Kalfac (AK14), Stina Voigt (AK16), Sascha Pirch (AK16) und Johann Möller (AK18) an, die in Kürten nur knapp die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft verpasst haben. „Für einen kleinen Verein wie den GC Jersbek ist es sicherlich außergewöhnlich, mit fünf Teilnehmern bei einem Vorausscheid für Deutsche Meisterschaften anzutreten“, sagt die Jugendwartin. Gerade in den Altersklasse AK12 bis AK16 sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Jugendlichen nicht den Spaß an der Sache verlieren, warnt die Jugendwartin. Sie sagt: „Sobald der Druck außen zu groß wird – egal ob von den Eltern, Trainern oder Teamkollegen – kann das schnell passieren.“