Stormarn
Vielseitigkeitsreiten

Merle Denker reitet zum Kreismeistertitel

Merle Denker (RFV Zarpen) mit Chippi Chap beim Sprung über die Buschhecke

Merle Denker (RFV Zarpen) mit Chippi Chap beim Sprung über die Buschhecke

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Die 26-Jährige wird auf Hof Springbek zum zweiten Mal Kreismeisterin im Vielseitigkeitsreiten.

Wesenberg.  Gerade hat der Turniersprecher Lokalmatadorin Merle Denker mit der Stute Chippi Chap angekündigt. Deren Aufmerksamkeit gilt in den kommenden knapp fünf Minuten einzig und allein der 2400 Meter langen, mit 20 Natur-Hindernissen gespickten Geländestrecke. Nach der Dressur und dem Springen führt Denker mit der sechs Jahre alten Oldenburger Stute die Kreismeisterschaftswertung der Vielseitigkeitsreiter mit deutlichem Vorsprung an. „Möglichst sicher und fehlerfrei durchkommen“ lautet deshalb auch die Devise der 26-Jährigen vom RFV Zarpen.

Etwas später: Schon von weitem kündigt der gleichmäßige Rhythmus der Galoppsprünge von Chippi Chap im Zielbereich Ross und Reiterin an. Die Gespräche unter den Zuschauern verstummen. Gebannt verfolgen sie, wie Denker mit ihrer Stute die wenigen noch verbleibenden Hindernisse in Angriff nimmt.

Es folgt noch eine längere Galoppade den gegenüberliegenden Hügel hinauf. Auch dieses Hindernis meistern beide problemlos. Dann der Einsprung in den Teich, ehe es einen Galoppsprung später auf gebogener Linie noch einmal mit einem Sprung über eine Buschhecke in Richtung Ziellinie geht.

Der Applaus der Besucher begleitet den letzten Sprung über ein festes, hölzernes Hindernis. Dann steht fest: Nach 2016 hat Denker sich beim Turnier ihres Vereins auf dem familieneigenen Hof Springbek in Wesenberg erneut den Kreismeistertitel gesichert.

Den zweiten Platz der Wertung belegte – mit ebenso fehlerfreiem Auftritt und zudem der schnellsten Zeit im Gelände - Schwester Nike Denker mit der Stute Mabella. Dritte wurde Helen Köhncke (RV Badendorf) mit dem Hengst Clooney. Titelverteidigerin Jacqueline Vogt (PS Granderheide) mit Florali schied dagegen nach dreimaligem Ungehorsam ihres Pferdes vorzeitig aus.

Ihren Ritt zum Sieg lässt Denker im Nachhinein noch einmal Revue passieren. „Chippi Chap hat einfach einen hervorragenden Job gemacht, war die ganze Zeit über mit Spaß und Freude bei der Sache“, sagt die blonde Stormarnerin nach dem Wettkampf abgekämpft aber glücklich. „Die ersten vier Hindernisse wirkte sie noch etwas unkonzentriert, dann lief aber alles wie am Schnürchen.“

Chippi Chap, gezüchtet von den Eltern Ariane und Christian Denker, wurde am Anfang ihrer Ausbildung knapp drei Monate von Kai Rüder auf Fehmarn eingeritten. Danach bildete Merle Denker die Stute weiter aus. „Ein junges Pferd muss behutsam an die Belastungen der Vielseitigkeit herangeführt werden“, sagt die 26-Jährige. Denn Hindernisse mit Reizüberflutung, bei denen die volle Aufmerksamkeit und Konzentration des Pferdes vonnöten ist, erfordern ebenso ein hohes Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier wie Sprünge ins Wasser, bei denen das Pferd die Tiefe des Einsprungs nicht einschätzen kann.

„Ein Pferd muss im Gelände mutig, der Reiter mit einem gesunden Selbst- und Verantwortungsbewusstsein ausgestattet sein“, sagt Denker. „Dabei sollte der Mensch aber seine eigenen Fähigkeiten ebenso gut einschätzen können wie die des Pferdes.“ Im Dezember beendete die 26-Jährige ihr Studium der Agrarwissenschaften. In Ratzeburg ist sie bei der Firma ATR Landhandel in Ratzeburg beschäftigt.

Seit gut einem Jahr fördert der Kreispferdesportverband (KPSV) Stormarn verstärkt den Vielseitigkeitssport. „Der RFV Zarpen und der RFV Mittelstormarn bieten zwei hervorragende, anspruchsvolle Geländestrecken. Darauf können wir stolz sein“, sagt Verbandschefin Iris Genwo.

Allerdings werden die Organisatoren von Vielseitigkeitsprüfungen aufgrund der steigenden Sicherheitsmaßnahmen vor immer größere Herausforderungen gestellt. „Die Ausrichtung eines eintägigen Vielseitigkeitsturniers ist mittlerweile ebenso kostenintensiv wie die eines dreitägigen Dressur- und Springturniers“, sagt Nina Sieh, Vorsitzende des RFV Zarpen. „Die Sicherheitsauflagen sind auf jeden Fall zu begrüßen, von kleineren Vereinen finanziell aber kaum noch tragbar.“

Genwo sieht die Förderung des Vielseitigkeitssports weiterhin als eine wichtige Aufgabe des KPSV. „Die Vielseitigkeit ist und bleibt die Königsdisziplin der Reiterei“, sagt sie. „Denn ein Reiter muss nicht nur in einer, sondern gleich in drei Disziplinen sein Handwerk verstehen.“