Stormarn
FUSSBALL

Eichedes A-Jugend-Coach ist bei Trainerwahl dabei

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Christian Jürss ist einer von zehn Kandidaten, die der Schleswig-Holsteinische Fußball-Verband nominiert hat.

Steinburg.  Mitten in der Winterpause durfte sich Christian Jürss über seinen ersten kleinen Erfolg des Kalenderjahres freuen. Bei der vom Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband durchgeführten Wahl zum Trainer des Jahres fand sich der Name des 31-Jährigen unter den zehn Nominierten wieder. Der A-Junioren-Coach des SV Eichede steht dort in einer Reihe mit Holstein Kiels Markus Anfang und Daniel Jurgeleit von Weiche Flensburg.

„Ich war positiv überrascht, hätte damit in keiner Form gerechnet“, sagt Jürss. Dabei dürfte es sich gar nicht mal um die übliche Understatement-Alltagslüge handeln, denn dass ein junger Coach, der mit seiner A-Junioren-Mannschaft gegen den Abstieg kämpft, bei solch einer hochrangigen Wahl beachtet wird, ist alles andere als selbstverständlich.

Und dennoch ist es folgerichtig, Jürss und damit auch sein Trainerteam und die Mannschaft für das auszuzeichnen, was Eichedes A-Junioren 2017 gelang. Nach einem katastrophalen Saisonstart 2016 mit dem frisch vom SC Condor verpflichteten Jürss rollten die Stormarner später, gestärkt durch das von Jürss initiierte Athletik-Training, das Feld von hinten auf. Nach dem krönendenden Saisonabschluss, einem 8:0 bei Jürss’ Ex-Club in Hamburg, liefen die Rot-Weißen auf Tabellenrang neun ein. „Wie wir den Rückstand nach acht Niederlagen zum Start mit einer Serie in der Rückrunde aufgeholt haben, war bemerkenswert“, sagt Jürss.

Nach der Sommerpause und dem im Jugendbereich üblichen Umbruch wiederholte sich die Geschichte in einer etwas verträglicheren Version. Wieder verlor der Dorfclub Spiel um Spiel, war diesmal aber fast nie chancenlos, unterlag oft unglücklich. Und der Wendepunkt setzte schon mitten in der Vorrunde ein. Durch eine fast optimale Punkteausbeute aus den letzten sieben Spielen des Jahres kletterte das Team sogar bereits auf Rang acht. Plötzlich muss Jürss nicht mehr zur Aufholjagd blasen, sondern darauf achten, dass seine Jungs nicht abheben. „Die Gefahr ist groß, dass sich Spieler auf dem kleinen Vorsprung auf die Abstiegsplätze ausruhen. Wir müssen mental weiterhin zu 100 Prozent fokussiert bleiben“, sagt er.

Falsche Tendenzen in einer Mannschaft zu erkennen und zu beheben – fragt man den Vereinsvorsitzenden, gehört genau das zu Jürss’ Stärken. „In kritischen Situationen ist er auch in der Lage, klare Kante zu zeigen und nicht ausschließlich pädagogisch zu handeln“, sagt Olaf Gehrken über den Trainer, der in Sandesneben als Lehrer arbeitet.

Besonders wichtig scheint aber – auch vor dem Hintergrund, gemäß der Vereinsphilosophie die Spieler auf den Übergang in die Eicheder Herrenmannschaft vorzubereiten – das taktische Know-how des Elite-Jugend-Lizenz-Inhabers. Gehrken: „Er ist in der Lage, einer Mannschaft taktische Disziplin zu vermitteln.“ Auch Jürss selbst sieht darin neben der mentalen und physischen Ausbildung seine Hauptaufgabe. „Gerade Spieler, die von unterklassigen Vereinen zu uns kommen, sind oft noch nicht so gut ausgebildet, wie sie es sein könnten. Diese Grundlagen müssen wir schaffen, weil es im Herrenbereich sehr schwierig wird, das noch aufzuholen.“

Jürss könnte ein Kandidat für die Ligamannschaft werden

Auch deshalb möchte der Barmbeker, der als Teenager bei Condor seine erste Mannschaft übernahm und fortan nur noch nebenher aktiv kickte, die Trainer-A-Lizenz ablegen. Dass er ein drittes Jahr Eichedes A-Jugend-Coach bleibt, ist wahrscheinlich. „Ich war vorher 15 Jahre beim SC Condor, bin also niemand, der ständig den Verein wechseln muss“, sagt er. Mittelfristig wird sich Jürss aber neuen Aufgaben widmen wollen. „Ich könnte mir vorstellen, im Herrenbereich zu arbeiten oder, falls sich mal die Möglichkeit ergibt, in einem Nachwuchsleistungszentrum.“

Mittelfristig müsste der SVE seinem Trainer-Talent also eine neue Perspektive bieten. Olaf Gehrken sagt dazu: „Er gehört zu den Trainern, die wir langfristig halten wollen. Ich traue ihm eine erfolgreiche Trainer-Laufbahn zu.“ Zwischen den Zeilen bedeutet das wohl: Gut möglich, dass Jürss irgendwann alle zwei Wochen im Ernst-Wagener-Stadion und nicht mehr bloß auf dem Eicheder Nebenplatz an der Seitenlinie steht.

Die Abstimmung läuft im Internet unter www.shfv-kiel.de/trainer-des-jahres