Stormarn
Regionalliga

Eichedes Interimstrainer spielte sogar mit gebrochenem Zeh

Martin Steinbek (46) wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Steinhorst

Martin Steinbek (46) wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Steinhorst

Foto: Jürgen Nuppenau / HA

Martin Steinbek soll sportliche Wende der Regionalfußballer einleiten. Am Sonntag kommt der VfB Oldenburg ins Ernst-Wagener-Stadion.

Steinburg.  Erst seit wenigen Tagen ist Martin Steinbek der Interimschefcoach beim SV Eichede, doch den ersten kleinen Rüffel hat er schon kassiert – von seiner Ehefrau. So lange der Verein keinen Nachfolger für den am Montag beurlaubten Jörn Großkopf präsentiert , konzentriert sich das Medien-Interesse logischerweise auf die Übergangslösung Steinbek. Und dazu gehört auch die eine oder andere private Frage. So kam es, dass das Alter seiner Carola in der Zeitung auftauchte.

Die 48 Jahre junge Gattin des Fußballtrainers dürfte es bei einer augenzwinkernden Kritik belassen, weiß sie doch, was in diesen Tagen alles auf ihren Mann einprasselt. Neben den täglichen Verpflichtungen des Personalbedarfsermittlers bei der Deutschen Post und als Vater zwei Töchter (die mit neun und elf Jahren noch kein Geheimnis um ihr Alter machen) muss er als verantwortlicher Coach der Eicheder Regionalligafußballer die Anrufe der Presse entgegennehmen, fast jeden Abend zum Training bitten und den nächsten Gegner des Tabellenletzten studieren.

Die Zeit der hohen Niederlagen soll endlich vorbei sein

An diesem Sonntag (14 Uhr, Matthias-Claudius-Straße) hat er dann keine geringere Aufgabe, als gegen den VfB Oldenburg (Hinspiel 0:0) eine schlagkräftige Eicheder Mannschaft auf den Rasen zu schicken. Die Zeit der planlosen Auftritte und hohen Niederlagen soll vorbei sein.

Wie man sich als Spieler in wegweisenden Phasen verhält, hat Steinbek einst selbst beispielhaft vorgelebt. Nicht zuletzt den Kämpferqualitäten Steinbeks war es zu verdanken, dass der SVE im Mai 1994 erstmals in die höchste Spielklasse Schleswig-Holsteins aufstieg. Das war damals die Verbandsliga, und die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn hieß noch Ahrensburger Zeitung und schrieb: „Bemerkenswert: Martin Steinbek lief (gegen ärztlichen Rat) mit gebrochenem kleinen Zeh im offensiven Mittelfeld in den letzten fünf Spielen zu Hochform auf.“

Heute treten die Stormarner sogar in der Regionalliga an, und Steinbek ist als Trainer der C-Junioren eigentlich für die Zukunft zuständig. Jetzt muss er als Interimstrainer die Probleme der drängenden Gegenwart anpacken. „Im Training lag der Schwerpunkt auf den Zweikämpfen“, verrät der 46-Jährige, der vor dem Abschlusstraining am Sonnabend vier Einheiten mit seinem Co-Trainer Leif Löding (34) leitete. „Ich habe Defizite im Zweikampfverhalten gesehen. Das liegt auch an der Verunsicherung“, sagt er. Zudem sei ihm schon in der Hinrunde, als er zwei Partien des Aufsteigers im Stadion verfolgte, die Ideenlosigkeit im Offensivspiel aufgefallen. „Wir werden daran ansetzen, dass die Spieler nach Balleroberung ein klares Ziel vor Augen haben.“ Positiv sei die Stimmung. „Die Mannschaft ist gewillt, das umzudrehen, was sie verzapft hat.“ Auch der Fitness-zustand sei viel besser, als es bei mehreren Spielen den Eindruck machte.

Trainersuche: Verein gibt keine Wasserstandsmeldung ab

Für den Vereinsvorsitzenden Olaf Gehrken spielte bei der schnellen Suche nach einem Interimstrainer Steinbeks lange Verbindung zu dem Verein eine entscheidende Rolle. Er erzählt: „In den 90er-Jahren habe ich ihn bei einem Spiel in Bad Bramstedt gescoutet und dann verpflichtet. Er hat sich in hohem Maße mit dem Verein identifiziert.“ Nach seiner Fußballer-Laufbahn war Steinbek zunächst Co-Trainer bei anderen Clubs, ehe er als Jugendtrainer wieder in Eichede aktiv war. Der Kontakt zwischen Steinbek und dem Verein aus Steinburg brach auch nicht ab, als der Inhaber der Elite-Jugend-Lizenz 2015 den Sprung als Herrentrainer zu GW Siebenbäumen wagte. Wieder kehrte der im Kreis Lauenburg wohnhafte Steinbek zum SVE zurück. So sei es für ihn auch selbstverständlich, in der aktuellen Situation zu helfen. „Wenn der Verein mich braucht, bin ich da“, sagt er.

Gehrken will zu der Trainersuche keine Wasserstandsmeldungen abgeben und auch keine Namen kommentieren. Der bei Eintracht Norderstedt entlassene Thomas Seeliger sowie Denny Skwierczynski (früher VfB Lübeck) dürften entgegen anderslautender Spekulationen keine Rolle spielen.