Fußball

Stormarn hat einen mobilen Torwarttrainer

Fabian Lucassen lehnt sich nach einer Trainingseinheit entspannt auf ein Freistoßdummy

Fabian Lucassen lehnt sich nach einer Trainingseinheit entspannt auf ein Freistoßdummy

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Fabian Lucassen macht sein Hobby zum Beruf und betreut Fußballclubs in der Ober- und Regionalliga.

Braak.  Meistermacher und Trainerlegende Max Merkel hat vor vielen Jahren einmal behauptet, dass Torhüter und Linksaußen generell eine Macke hätten. Im modernen Fußball ist der typische Linksaußen längst von der Bildfläche verschwunden. Aber auf Torhüter bezogen würde Fabian Lucassen Merkels Aussage bedenkenlos unterschreiben. „Als Torwart musst du noch ehrgeiziger und – im positiven Sinn – schon ein wenig verrückt sein“, sagt der 31-Jährige und lacht. „Beides ergibt letztendlich die perfekte Mischung.“

Das Anforderungsprofil eines Torhüters habe sich aber im Laufe der Jahre stark verändert. „Vor 20 Jahren genügte es, wenn ein Keeper seinen Strafraum beherrscht und – wie Oliver Kahn – mit lautstarkem und selbstbewusstem Auftreten den gegnerischen Angreifern Angst einflößt“, sagt der im beschaulichen Braak lebende Lucassen. „Mittlerweile muss ein Torwart aber auch perfekt mit dem Ball am Fuß umgehen, das Spiel lesen und Angriffe einleiten können.“

Lucassen begann beim TSV Trittau als Stürmer, wechselte in der C-Jugend aber zwischen die Pfosten. „Ich habe sofort gespürt, das ist genau mein Ding“, sagt der 31-Jährige. Als selbstständiger Torwarttrainer machte er mittlerweile sein Hobby zum Beruf.

Gleich bei drei Vereinen schult er den Torwart-Nachwuchs – beim TSV Trittau, HSV Barmbek-Uhlenhorst und SV Eichede. Im Erwachsenenbereich zählen ebenfalls der HSV Barmbek-Uhlenhorst (Oberliga Hamburg), der VfR Neumünster (Oberliga Schleswig-Holstein) und die Frauen des Walddörfer SV (Regionalliga Nord) zu seinen Auftraggebern.

Lucassen war beim VfL Wolfsburg Kandidat für den Posten als Torwarttrainer

Lucassen organisiert zudem erfolgreich Trainingscamps für Jugendliche in Dänemark. In diesem Jahr bietet der 31-Jährige erstmals ein Torwart-Trainingscamp für Erwachsene an. Er hofft, damit auf ähnliches Interesse zu stoßen wie seine Facebook- und Instagram-Seiten. Das letzte rund einminütige Lehr-Video, das er dort veröffentlicht hat, wurde bisher rund 20.000 Mal angesehen.

Lucassen: „Dieser Clip, das lässt sich anhand der Statistik feststellen, ist vor allem in Italien und Frankreich sehr beliebt.“

In Kürze will Lucassen seine B-Trainerlizenz erwerben. Diese ist Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung für den Torwart-Trainerschein des Deutschen Fußball-Bundes. „Mein Ziel ist, irgendwann einmal bei einem größeren Verein als Torwart-Koordinator zu arbeiten“, erzählt der Braaker. Beim Bundesligisten VfL Wolfsburg war Lucassen ein Kandidat für den Posten als Torwarttrainer der A- und B-Junioren.

Eher ungewollt hat sich Lucassen nach einigen Jahren Pause kürzlich beim SV Curslack-Neuengamme in der Oberliga Hamburg noch einmal die Torwarthandschuhe übergestreift. „Geplant war, dass ich lediglich auf der Bank aushelfe“, erzählt Lucassen. „Nach einer Niederlagenserie in der Hinrunde gab mir der Coach dann doch den Vorzug.“ Lucassen schmunzelt und fügt hinzu: „Auch wenn es mir an Spielpraxis mangelte, Tore verhindern ist so ähnlich wie Fahrradfahren – das verlernt man auch nicht so schnell.“

2006 spielte der Braaker gegen die deutsche Nationalmannschaft

An das Weltmeisterschafts-Jahr 2006 erinnert sich Lucassen gern zurück. Nichtsahnend erschien der damals 16 Jahre alte Jugendnationalspieler des Hamburger SV auf dem Trainingsgelände in Norderstedt. „In der Kabine hieß es auf einmal, wir fahren geschlossen nach Stellingen, um dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Testspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft zu bestreiten“, erzählt Lucassen. Bis zur 45. Minute ließ der Stormarner keinen Gegentreffer zu, fischte dem heranstürmenden Kevin Kurany sogar den Ball vom Fuß. Erst in der Nachspielzeit war er machtlos, als eine verunglückte Flanke von Bastian Schweinsteiger über ihn hinweg in die Maschen segelte.

Sieben Jahre trug Lucassen das Trikot mit der Raute. „Die Zeit beim HSV unter dem damaligen Jugendtrainer Thomas Doll hat mich stark geprägt“, sagt er. Unvergessen bleibt auch der Tag, als Lucassen für die erste Mannschaft des Bundesliga-Dinos auf der Bank saß. „Stefan Wächter hatte sich während einer UEFA-Cup-Partie beim AS Monaco eine Bauchmuskelzerrung zugezogen, woraufhin ich für die Auswärtspartie bei Bayer 04 Leverkusen nachnominiert wurde.“

Mit Oliver Zapel, dem ehemaligen Coach des SV Eichede, verbindet Lucassen immer noch ein besonderes Verhältnis. „Man kann Oliver mögen oder nicht, auf jeden Fall ist er ein klasse Trainer“, sagt der 31-Jährige. „Unvergessen bleibt der Moment in der ersten Regionalliga-Saison, als er nach dem Treffer zum 2:0 gegen den FC St. Pauli II über den gesamten Platz stürmte und mir in die Arme sprang.“ Ein Foto dieser Szene – mit einer persönlichen Widmung – hat der ehemalige SVE-Trainer seinem Schützling zum Abschied geschenkt.