Stormarn
Fechten

Lütjensee hat einen Taktiker auf der Fechtbahn

Jim Mauz  steht vor der Herausforderung, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen

Jim Mauz steht vor der Herausforderung, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Jim Mauz vom FCL holt mit dem Säbel den Landesmeistertitel. Sein Ziel sind die nationalen Titelkämpfe 2018 .

Lütjensee.  Schnellkraft, Entschlossenheit, Kondition und jede Menge Fingerspitzengefühl – das sind nur einige Voraussetzungen, um ein guter Fechter zu sein. Auf der sogenannten Planche, der Fechtbahn, muss ein Akteur durchgehend die Körperspannung wahren, mentale Stärke zeigen und binnen von Sekundenbruchteilen auf die Aktionen des Gegners reagieren.

Jim Mauz liebt diese Herausforderungen. „An dieser Sportart fasziniert mich einfach alles“, sagt der 16 Jahre alte Säbelfechter vom FC Lütjensee. „Wer gut fechten will, muss zu
100 Prozent fit sein – körperlich und geistig.“

Dass er in beiden Bereichen über die nötigen Qualitäten verfügt, hat Jim, der in Kuddewörde an der Grenze zum Kreis Stormarn lebt, in seiner jungen Laufbahn schon häufiger unter Beweis gestellt. Erst kürzlich gewann der 16-Jährige bei den in Itzehoe ausgetragenen Landesmeisterschaften den Titel bei den A-Jugendlichen.

Sechs Kämpfe, sechs Siege lautete am Ende seine eindrucksvolle Bilanz. Dabei wurde Jim erst im Finale gegen seinen Vereinskameraden Levin Villnow ernsthaft gefordert. Die Gefechte vor dem 15:9-Finalerfolg glichen eher einem Spaziergang. Jim Mauz lacht und sagt „Um gegen Levin zu gewinnen, musste ich taktisch äußerst diszipliniert vorgehen. “

Bei den Landesmeisterschaften wird Jim erst im Finale gefordert

Für seine Leidenschaft bringt Jim so manches Opfer. Bis zu dreimal in der Woche stehen mehrstündige Trainingseinheiten, am Wochenende regelmäßig Wettkämpfe auf dem Programm. Wie viele Jugendliche in seinem Alter leidet auch Jim unter der Herausforderung, die steigenden schulischen Belastungen und den Sport unter einen Hut zu bekommen.

„Die Schule beansprucht die Jugendlichen heutzutage mehr denn je“, sagt Trainerin Friederike Janshen. „Der Trainingsaufwand geht gezwungenermaßen zurück und damit leider auch – Sportarten übergreifend – das allgemeine Leistungsniveau.“

Der mehrmaligen Senioren-Welt- und Europameisterin ist bewusst, welche Anforderungen sie an ein junges Talent stellen kann. „Jim betreibt nicht den Leistungssport, um später auch national vordere Plätze zu belegen. Dafür macht er seine Sache aber hervorragend und zeigt den nötigen Biss.“

Der Lütjenseer Club hat sich in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein zur Hochburg des Säbelfechtens gemausert. Ihre Begeisterung für den Fechtsport will Janshen an ihre Schützlinge weitergeben. Sie sagt: „Fechten ist eine Art Kampfsport, bei der man Dinge wie Respekt, Disziplin, Körperbeherrschung, Geschicklichkeit und Konzentrationsfähigkeit lernt.“ Und obwohl Fechten als Einzelsport gilt, sei bei den gemeinsamen Turnierbesuchen zudem ein hohes Maß an Teamspirit und Sozialkompetenz gefragt.

Der FC Lütjensee ist für den 16-Jährigen wie eine Familie

Jim besucht die 10. Klasse des Gymnasiums Trittau. Er hat sich für das Geschichtsprofil entschieden. „Unabhängig von den Lehrern hat mir das Fach Geschichte schon immer viel Spaß gemacht“, sagt Jim.

Geschichte und Politik sind aber auch häufig innerhalb der Familie ein Thema am Frühstückstisch. Beruflich plant Jim, einen ganz anderen Weg einzuschlagen. „Ich kann mir gut vorstellen, später Medizin zu studieren“, sagt der 16-Jährige. Als Vorbild diene ihm seine vier Jahre ältere Schwester Muriel, die in Homburg (Saarland) den Studiengang Medizin belegt hat.

Die körperliche Fitness erlangt Jim durch regelmäßiges Laufen. „Joggen ist für mich aber auch ein hervorragender Ausgleich zum Fechtsport“, sagt Jim und schmunzelt. „Egal wie das Wetter ist, sobald ich die Kopfhörer aufgesetzt habe und losgelaufen bin, wird es zwar anstrengend, dafür muss ich aber nicht mehr viel nachdenken.“

Der FC Lütjensee ist für Jim, dessen großes Ziel die Teilnahme an den deutschen Jugendmeisterschaften im kommenden Jahr ist, mehr als eine sportliche Heimat. Er sagt: „Der FC ist fast wie eine Familie für mich, ein großer Kreis von guten Freunden.“