Triathlon

Der Weltmeister kommt aus Ahrensburg

| Lesedauer: 5 Minuten
Henrik Bagdassarian
Udo van Stevendaal (Mitte) und sein Fanclub (v. l.): Holger Michl, Ingo Pommerenke, Irek Pätzold, Matthias Heineke, Götz Reppel und Daniel Pacher

Udo van Stevendaal (Mitte) und sein Fanclub (v. l.): Holger Michl, Ingo Pommerenke, Irek Pätzold, Matthias Heineke, Götz Reppel und Daniel Pacher

Foto: Privat / HA

Das Abendblatt stellt die Kandidaten für die Wahl zum Stormarner Sportler des Jahres vor. Heute: Triathlet Udo van Stevendaal

Ahrensburg.  Udo van Stevendaal ist ein Mensch mit Prinzipien. Für den 49 Jahre alten Triathleten vom SV Großhansdorf zählt die erbrachte Leistung bei einem Wettkampf längst mehr als die erreichte Platzierung. „Ich kann genau einschätzen, wozu ich immer noch in der Lage bin. Deshalb will ich jedes Mal das Optimale aus mir herausholen“, sagt van Stevendaal, schränkt aber gleichzeitig ein: „Sobald mir dies nicht mehr gelingt, weil ich zum Beispiel nicht mehr ausreichend Zeit zum Trainieren habe, bestreite ich keine Triathlon-Wettkämpfe mehr.“

Sich ganz und gar vom Wettkampfgeschehen zu verabschieden, scheint für den sympathischen Physiker aber auch keine Option zu sein. „Ich bin einfach ein Wettkampftyp und würde mich dann auf die längeren Lauf-Distanzen konzentrieren. Über 10.000 Meter könnte ich – auch bei verringertem Trainingsaufwand – immer noch Bestleistungen bringen.“

Van Stevendaal ist seit kurzem als Professor für medizinische Gerätetechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Bergedorf tätig. Er kann nicht einschätzen, ob er weiterhin die nötige Zeit für das aufwendige Triathlon-Training aufbringen kann. Der 49-Jährige gibt die Hoffnung jedenfalls noch nicht auf. Er sagt: „Abwarten, wie sich auf Dauer Job und Sport unter einen Hut bringen lassen.“

Der Ahrensburger lieferte das Rennen seines Lebens ab

Im Triathlonsport hat der in Ahrensburg lebende Ausdauersportler fast alles erreicht. Vergangenes Jahr wurde van Stevendaal in Rotterdam (Niederlande) zum zweiten Mal in seiner Laufbahn Senioren-Weltmeister im Triathlon. Der 49-Jährige setzte sich in der Altersklasse 45-49 über die Olympische Distanz (1500 Meter Schwimmen/40 Kilometer Radfahren/10 Kilometer Laufen) in 1:59,17 Stunden durch. Im Ziel betrug sein Vorsprung auf den zweitplatzierten Dänen Pelle Grønberg zwölf Sekunden.

Für den Ahrensburger war es nach eigenen Angaben das Rennen seines Lebens. Obwohl die Bedingungen alles andere als gut waren: „Das Wetter war bis kurz vor dem Start eine einzige Katastrophe, das Hotel einfach miserabel und der Radkurs derart anspruchsvoll, dass man aufgrund der starken Regenfälle mit vielen Unfällen rechnen musste“, erzählt van Stevendaal.

Doch der Ausdauerathlet nutzt derartige Situationen, um sich zu motivieren. „Bei gutem Wetter kann jeder die Strecke problemlos meistern“, sagt er. „Wenn die Bedingungen aber schlecht sind, sind sie für alle schlecht. Und genau das löst bei mir eine Jetzt-erst-recht-Reaktion aus. Ich sage mir, dass ich einfach besser mit den Bedingungen klar komme als andere.“

Die gefährlichen Stellen prägte sich van Stevendaal bei einer Besichtigung der Strecke zwei Tage vor dem Rennen genau ein. „Da ich den kompletten Streckenverlauf während des Wettkampfs noch genau vor Augen hatte, konnte ich an einigen Ecken und in diversen Kurven länger Gas geben als die anderen“, erzählt der 49-Jährige.

Van Stevendaal erwies sich zudem als hervorragender Taktiker, da er nach dem Schwimmen wichtige Sekunden auf dem Weg in die Wechselzone gut machte. „Der Strecke war knapp einen Kilometer lang“, sagt er. „Doch anstatt mir Erholung zu gönnen, bin die rund 1000 Meter mit vollem Tempo durchgesprintet.“

Nach Ende des Wettkampfs erlebte van Stevendaal seinen emotionalsten Moment

Für zusätzliche Motivation entlang der Strecke sorgten einige angereiste Vereinskameraden, mit deren Auftauchen van Stevendaal nicht gerechnet hatte. „Die Jungs haben mich während des Wettkampfes immer wieder über Positionen und Zeitabstände zu den Konkurrenten informiert, das war eine große Hilfe“, sagt van Stevendaal, der kurz zuvor in Köln bereits Deutscher Meister über die Sprint-Distanz geworden war.

Eine Stunde nach Ende des Wettkampfs erlebte van Stevendaal seinen emotionalsten Moment als Triathlet. „Ich hatte gerade meinen Kleiderbeutel an der Sammelstele abgeholt, als ich fernab des ganzen Trubels einen Moment für mich ganz allein da stand“, sagt der 49-Jährige. „Da habe ich das erste Mal realisiert, was mir kurz zuvor gelungen ist und war den Tränen nah.“

2018 will van Stevendaal gemeinsam mit seinem Nachbarn Stefan Rössle am Zermatt-Marathon teilnehmen. Die 42,195 zu laufenden Kilometer verteilen sich dort auf 1944 Höhenmeter. Van Stevendaal: „Diesen Wettkampf will ich nur genießen, es geht mir dabei nur ums Ankommen.“

Auf die Frage nach einem Rücktritt vom Leistungssport sagt der 49-Jährige: „Solange das Feuer noch in mir brennt und ich vor einem Wettkampf die Anspannung spüre, bin ich sicher, dass mir der Leistungssport noch etwas bedeutet.“

Als Leser können Sie bei der Sportlerwahl mitmachen und gewinnen. Die Teilnahme ist ganz einfach. Wählen Sie in jeder Kategorie einen Kandidaten aus, notieren die Namen in Druckbuchstaben auf einer frankierten Postkarte und senden diese an den Kreissportverband (KSV) Stormarn, Lübecker Straße 35, 23843 Bad Oldesloe. Die Teilnahme ist aber auch per E-Mail (info@ksv-stormarn.de) oder auf der Internetseite des KSV (www.ksv-stormarn.de) möglich. Einsendeschluss ist 31. Januar 2018. Unter allen Teilnehmern werden attraktive Preise verlost.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport