Stormarn
Leichtathletik

Großhansdorfs Lauf-Ass kämpft sich nach Verletzung zurück

Katja Berend (l.) vom SV Großhansdorf im Duell mit Christine Priegelmeir (LG Forchheim)

Katja Berend (l.) vom SV Großhansdorf im Duell mit Christine Priegelmeir (LG Forchheim)

Foto: "Kiefner Sportfoto, Theo Kiefner, Winklerstrasse33, 90763 Fuerth"; Theo Kiefner / HA

Katja Berend vom SVG stand vor dem Ende ihrer Laufbahn. Kürzlich lief sie über 60 Meter einen deutschen Rekord.

Grosshansdorf.  Für Katja Berend vom SV Großhansdorf war es ein Wettlauf mit der Zeit, und sie lag klar in Rückstand. Das Knie der 54 Jahre alten Leichtathletin spielte nicht mehr mit. Im April 2016, kurz nach der Europameisterschaft der Senioren im italienischen Ancona, drohte ihr – versüßt mit einer Goldmedaille und neuer Weltrekordzeit mit der 4x200-Meter-Staffel – sogar das Karriereende. Die jahrelange enorm hohe Belastung im Training und bei Wettkämpfen schien ihren Tribut zu fordern. Es bestand sogar die Gefahr einer andauernden Bewegungseinschränkung.

Doch Berend ist eine Kämpfernatur. „Natürlich hatte ich mir schön öfters Gedanken über das Ende meiner Laufbahn gemacht, denn irgendwann muss ja einmal Schluss sein“, sagt sie und schmunzelt. „Ich habe mir nur fest vorgenommen, dass nicht die Ärzte, sondern ich den Zeitpunkt des Aufhörens bestimme.“ Gesagt, getan. Nach intensiver medizinischer Rehabilitation bekam Berend die Knieprobleme sechs Monate später in den Griff – und erlangte schneller als erwartet ihr altes Leistungsniveau.

Dies stellte die 54-Jährige kürzlich beim 28. Fürther Seniorensportfest eindrucksvoll unter Beweis. Im ersten Rennen über ihre Paradestrecke 60 Meter verbesserte sie in der Altersklasse W55 den deutschen Rekord von Ingrid Meier aus dem Jahr 2004 um eine Hundertstelsekunde auf 8,52 Sekunden. Im einem zweiten Lauf steigerte sich Katja nochmal um eine Hundertstel auf 8,51 Sekunden.

Die Rückkehr an die nationale Spitze war vielleicht die größte Herausforderung, der Berend sich in ihrer sportlichen Laufbahn gestellt hat. „Es war ein Kampf, den ich nie vergessen werde, der sich aber vollends gelohnt hat“, sagt die Großhansdorferin. „Allein hätte ich es aber nicht geschafft.“ Berend, die in Borstorf (Herzogtum-Lauenburg) an der Grenze zu Stormarn lebt, begab sich in die Hände des Möllner Orthopäden Uwe Schwokowski, zudem setzte sie alle Hoffnungen auf die Geschicke des Rehazentrums Ahrensburg von Frank Remesat. „Beide kennen mich seit vielen Jahren und waren sich einig, dass Katja Berend ohne Sport einfach keine Option ist“, sagt die 54-Jährige und lacht. „Also haben wir intensiv überlegt, nicht ob, sondern wie es weitergehen kann.“

Eine Karriereende war keine Option

Einigen Sitzungen später ergab sich eine Perspektive – fortan hielt Berend sich akribisch an sämtliche Reha-Maßnahmen und Anweisungen der Ärzte. Die Ängste und Sorgen vor plötzlich auftretenden Schmerzen im Knie sind allerdings immer noch ein ständiger Begleiter. „In Fürth habe ich auch einen Start über 200 Meter gewagt“, erzählt Berend. „Im Ziel fühlte ich mich nach wie vor schmerzfrei und war einfach nur überglücklich.“ Berend gönnt sich keine Pause, denn kommendes Wochenende steht bereits der nächste Wettkampf auf dem Programm. Die 52-Jährige startet bei den in Hamburg von der Hansestadt und Schleswig-Holstein gemeinsam ausgetragenen Landesmeisterschaften der Senioren über 60 und 200 Meter.

Obwohl für Berend eine Welt zusammenbrechen würde, wenn sie keinen Sport mehr treiben könnte, ist sie sich der Tragweite eines möglichen Karriereendes bewusst. „Für mich wäre es zwar ein großes Dilemma, aber natürlich kein Vergleich zu den aktuellen Problemen unserer Gesellschaft“, sagt die Sonderschullehrerin.

Wochentags arbeitet Berend als Lehrkraft einer Ratzeburger Sonderschule mit Schülern zusammen, die Probleme in den Bereichen Lernen und Verhalten aufweisen. „Hier sind es die täglichen kleinen Erfolge, die den Reiz des Berufs ausmachen“, sagt sie. Als nach eigenen Angaben sehr selbstkritischer Mensch steht Berend sich häufiger selbst im Weg. „Fehler suche ich zunächst immer bei mir“, sagt sie, „solange bis mich ein Kollege in den Arm nimmt und sagt ,Katja, daran trägst du wirklich keine Schuld’.“

Ziel bleibt eine Teilnahme an der Senioren WM in Malaga

Mehr als sechs Jahre lebte und arbeitete die Mutter von drei Kindern mit Ehemann Matthias Jakob-Berend in Schweden, ehe die Familie im Juni vergangenen Jahres nach Deutschland in das Haus ihrer Eltern zurückkehrte. Während Matthias Jakob-Berend als Rektor die deutsche Grundschule in Stockholm leitete, unterrichtete Katja Berend das Fach Deutsch. Beim Bromma IF, einem nahegelegenen Sportverein, betrieb sie weiter Leichtathletik.

Sechs Jahre lang reiste sie von Schweden aus zu nationalen und internationalen Wettkämpfen. Die Medaillen und Trophäen, die die 54-Jährige in dieser Zeit gesammelt hat, kann sie längst nicht mehr zählen.

Berend hat noch ein großes Ziel vor Augen. Für kommendes Jahr plant sie einen Start bei den Weltmeisterschaften der Senioren im spanischen Malaga. Auf die Frage, ob es ihr letzter Auftritt über 60 und 200 Meter sein könnte, lächelt Berend nur und sagt: „Erst noch eine Medaille in Malaga holen, danach überlege ich, wie es weiter geht.“