Stormarn
FUSSBALL

Ist Voran Ohe reif für die Oberliga, Herr Bahr?

Foto: Arne Bachmann / HA

Vor zwei Jahren stand der Oher Leistungsfußball auf der Kippe, nun hat sich das team etabliert. Abteilungsleiter Peter Bahr im Interview.

Reinbek.  Peter Bahr ist 58 Jahre alt – 55 Jahre davon lebt er nun im Reinbeker Ortsteil Ohe, aus dem auch seine Familie stammt. Sein Vater engagierte sich im FC Voran, sein Onkel zählte sogar zu den Gründungsmitgliedern. „Daher rührt auch mein Engagement“, sagt Bahr, Fußball-Abteilungsleiter des Vereins. Seine Ehefrau Anke, die im Förderverein unter anderem als Schatzmeisterin aktiv ist, nennt der Diplomkaufmann seine wichtigste Mitstreiterin. Mit der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn sprach Bahr über die starke Hinrunde der Landesligamannschaft, den Oher Traum vom Aufstieg und das Verhältnis zum Gesamtverein.

Herr Bahr, wie stellt sich aktuell das nicht immer einfache Verhältnis der Fußball-Abteilung zum Gesamtverein FC Voran Ohe dar?

Peter Bahr: Wir haben ein gutes Arbeitsverhältnis. Was zum Beispiel die schlechten Trainingsbedingungen angeht, hat sich der Vorstand vor einigen Wochen für uns ins Zeug gelegt, wir haben zum Beispiel gemeinsam beim Bürgermeister vorgesprochen. Das war wirklich gut.

Also hat sich das Verhältnis verbessert, seit Oliver Schubert vor knapp zwei Jahren seinen Rücktritt als Teammanager verkündete und das mit deutlicher Kritik in Richtung des Vereinsvorstands verband?

Ja. Damals war es eine sehr kritische Phase. Der Ligabetrieb stand auf dem Spiel. Inzwischen haben wir wieder eine Basis für eine Zusammenarbeit gefunden. Seit rund zwei Jahren verhandeln wir gemeinsam über einen Werbevertrag, den die Fußballabteilung abschließen will. Das klingt furchtbar lang, ist aber auch ein Zeichen für gründliche und sorgfältige Arbeit.

Was würde dieser Werbevertrag der Abteilung bringen?

Es geht weniger darum, fünf Werbebanden im Oher Stadion aufzustellen, als vielmehr um grundsätzlich bessere Strukturen und Zusammenarbeit. Diese Punkte müssen wir verbessern, wenn es sportlich einen weiteren Schritt nach vorn gehen soll.

Ein Schritt nach vorn: das heißt Aufstieg?

Wir haben sicher das Ziel, irgendwann in die Oberliga aufzusteigen und dort auch eine gute Rolle zu spielen. Aber so weit sind wir noch nicht. Wir müssten mit dem Förderverein finanziell eine mächtige Schippe drauflegen. Oberliga ist in vielerlei Hinsicht eine andere Gewichtsklasse, wir bräuchten zum Beispiel ein professionelleres Ligaumfeld.

Wann könnte es so weit sein?

Wenn es uns gelingt, die aktuelle Mannschaft zusammenzuhalten und uns im Sommer weiter zu verstärken, hätten wir ein schlagkräftiges Team zusammen. Wenn dann vielleicht Billstedt und Sasel aufgestiegen sind, kann man durchaus träumen. In der laufenden Saison geht es darum, dass wir uns in der Landesliga Hansa etablieren und die zweite Mannschaft in der Bezirksliga Ost unterstützen.

Doch was spricht dagegen, schon jetzt zumindest den zweiten Platz anzugreifen? Der Klassenerhalt ist praktisch gesichert, der Rückstand beträgt nur sechs Punkte und Rang zwei könnte zur Relegation oder sogar zum direkten Aufstieg reichen.

Die Zeit der Tiefstapelei ist nach der starken Hinrunde vorbei, aber wir sind keine Lautsprecher. Was jetzt kommt, ist das Sahnehäubchen. Wir können nur noch gewinnen, stehen unter keinem Druck. Das neue Ziel ist, auf Platz vier oder fünf zu klettern. Wenn es tatsächlich zu Platz zwei reicht, wäre das prima, aber auch wenn wir Achter blieben, wären wir überhaupt nicht enttäuscht. Davon hätten wir vor der Saison nur geträumt. Platz acht ist aktuell ein kleines Wunder, denn die Ausgangsbedingungen waren vor Saisonbeginn nicht gut. Außerdem muss man im Hinblick auf die restliche Saison auch immer bedenken, dass wir einen klaren Wettbewerbsnachteil haben.

Die eingangs erwähnten Trainingsbedingungen.

Uns steht zum Trainieren nur ein Rasenplatz in Neuschönningstedt zur Verfügung und nicht wie vielen anderen Clubs ein auch im Winter meistens bespielbarer Kunstrasenplatz. Aus diesem Grund kommen unsere Mannschaften nach der Winterpause oft schwer in Tritt, das kostet uns in der Rückrunde regelmäßig Punkte. Diesen Umstand muss man bei uns in Ohe einfach einkalkulieren.

Die geplante neue Sportanlage im Reinbeker Ortsteil Neuschönningstedt würde das Problem lösen. Hoffen Sie auf einen baldigen Umzug?

Das Entwicklungskonzept liegt vor, aber es gibt noch keinen konkreten Beschluss. Soweit ich weiß, hat die Stadt bisher für den Bau noch kein Geld in den Haushalt eingestellt. Wir müssen daher sicher noch drei, vier Jahre warten, bis der Bau beginnt.

Zurück zum Sportlichen: Bleibt der Trainer Rainer Seibert über die Saison hinaus?

Ja. Er leistet wie auch unser Teammanager Achim Urbschat tolle Arbeit, ist in der Lage, Spieler zu einem Team zu formen, das mit Leidenschaft auftritt. Die Spieler spüren, dass er sich zum Beispiel tagelang mit der Aufstellung quält und sich Entscheidungen nicht leicht macht. Rainer Seibert ist kein Diktator, sondern nimmt seine Mannschaft bei Entscheidungen mit. Hanno Stengel, der unsere Homepage und Stadionzeitung hervorragend betreut, wird zum Saisonende als Co-Trainer zurücktreten. Wir werden für ihn eine neue Aufgabe im Ligateam finden und sind auch zuversichtlich, zeitnah einen neuen Co-Trainer verpflichten zu können.

Ein Dauerthema sind die regelmäßigen Abgänge von Leistungsträgern wie die Torjäger Adrian Voigt im vorletzten und Arne Nüchterlein im vergangenen Sommer. Können Sie diesmal verhindern, das die besten Spieler abgeworben werden?

Das kann man nicht immer verhindern. Wir haben jetzt einen Kader von 24 Spielern, davon waren neun schon vor zwei Jahren bei uns. Sechs, sieben Abgänge muss man leider jeden Sommer einkalkulieren. Gegen Clubs wie den VfL Lohbrügge oder Curslack-Neuengamme sind wir finanziell chancenlos, da brauchen wir gar nicht mitpokern. Zum Glück finden wir immer wieder Spieler, denen eine Leistungsexplosion gelingt. Ohne die Abgänge von Voigt und Nüchterlein hätten sich etwa Max Johnsen und Philipp Fischer, der im Sommer aus Glinde kam und gar nicht wusste, wie gut er Fußball spielen kann, nie so entwickelt. Für die nächste Saison sind wir optimistisch, bisher deuten sich keine Abgänge an.

Wenn es mit Geld nicht geht: Wie werden Spieler davon überzeugt, nach Ohe zu wechseln beziehungsweise dort zu bleiben?

Wir sehen uns als kleines, gallisches Dorf. Wir haben nicht die finanziellen Mittel wie unsere Konkurrenten, dafür bieten wir ein familiäres Umfeld, wo man sich als junger Spieler entwickeln kann und nicht zuletzt auch Spaß hat. Wir können Spielern die Zusage geben, dass der Spaß in Ohe bei aller Leistungsorientierung nicht zu kurz kommt.

Herr Bahr, Heiligabend naht. Was wünscht sich der Fußball-Abteilungsleiter des FC Voran Ohe zu Weihnachten?

Ich wünsche mir, dass sich die Entwicklung aus der Hinrunde fortsetzt. Ich würde mich freuen, wenn wir das Team zusammenhalten und im Sommer gemeinsam noch einen Schritt nach vorn gehen könnten.