Stormarn
Schwimmen

Trittauerin fährt zu den World Games

Svenja Frobel (l.) und Anke Rath freuen sich auf die Herausforderung Abu Dhabi. Seit fünf Jahren trainieren sie gemeinsam

Svenja Frobel (l.) und Anke Rath freuen sich auf die Herausforderung Abu Dhabi. Seit fünf Jahren trainieren sie gemeinsam

Foto: Henrik Bagdassarain / HA

Svenja Frobel von den Stormarner Werkstätten Ahrensburg startet bei olympischen Spielen für geistig behinderte Menschen.

Ahrensburg.  Fotos der Millionenmetropole Abu Dhabi am Persischen Golf hat Svenja Frobel sich im Internet in den vergangenen Tagen zur Genüge angeschaut. „Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ich im kommenden Frühjahr selbst dort sein werde“, sagt die 30 Jahre alte Schwimmerin der Stormarner Werkstätten. Nach einer kurzen Gedankenpause fügt sie hinzu: „Das ist eine sehr coole Sache, immerhin bin ich noch nie mit einem Flugzeug geflogen.“

Vom 14. bis 21. März wird Svenja Frobel mit sechs weiteren Schwimmern aus Deutschland bei den Special Olympics World Games – den Spielen für geistig behinderte Menschen – in den Vereinigten Arabischen Emiraten antreten. Die 30 Jahre alte Trittauerin startet über 25 Meter Schmetterling und 50 Meter Brust.

Das Ticket für die Weltspiele löste die blonde Schwimmerin erst vor wenigen Wochen bei den Special Olympics National Games in Kiel. Dort gewann sie über 100 Meter Brust, 25 Meter Schmetterling und mit der 4x50-Meter-Freistilstaffel jeweils die Goldmedaille und sicherte sich zudem Bronze über 25 Meter Freistil.

Frobel beginnt sie im Tierheim Lübeck ein Praktikum

Die Erfolge im Wasser haben Frobel zu mehr Selbstbewusstsein verholfen. „Früher fiel es mir schwer, über meine Lernbehinderung zu sprechen“, sagt sie und lächelt. „Mittlerweile habe ich kein Problem damit.“

Anke Rath, Sportlehrerin bei den Stormarner Werkstätten in Ahrensburg, trainiert Frobel seit fünf Jahren. „Der Sport hat Svenja zu einer enormen Persönlichkeitsentwicklung verholfen“, sagt die 49-Jährige. „Sie besitzt ein ausgeprägtes Verständnis für technische Abläufe im Wasser und setzt Dinge, die wir im Training besprechen, schnell und gewissenhaft um.“ Frobel, die einen besonderen Bezug zu Tieren hat, freut sich vor Abu Dhabi auf eine weitere Herausforderung: Am 20. August beginnt sie im Tierheim Lübeck ein Praktikum. Sie schmunzelt und sagt: „Momentan läuft alles am Schnürchen, so kann es gern weitergehen.“

Anke Rath arbeitet in Ahrensburg seit knapp 30 Jahren mit geistig behinderten Menschen. Und das mit großem Erfolg: Bei den nationalen Spielen in Kiel holten Athleten der Einrichtung an der Kurt-Fischer-Straße in den Disziplinen Reiten, Schwimmen, Tischtennis, Badminton und Leichtathletik zehn Goldmedaillen, siebenmal silbernes und dreimal bronzenes Edelmetall.

Rath ist mit Herz und Seele bei der Sache. „Arbeit muss für mich einen Sinn ergeben, unabhängig vom finanziellen Ertrag“, sagt die Sportlehrerin. „Am Ende des Tages möchte ich mit dem Gefühl nach Hause gehen, wieder ein kleines Stück zur Verbesserung der Lebensqualität meiner Sportler beigetragen zu haben.“

Sponsoren sind Voraussetzung für eine Teilnahme an internationalen Wettkämpfen

Für die leidenschaftliche Triathletin übt Sport für Menschen mit geistiger Behinderung die gleiche Faszination und Bedeutung aus wie für Menschen ohne Handicap. „Ohne meine Sportler würde mir selbst ein großer Teil Lebensqualität fehlen, da sie gewissermaßen ein Spiegelbild meiner eigenen Persönlichkeit sind“, sagt die dunkelblonde Ausdauersportlerin vom TSV Bargteheide. „Falls ich diesen Blickwinkel irgendwann nicht mehr habe, verliere ich den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Dann bin ich für diesen Job auch nicht mehr die Richtige.“

Die finanzielle Hilfe von Sponsoren bleibt Voraussetzung für eine Teilnahme an nationalen oder internationalen Wettkämpfen. „Ohne den Lions Club Ahrensburg und einen Unterstützer, der lieber im Hintergrund bleiben möchte, hätten unsere Athleten nicht nach Kiel fahren können“, sagt Rath. „Auch Svenjas Auftritt bei den World Games kann die Werkstatt nicht aus eigener Tasche finanzieren.“

Rath hofft auf regere Unterstützung der Geschäftswelt. „Auch behinderte Sportler haben es verdient, finanziell gefördert zu werden“, sagt sie. „Denn anders zu sein bedeutet nicht schlechter zu sein.“