Stormarn
HANDBALL

SV Preußen Reinfeld verspielt Tabellenführung

Lauenburgs  Vanessa Wulf (l.) kann die zweifache Reinfelder Torschützin Lina Tonding nicht am Wurf hindern

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Lauenburgs Vanessa Wulf (l.) kann die zweifache Reinfelder Torschützin Lina Tonding nicht am Wurf hindern

Handballfrauen sind nach 24:25-Niederlage bei der Lauenburger SV nur noch Zweiter in der Schleswig-Holstein-Liga.

Lauenburg.  In sich gekehrt, die Hände tief in die Hüften gestemmt, schritt Detfred Dörling nach dem Schlusspfiff am Rand des Spielfelds langsam auf und ab. Dem Trainer der Handballfrauen des SV Preußen Reinfeld war anzumerken, wie sehr die 24:25 (12:22)-Auswärtsniederlage bei der Lauenburger SV an ihm nagte. Seine Mannschaft war längst mit hängenden Köpfen in den Katakomben der Sporthalle des Lauenburger Schulzentrums verschwunden. Leichtfertig hatten sie die Tabellenführung in der Schleswig-Holstein-Liga verspielt.

Hatte der 62 Jahre alte Coach sich etwas vorzuwerfen? Hatte er gemeinsam mit Thomas Kruse die Mannschaft nicht ausreichend auf die schwere Auswärtsaufgabe eingestellt? "Nein", sagte Dörling nach reiflicher Überlegung. "Wir haben unser Bestes gegeben, die Mannschaft ist kläglich gescheitert. Dass einige Spielerinnen nicht annähernd ihre Normalform erreicht haben, ist äußerst enttäuschend. Erklären kann ich es mir jedenfalls nicht so richtig", sagte der Coach. "Zudem war ich der festen Überzeugung, dass die Mannschaft inzwischen gelernt hat, mit Drucksituationen umzugehen. Ich musste leider feststellen, dass dies noch nicht der Fall ist."

Wie in der Partie der Hinrunde wurde Rika Tonding auch im Rückspiel zur tragischen Figur. Sekunden vor dem Schlusspfiff ahndeten die Schiedsrichter ein Foulspiel der 23 Jahre alten Rückraumspielerin mit der Roten Karte und entschieden beim Stand von 24:24 auf Siebenmeter für die Gastgeberinnen.

Lauenburgs Lena Mehrkens ließ sich diese Möglichkeit nicht entgehen und erzielte vor mehr als 100 Zuschauern den frenetisch gefeierten Siegtreffer. Bereits im Hinspiel war Rika Tonding in eine spielentscheidende Situation verwickelt, als die Unparteiischen den vermeintlichen Siegtreffer der Reinfelderin in der Schlusssekunde wegen eines angeblichen Schrittfehlers nicht anerkannten.

Dass die Stormarnerinnen im Kampf um den Meistertitel nun auf Schützenhilfe angewiesen sind, ärgert Kruse. "Individuell sind wir besser besetzt als die meisten Gegner", sagte der Coach. "Gerät die Mannschaft aber unter Stress, treten immer wieder die gleichen Unsicherheiten auf. Ähnliches gilt auch für unser Tempospiel nach vorn. Sobald zwei, drei lange Pässe nicht ankommen, verlieren die Spielerinnen völlig den Faden."

So wie im zweiten Durchgang, als Reinfelds Torhüterin Annika Rahf viermal hintereinander bemüht war, mit weiten Abwürfen das Spiel nach vorn schnell zu machen. Die Gastgeberinnen jedoch fingen die Bälle mühelos ab und bauten ihrerseits einen Konter auf.

Dörling: "Annika, ansonsten ein Fels in der Brandung, hat leider einen rabenschwarzen Tag erwischt. Zudem haben sich Sina Rostek, Rika Tonding und Maike Braun auf der linken Abwehrseite Fehler erlaubt, die einfach nicht passieren dürfen, wenn man den Anspruch auf die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein hat."

Sechs Spieltage vor dem Saisonende ist für die Reinfelderinnen noch nichts verloren. Sie müssen aber auf einen Ausrutscher des nach Minuszählern punktgleichen Spitzenreiters HC Treia/Jübek hoffen, da bei Punktgleichheit am Ende der Saison der direkte Vergleich zählt. Diesen würde das Team aus Treia – nach den beiden Erfolgen gegen Reinfeld – klar für sich entscheiden.

Lachender Dritter im Rennen um den Titel könnte der Tabellendritte HSG Holstein Kiel/Kronshagen werden. Die Spielgemeinschaft hat sowohl den SV Preußen als auch den HC Treia noch zu Gast. Dörling: "Die Liga ist ausgeglichen wie selten zuvor. Jeder kann jeden schlagen. Die Mannschaft muss die Niederlage schnell abhaken und selbstbewusst und positiv nach vorn schauen." Kruse ergänzt: "Wenn wir uns allein auf unsere Stärken besinnen und unser Spiel aufziehen, sind wir stark genug, um die verbleibenden sechs Begegnungen zu gewinnen. Treia wird hoffentlich auch noch Punkte liegen lassen."

Am kommenden Sonnabend,
25. März (18 Uhr), steht die nächste schwere Aufgabe an. Der Tabellensechste MTV Heide ist zu Gast in der Schützenstraße. Das Hinspiel verloren die Reinfelderinnen deutlich mit 23:29.

Die Tore für den SV Preußen Reinfeld erzielten: Laura Beth (7/3), Sina Rostek (5/1), Jacqueline Heins (4), Jil Enke, Lina Tonding, Kerstin Albrecht, Rika Tonding (je 2).

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