Stormarn
Handball

Bundestrainer nominiert Talent aus Fischbek

Judith Tietjen (VfL Bad Schwartau)

Judith Tietjen (VfL Bad Schwartau)

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Judith Tietjen fährt zum Lehrgang des Deutschen Handballbunds. Die 15-Jährige spielt für den VfL Bad Schwartau auf der rechten Außenbahn.

Elmenhorst.  Das Fotoshooting lässt Judith Tietjen wie ein Profi über sich ergehen. Geduldig lächelt die junge Handballerin in die Kamera, als ob nichts in der Welt sie aus der Ruhe bringen könnte.

Auf dem Spielfeld dagegen präsentiert sich die 15-Jährige von einer ganz anderen Seite. Den Adrenalinpegel permanent am Anschlag, scheint Judith in ihrer eigenen Welt zu versinken. „Was auf der Tribüne vor sich geht, blende ich komplett aus“, sagt die Teenagerin und schmunzelt. „Dann nehme ich nur noch meine Mitspielerinnen, meinen Trainer und ab und zu eine Gegenspielerin wahr. Und umso knapper der Spielstand, desto besser ist meine Leistung.“

Judiths Verdienste für den VfL Bad Schwartau auf der rechten Außenbahn, sowohl in der weiblichen C-Jugend (Schleswig-Holstein-Liga) als auch in der weiblichen B-Jugend (Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein), überzeugten auch den Deutschen Handballbund (DHB). Die Jugendbundestrainer Frank Hamann und Barbara Hetmanek luden die 15-Jährige, die im Elmenhorster Ortsteil Fischbek lebt, für den 12. bis 15. April zu einem viertägigen Lehrgang nach Warendorf (Nordrhein-Westfalen) ein.

Einige Wochen zuvor beobachteten die beiden Coaches Judith bei einer sogenannten Leistungssportsichtung im Bundesleistungszentrum Kienbaum (Brandenburg). „Bei der Sichtung habe ich zwar gemerkt, dass ich unter besonderer Beobachtung stand, die Einladung zu dem Lehrgang kam dennoch überraschend“, sagt die blonde Fischbekerin. „Immerhin gibt es bundesweit viele gute Talente in meinem Alter.“

Judith lernte den Handballsport beim TSV Bargteheide kennen

Bis vor drei Jahren spielte Judith noch für den TSV Bargteheide. Die Entscheidung, den Verein zu wechseln, traf die Familie gemeinsam, nachdem Judith beim VfL mehrere Probetrainings absolviert hatte. „Wir wollten sicher sein, dass wir den zusätzlichen Zeitaufwand auch als Familie bewältigen können“, sagt Mutter Ines Tietjen. Als Trainerin der männlichen D- und E-Jugend des TSV Bargteheide schlägt das Herz der 39-Jährigen ebenfalls für den Handballsport. Sohn Jan-Nis (11), der in der D-Jugend des TSV auf Torejagd geht, ist in der handballbegeisterten Familie der Dritte im Bunde.

Olaf Schimpf lobt die Zusammenarbeit der Vereine. „Spielerinnen, die nach oben wollen, benötigen den entsprechenden Rahmen“, sagt der Jugendtrainer des VfL Bad Schwartau. „Als Verein kann der TSV Bargteheide stolz sein, eine Spielerin bis zur C-Jugend so ausgebildet zu haben, dass sie nun vor dem Sprung in die Jugendnationalmannschaft steht.“

Die Gefahr, dass Judith aufgrund der rasanten Entwicklung den Boden unter den Füßen verliert, sieht der Jugendcoach nicht. „Bei ihr ist eher das Gegenteil der Fall, sie ist zu kritisch mit sich selbst“, sagt Schimpf und lacht. „Scherzhaft ausgedrückt: Sobald Judith zwei Bälle hintereinander verwirft, muss ich ihr klarmachen, dass das Leben noch weitergeht.“

Kutschfahrten sind eine weitere Leidenschaft der 15-Jährigen

Kutschfahrten im Einspänner mit ihrem Pony Laurin sind eine weitere große Leidenschaft der 15-Jährigen. „Auf dem Kutschbock kann ich mir in Ruhe Gedanken über Dinge machen, die mich gerade beschäftigen“, sagt Judith. „Zwei Stunden draußen in der Natur, eng verbunden mit meinem Pferd, da bekomme ich den Kopf komplett frei.“ In Bargteheide besucht sie die neunte Klasse des Kopernikus Gymnasiums. Anfang Februar absolvierte sie in Bad Oldesloe ein zehntägiges Betriebspraktikum in der Kanzlei eines Steuerberaters – ein Berufszweig, der die 15-Jährige schon länger fesselt.

„Zuvor hatte ich meiner Mutter schon öfter über die Schulter geschaut, wenn sie an der Buchhaltung für den Betrieb meines Vaters gearbeitet hat“, erzählt Judith. „Ich habe sie mit meiner ständigen Fragerei zwar manchmal etwas genervt, dabei aber auch festgestellt, dass mir die Tätigkeit sehr gut gefällt.“