Stormarn
FUSSBALL

Reinbeks Senioren verteidigen den Titel

Foto: Olaf Damm / Damm Pictures

Ü-40-Fußballer schlagen SC Victoria wie im Vorjahr nach Verlängerung. Jetzt wollen die Stormarner zu den Deutschen Meisterschaften.

Hamburg.  Andreas Hammer wankte leicht benommen, aber strahlend am Spielfeldrand entlang und klatschte mit Zuschauern ab. Nach einem Blick auf seine blutverschmierte Hand reichte der Fußballer von den Senioren der TSV Reinbek den Fans fortan lieber nur noch den unbeschmutzten Ellenbogen.

Den 1:0-Sieg der Stormarner nach Verlängerung gegen den SC Victoria bezahlte Hammer gern mit einem stark blutenden Cut im Gesicht – zumal er wenige Minuten später als der gefeierte Siegtorschütze des Endspiels um die Hamburger Meisterschaft wieder auf dem Platz stand.

In der ersten Minute der Verlängerung hatte der 51-Jährige mit einem herrlichen Schuss aus rund 28 Metern mehrere Personen gleichzeitig eine schier unlösbare Aufgabe gestellt: Victorias Keeper flog und streckte sich, hatte aber keine Chance. Und die anwesenden Journalisten riefen sich noch einmal den Grundsatz „Keine Wortspiele mit Namen“ ins Gedächtnis – nur um sogleich im Kopf schon mal Schlagzeilen wie „Hammers Meister-Hammer“ zu kreieren.

„Ich habe ein bisschen gelauert, weil Victoria öfter ungenaue Pässe gespielt hat“, beschrieb Hammer später die entscheidende Situation. „Johann Stenzel hat mich angeschrien, ich solle den Ball festmachen. Dann habe ich einfach draufgehalten.“ Übrigens hatte der heute 51-Jährige schon früher ein Gespür für besondere Tore. 1992 erzielte der Stürmer für Bergedorf 85 im DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen (1:3) den Ehrentreffer.

Die Reinbeker gehören seit Jahren zu den besten Ü40-Teams Norddeutschlands, gewannen in dieser Saison 21 von 22 Partien in der Verbandsliga und gingen als Titelverteidiger in das Endspiel gegen Victoria. Trotzdem galt die TSV auf dem Kunstrasenplatz des USC Paloma an der Brucknerstraße als Außenseiter. Der Gegner lief mit namhaften Angreifern wie Marius Ebbers (früher FC St. Pauli) und Vahid Hashemian (HSV) auf. „Durch unsere vielen Verletzten waren wir nicht gerade der Favorit“, sagte Reinbeks Spielertrainer Jens Krienke. „Wir haben das durch unseren Riesenkader toll kompensiert, Victoria das Spiel machen lassen. Sie hatten die besseren Chancen, wir haben aber nicht unverdient gewonnen.“

Reinbeks Erfolgsrezept ist der starke Zusammenhalt

Im ersten Durchgang dominierte „Vicky“, kam gegen die gut stehenden Stormarner zunächst aber selten zu so klaren Chancen wie kurz vor der Pause, als Matthias Zechel aus kurzer Distanz über das leere Reinbeker Tor schoss. Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich das Finale immer mehr zum offenen Schlagabtausch mit mehreren Großchancen auf beiden Seiten.

Auch nach Hammers Traumtor ging es auf und ab, doch während der Matchwinner nach einem Zusammenprall minutenlang von einer wegen eines anderen Spiels anwesenden Physiotherapeutin des SC Condor behandelt wurde, brachte Reinbek den Sieg mit Glück und Geschick über die Zeit.

Bei der Siegerehrung auf einem kleinen Nebenplatz überreichte der Spielausschuss-Vorsitzende des Hamburger Fußball-Verbands, Joachim Dipner, den Gewinnern Medaillen und die Meisterschale. „Unsere Gemeinschaft macht uns so stark“, sagte Trainer Krienke. „Wir binden unsere Familien mit ein, haben dadurch immer viel Unterstützung. Deswegen kommen so viele frühere Reinbeker zurück in unseren Verbund.“ Ein überwiegender Teil des Ü40-Teams trug auch früher das TSV-Trikot.

Mit diesem Erfolgsrezept der vergangenen Jahre will die Mannschaft nach einer Pause in diesem Sommer noch weitere Siegerehrungen erleben. Am 25. August steht die Norddeutsche Meisterschaft an. „Hoffentlich werden alle rechtzeitig wieder fit. Dann wollen wir die Chance wieder nutzen, nach Berlin zu kommen. Aller guten Dinge sind drei“, sagte Krienke. „Wir legen jetzt eine Pause ein und starten dann rechtzeitig wieder mit dem Training.“

Um den Sprung zu den Deutschen Meisterschaften zu schaffen, müsste die TSV so wie im vergangenen Jahr mindestens Vizemeister werden. 2017 belegte das Team in Berlin Rang neun, 2013 sogar Platz drei.

Kader TSV Reinbek: Sven Eggers, Jens Krienke, Marcus Neumann, Andreas Krienke, Dimitri Evangelistis, Axel Tittko, Günter Reckstadt, Kai Dittmer, Matthias Stuhlmacher, Michael Meixner, Christoph Pommer, Oliver Rauschan, Frank Schomann, Ulrich Meyerratken, Oliver Schweißing, Matthias Räck, Rogerio Afonso, Johann Stenzel, Klaus Meixner, Christian Jessen, Carsten Müller-Waidikat, Bernd Reinke, Frank Tobias-Leroy, Marco Schober, Andreas Hammer, Joachim Daube, Christian Leverenz, Markus Kranz, Matthias Rüger, Sönke Behn